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Seelsorgebereichsgottesdienst 2013 in Ludwigschorgast

(Lesung: Ez37,1-14)

 

Liebe Schwestern und Brüder,

„Früher war alles besser“ – Diesen Gedanken haben wir oft in verschiedenen Versionen gehört: - Früher waren die Kirchen noch voll und in den Pfarreien blühte das Leben. Früher gab es noch genügend Priester – für jede Pfarrei – Da brauchte man noch keine Seelsorgebereiche. Früher waren noch viele Kinder, Jugendliche und jungen Familien da, heute sind es weniger geworden. Früher hatten die Kirchenverwaltungen auch noch mehr finanzielle Mittel. Früher … - Früher war alles besser.

„Früher war alles besser“ – diesen Gedanken finden wir auch in der Lesung aus dem Buch Ezechiel: „Ausgetrock-net sind unsere Gebeine, unsere Hoffnung ist untergegangen.“  „Unsere Hoffnung ist untergegangen“, so klagte das die Oberschicht des Volkes Israels, als sie nach Babel entführt worden war – im babylonische Exil. Die Alten Sicherheiten im eigenen Land, die lieb gewonnenen Traditionen sind zerbrochen - … und was die Zukunft bringen wird, das weiß keiner.

Bei all diesen Beispielen gleichen sich die Bilder: Die Zukunft scheint auf dem Spiel zu stehen und ein Neuanfang liegt in weiter Ferne – wenn er überhaupt zu erahnen ist. Hoffnungslosigkeit und Resignation haben sich ausge- breitet – Damals – und oft auch heute. In den Worten der Lesung finden sich Gefühle von Menschen, die ohne Hoffnung sind. In einer solchen Situation tritt der Prophet Ezechiel auf. Und durch seine Botschaft macht er deutlich, dass ein solches Denken und Reden nicht weiterhilft. In diesem Propheten wirkt Gottes Geist, spricht Gott selbst Worte des Mutes und der Trostes, dass die Menschen beleben und aufwecken sollen. Wie ein Filmautor fasst der Prophet seine Botschaft in großartige Bilder: Tote Knochen von längst Verstorbenen fügen sich zusammen. Sie werden mit Muskeln, Sehnen und Haut umgeben und Gott haucht Ihnen den Lebensatem ein. So werden die Verstorbenen wieder zu neuem Leben erweckt. „Ich selbst bringe Geist in Euch“ – „Ich hauche Euch meinen Geist ein“ ; Das erinnert an die Erzählung von der Erschaffung der Welt: Gott, der den Menschen aus dem Lehm des Ackerbodens formt und ihm das Leben einhaucht.

Liebe Schwestern und Brüder, in der christlichen Tradition hat man die heutige Lesung meist auf die Auferstehung der Toten am jüngsten Tag gedeutet. Aber es würde dem Text nicht gerecht werden, wenn wir ihn darauf beschränken. Vielmehr dürfen wir die beschriebene Erweckung des Gottesvolkes als ein Geschehen der Gegenwart sehen – für hier und heute – für uns.

Drei Gedanken möchte ich uns für unsere Kirche heute und für unseren Seelsorgebereich mitgeben:

1. Auch wenn so manches Jammern gerechtfertigt ist – die Kirchenbesucherzahlen sinken, Kirchenaustritte steigen, Es immer weniger Priester und Gläubige gibt und so manche Traditionen abbrechen. Auch wenn die Rolle der Kirche in der Gesellschaft schrumpft und die Zukunft nicht klar ist: Resignation ist fehl am Platz! Das machte auch der Prophet seinem Volk deutlich. Und auch wir dürfen und müssen zwar die aktuelle Situation unserer Kirche und unserer Pfarreien im Seelsorgebereich wahr- und ernstnehmen – aber wir sollen nicht resignieren.

2. Der Prophet Ezechiel redet vom Wirken Gottes in unserer Welt: „Geist, komm von den vier Winden“. Ezechiel öffnet die Augen, dass Gott wirkt – selbst und vor allem auch da, wo menschliche Kräfte nichts mehr ausrichten können. „Ich hauche Euch meinen Geist ein – dann werdet ihr lebendig“. Gottes Geist schafft Leben, selbst da, wo wir nichts mehr vermuten.

An Pfingsten feiern wir das Wirken des Heiligen Geistes in unserer Welt und in unserer Kirche. Denken Sie an die Lesung des Pfingstsonntages aus der Apostelgeschichte: Der Geist Gottes macht aus verängstigten Menschen mutige Verkündiger des Evangeliums.  Auch wenn wir heute keine Feuerzungen und kein Brausen sehen und spüren – wir dürfen trotzdem darauf vertrauen, dass Gottes Geist auch heute wirkt.  Wenn wir genau hinschauen, spüren auch wir etwas von Gottes Geist in unserer Welt hier und heute: Es finden sich Aufbrüche in unserer Kirche: Z.B. in kleinen kirchlichen Gemeinschaften und Gruppen, in Haustreffen, in Gottesdiensten und in persönlichen Gesprächen, wenn Menschen neuen Mut bekommen.  So manche haben das Pilgern neu entdeckt, z.B. nach Santjiago. Es freut mich auch, dass ein Filmstar das Thema in seinem Buch "Ich b in dann mal weg" aufgreift.  Aufbrüche zeigen sich für mich in den Weltjugendtagen.   Aufbrüche zeigen sich aber auch dann, wenn Jugendliche zusammen eine Band gründen und Gottesdienste spielen – wenn Jungen und Mädchen z.B. Ministrant werden; wenn sich Jugendliche firmen lassen wollen und auch danach hin weiter gemeinsam etwas unternehmen wollen, wenn sich Erwachsene zusammentun uns Kindergottesdienste gestalten, in der Firm- oder Kommunionkatechese etwas von Ihrem Glauben weitergeben. …  Solche Aktivitäten haben wir immer wieder – und sie deuten einen neuen Aufbruch an. Die Zukunft beginnt hier und heute – und verläuft nicht unbedingt in gewohnter Weise. – Damit kommen wir zum dritten Punkt:

3. „Der Geist Gottes weht wo und wie er will“ Da stellt sich die Frage: „Was sollen wir tun?“ Was die richtige Vorgehensweise in unserer Situation, die keine einfache ist?  Die einen schwören auf die Vergangenheit: „Früher war alles besser“ – man müsste also nur wieder vergangene Traditionen beleben.  Andere fordern, alles komplett umzukrempeln und der Welt anzupassen.  Beide Extreme, so denke ich, würden uns abschneiden – zum einem von der Welt heute oder zum anderen von unseren Wurzeln.

Wir feiern heute unseren Seelsorgebereich. Früher gab es das nicht. Und wenn wir ehrlich sind, führen solche Strukturänderungen auch nicht von allein in eine bessere Welt – aber früher war auch nicht alles besser. Aber im Seelsorgebereich liegt eine Chance. Vielleicht ist es nicht Zufall oder Schicksal, dass wir hier als dieser Seel-sorgebereich zusammengebunden wurden – vielleicht ist das auch Gottes Plan. Dass er genau uns als Menschen zusammenführt, die an ihn glauben – dass er Menschen zusammenführt, die sich für Ihn und seine Botschaft einsetzen – jeder auf seine Weise. Vielleicht ist es Gottes Plan, dass wir so gemeinsam ein viel bunteres Bild von Gott ergeben, als es jede Pfarrei einzeln könnte.

Liebe Schwestern und Brüder, in meiner gestrigen Predigt habe ich von einem Haus gesprochen, dass die Apostel durch ihr Sprechen von Gott aufbauen. Ein Haus, in dem sich Menschen wohlfühlen, in dem sie gerne sind und wo sie einander verstehen (Die Sprache des Herzens). Heute ist es der Raum - das Haus unseres Seelsorgebereichs, den wir ganz bewusst in diesem Gottesdienst vor Augen haben. Öffnen wir uns für diesen Raum – nehmen wir diesen Seelsorgebereich als Auftrag an und öffnen wir diesen Raum für Gottes Geist, damit er in unserem Seelsorgebereich wirke, und öffnen wir auch uns als Pfarreien immer mehr füreinander, damit wir voneinander lernen, einander bereichern und miteinander Kirche sind.

 

Amen.

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