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Fronleichnam 2013

Der Blick auf das Eucharistische Brot beinhaltet auch den Blick auf die Ökumene

Liebe Schwestern und Brüder, es gibt eine Geschichte aus Indien. In dieser wird von einem König erzählt, der sich einen Spaß daraus machen wollte, drei Blinde, die noch nie einen Elefanten sahen, einen Elefanten beschreiben zu lassen, in dem sie diesen betasteten: Der erste erwischt die Beine des Elefanten und sagt, dass ein Elefant ein starker und fester Baum sei. Der zweite, der den Rüssel berührte sagte, dass der Elefant eine Schlange sei. Und der dritte Blinde, der die Ohren betastete, meinte, dass der Elefant ein großes Blatt sei. Die drei Blinden haben noch nie einen Elefanten gesehen – sie betasten ihn – und, so können wir sagen, „Jeder sagt die Wahrheit. Jeder hat Recht“ – Aber wir müssen auch sagen, dass keiner allein Recht hat.

Liebe Schwestern und Brüder, als ich in Nürnberg lebte, war ich ab und zu in einer Kirche. In dieser wurde am Sonntag vier Mal Eucharistie gefeiert: 06.00: Feier der orthodoxen Christen aus Eritrea. 10.00: Christen der röm.-kath. Gemeinde. 16.00: Feier der chaldäischen Christen und jetzt gibt es auch um 19.00 Uhr die Messe im außerordentlichen Ritus (tridentinisch) . In meiner Zeit als Kaplan in Naila hatten wir für eine gewisse Zeit die Evangelische-Lutherischen Christen in unserer Kirche zum Gottesdienst, da ihre Kirche renoviert wurde. Immer wieder war ich auch zu Besuch im Kloster Niederalteich, in dem die Mönche den Gottesdienst im byzantinischen Ritus feiern.    … bei all diesen liturgischen Formen und Variationen: Die Menschen feiern immer das Gleiche: Das Gedächtnis und die Vergegenwärtigung des letzten Abendmahls, des Lebens, Leidens, Todes und der Auferstehung Jesu. - Bei all diesen Feiern werden sich Menschen bewusst, dass Jesus in Leib und Blut in Ihrer Mitte gegenwärtig ist. (Evang. luth: Realpräsens im Augenblick dem Kommunionempangs) - Und auch hier dürfen wir fragen: Kann einer sagen, dass es nur so – in dieser und jener Weise sein darf?

Liebe Schwestern und Brüder, unser christlicher Glaube ist von einer großen Vielfalt geprägt. In der Geschichte der Kirche beeinflussten jüdische Überlieferungen und Traditionen als auch hellenistische Philosophien und Vorstellungen den christlichen Glauben. Das hat bereichert – und sicherlich auch ermöglicht, diesen Glauben den Menschen in ihrer Sprache und Zeit nahezubringen. Aus der Wurzel des christlichen Glaubens auch verschiedene Triebe und Traditionen gewachsen – in der Gestalt der verschiedenen Kirchen - und jede dieser Kirchen hat auf ihre eigene Weise Aspekte des Glaubens erhalten und gepflegt, die ansonsten vielleicht schon verloren gegangen wären. Somit sind trotz des Trennungs- schmerzes die verschiedenen Kirchen eine Art „Garant“ für die Existenz verschiedener Glaubensformen und -elemente: Die Kirchen der Reformation hatten den Focus mehr auf das Wort der Schrift gelegt – und auf die Gnade: „SOLA SKRIPTURA“ – „SOLA GRATIA“. Sie machten deutlich, dass sich der Mensch nicht auf eigene Leistung das Himmelreich erkaufen kann und Gott der oberste Maßstab ist – kein Mensch. Die katholische Kirche legt einen großen Wert auf den Ritus (in ihrer Vergangenheit war das Wort (die Bibel) etwas weniger gewichtet worden, so dass man die evang. Kirche als Kirche des Wortes und die kath. als Kirche des Ritus bezeichnete. Zum Glück sind diese Extreme schön länger überwunden.) In der Orthodoxen Kirchen wirdn neben der feierlichen Liutgie auch auch eine große Zahl an liturgischen Gesängen und Ikonen gepflegt. In charismatischen Kirchen wird eine besondere Betonung auf das Wirken des Heiligen Geistes in allen Gläubigen gelegt. Sie machen in besonderer Weise deutlich, dass Pfingsten kein vergangenes historisches Geschehen ist, sondern Gegenwart – hier und heute. Das heutige Evangelium von der Brotvermehrung zeigt den Aspekt der sozialen Verantwortung auf: In den Worten „Gebt Ihr ihnen zu essen“ ruft es die Kirche auf, sich auf die Seite der Armen und Ausgestoßenen zu stellen; Lebenshilfe zu geben – in den verschiedensten Lebenssituationen. ...    All diese Ausprägungen gehören zu unserem Glauben dazu und sind wertvoll. In all diesen Dingen erfüllen Menschen etwas vom Auftrag Jesu – und sind schon deshalb wertvoll. Daher dürfen christliche Kirchen einander nicht gering- achten oder verurteilen (was man in der Geschichte leider viel zu oft gemacht hat).

Liebe Schwestern und Brüder, trotz aller Wertschätzung der verschiedenen Konfessionen, trotz dem Reichtum, den sie beinhalten – Der Auftrag Jesu bleibt: „Ich will, dass sie eins sind“!  "Ich will, dass sie eins sind“ - Aber er sagt nicht, dass sie einheitlich sein sollen.

An die Trennung der Christen erinnert uns in besonderer Weise immer wieder das Abendmahl, dass wir feiern: Der Inhalt ist der gleiche, die Form aber in den Konfessionen unterschiedlich. Und das tut auch weh – wir spüren es immer wieder, wenn wir uns getrennt zum Abendmahl versammeln. Aber trotzdem: „Wir sollen eins sein!“  Auch wenn es im Hinblick auf das Abendmahl noch nicht geht, geht es doch in vielen anderen gemeinsamen Dingen:   Ökumenische Hauskreise - Ökumenische Gottesdienste, die wir hier in unserem Seelsorgebereich feiern, und die ich auch weiter ausbauen möchte. Dieses Jahr hatten wir erstmals einen ökumenischen Kreuzweg hier in Ludwigschorgast, nächstes Jahr hoffentlich auch in Neuenmarkt. Ebenso gab es einen ökumenischen Bibelabend. -  …     Bei all diesen Dinge spüre ich immer wieder, dass wir einander bereichern können, dass die andere Konfession uns für etwas sensibilisieren kann, was bei uns vielleicht etwas untergegangen ist.  Das heißt aber auch für uns, dass wir zu unserer Kirche, zu unserer Konfession stehen dürfen – und auch müssen, denn auch in unserer Kirche gibt es vieles, was ein Schatz für die gesamte Christenheit ist – was sie reich macht.

 

„Wir sollen eins sein“ – Eins auch in der gegenseitigen und eigenen Wertschätzung, Achtung und Anerkennung. Wir haben als Christen eine große Vielfalt - in Sprachen, Riten, Traditionen, und manches verstehen wir halt auf verschiedene Weise. Aber wir können gelassen sehen, dass es diese Vielfalt gibt - wenn wir eins sind in der Liebe. Und wir stellen immer wieder fest, dass diese Vielfalt ein Reichtum ist, ein Schatz, der uns lebendig hält und fruchtbar macht für neue Wege. Diese Vielfalt macht uns, wenn wir zusammenhalten und aufeinander bauen, flexibel, um den Herausforderungen unserer Zeit und der Zukunft gewachsen zu sein. Wir Christen müssen zusammenhalten und gemeinsam in die Zukunft gehen.   Zwar werden wir auch hier und dort immer wieder Meinungsverschiedenheiten haben und so manches als fasst unlösbar denken, aber bleiben wir dran und ringen um eine Lösung, denn das Ringen mit dem jeweils Anderen schärft unseren Blick für das Wesentliche, Es führt zur Mitte – zu Jesus! Wir brauchen dieses Ringen um den richtigen Weg in den einzelnen Gemeinden, im Seelsorgebereich und in unserer ganzen Kirche!

Liebe Schwestern und Brüder,  das Fest Fronleichnam lenkt unsere Blick auf die Eucharistie – auf die Mitte unserer Gemeinde – auf Jesus Christus – und es öffnet gleichsam unseren Blick für die anderen Gemeinden und Kirchen, die sich um ihn versammeln. Blicken wir auf Ihn, unseren Herrn – und blicken wir auf unsere Schwestern und Brüder in den anderen Konfessionen. Ein solcher Blick hilft uns, unseren Blick zu weiten. Ein solcher Blick beschenkt uns selbst, stärkt im Glauben und führt zusammen, was getrennt ist.   Amen.

 

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