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9. Sonntag im Jahreskreis

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder, in meinem Studium wurden uns in Vorlesungen verschiedene Modelle vorgestellt, in dene die „ZUSAMMENSETZUNG“ einer Pfarrgemeinde dargestellt wurde. Da gab es verschiedene Modelle.  In einem Modell gab es zum Beispiel einen Kreis als Symbol für die Pfarrei und die Christen wurden, je aktiver sie in der Gemeinde waren, umso näher in den Mittelpunkt gerückt. Die aktivsten in der Mitte wurden als Kerngemeinde bezeichnet, diejenigen, die wenig präsent waren, z.B. nur bei der Taufe oder Beerdigung, als Randgemeinde oder Fernstehende.     In einem anderen Modell wird die Kirchengemeinde in verschiedenen Gruppierungen dargestellt, die jeweils in unterschiedlicher Form an die Kirche gebunden sind – Manche enger, andere weniger eng. Auch hier gibt es Nah- und Fernstehende, die auch manchmal als „Taufscheinchristen“ bezeichnet werden. In einer neueren Studie werden sie als „Kasualienfromme“ bezeichnet – also als Christen, die die Kasualien in Anspruch nehmen: Taufe – Hochzeiten – Beerdigungen – als eine Art „DIENSTLEISTUNG“, aber ansonsten eher kaum Kontakt zur Kirche halten – und das sind, wenn man Statistiken anschaut, oft die Mehrheit der Kirchengemeinden in unserem Land.

Auch wenn man oft über diesen Zustand klagt und vielleicht dazu geneigt ist, etwas abwertend über diese „Kasualien-frommen“ redet, weil sie nur da sind, wenn es ums eine Beerdigung oder Hochzeit geht – wir dürfen nicht vergessen, dass diese unsere Kirche mit Ihrer Kirchensteuer unterstützen und auch auf diese Weise sich solidarisieren und einen wichtigen Beitrag leisten, ohne dem vieles nicht möglich wäre. Auch wenn Sie sich nicht enger an die Kirche binden wollen – diesen Beitrag leisten sie – und dafür dürfen wir wirklich dankbar sein.

Es wäre einmal ein interessantes Thema für uns als Kirchengemeinde, wie wir diese „Kasualienfrommen“ oder „Fern-stehenden“ in unserem Blick haben. Denn die Kerngemeinde, die regelmäßigen Gottesdienstbesucher erreichen wir ganz gut – aber wie können wir auf die große Gruppe der anderen zugehen?

Diese Frage des Umgangs und des Zugehens auf Fernstehende ist keineswegs eine neue Frage. Wir finden Sie bereits im heutigen Evangelium. Die Gemeinde des Evangelisten Lukas stellt sich eine ähnliche Frage – und überliefert diese in der Form der Erzählung: Der Hauptmann von Kafarnaum - Er ist Römer und gehört nicht zur gläubigen Gemeinde. - o Es heißt, dass sein Diener krank ist und alle Heilungsversuche fehlgeschlagen sind. - o Er hat von diesem Jesus gehört – er wendet sich an ihm und erwartet, so könnten wir sagen, eine „DIENSTLEIST-UNG“ – (ähnl. wie bei uns ein Kasualienfrommer). - Was beim Hauptmann noch erschwerend ist: Er gehört garnicht einmal zu diesem auserwählten Volk der Juden – also ihm stünde diese Dienstleistung nicht einmal zu. Aber er hat Fürsprecher, weil er ja die Synagoge gebaut hat.

Jesus handelt – er ging mit den anderen zum Hauptmann – und Jesus war erstaunt! Nicht über den Bau der Synagoge, sondern über die Worte und über das Verhalten des Hauptmanns. Auch wenn der Hauptmann nicht zum jüdischen Volk gehört – Jesus spürt und entdeckt in ihm einen so tiefen Glauben und eine so große Hoffnung, die den der anderen übersteigt. Jesus sagt: „Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden.“ Das Evangelium sagt leider nichts über die Reaktion der anderen – ob sie sich geärgert haben über diese Aussage, sich vor den Kopf gestoßen fühlten oder ob sie den Glauben des Hauptmanns bewunderten.

Die Wertschätzung dieses Glaubens des Hauptmanns ist seitens der Kirche jedoch so groß, dass sie seine Worte in die Liturgie aufgenommen hat. Die Worte „Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden“ sprechen wir in abgewandelter Form vor dem Empfang der Kommunion. Auf den Worten des Täufers Johannes: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt“ – antworten wir mit den Worten des römischen Hauptmanns: „Herr – ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach, aber SPRICH NUR EIN WORT, SO WIRD MEINE SEELE GESUND!“ Somit steht der Glaube über der Zugehörigkeit zu einer fest definierten Gruppe.

Was das Evangelium mit diesem Blick auf den Glauben – unabhängig von einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit bewirken möchte – ist, dass Menschen ihren Blick zu weiten – über den eigenen Tellerrand hinausschauen: Wir dürfen einander nicht abwerten – nur weil der eine öfters (so schön das auch ist) in die Kirche kommt – und der andere weniger – oder einige gar nicht dazu gehören. Ohne Vorleistung sollen und müssen wir eine einladende Gemeinde und Kirche sein – die – wie Jesus damals – heute in den Menschen die Hoffnung weckt und stärkt. Auch wenn wir bestimmte Lebenskonzepte vor Augen haben und für gut heißen – wir müssen offen sein und Dialogbereit andern Lebensentwürfen gegenüber sein – vor allem auch denen, die oft als gescheitert angesehen werden.

Liebe Schwestern und Brüder, das heutige Evangelium lädt uns ein, unseren Blick nicht zu verengen, sondern immer weit zu halten. Es lädt uns ein und ruft uns auf, eine einladende und offene Gemeinde zu sein, die sich auf Begegnungen einlässt, die dem anderen zuhört – auch wenn er einen anderen Lebensentwurf hat und andere Wege geht ; Eine Gemeinde, die zu verstehen versucht und ins Gespräch kommt – und vielleicht auch dann wie Jesus einen tiefen Glauben vorfindet – auch dann, wenn man ihn auf den ersten Blick nicht vermutet. Dann können wir auch von anderen lernen – dann können uns auch andere überraschen und uns mit ihrem Glauben ins Stauen bringen – und wir können von ihrem Glauben und Vertrauen lernen.

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