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LALEIN - Die Sprache des Heiligen Geistes

Predigt zu Pfingsten 2013

Liebe Schwestern und Brüder,

 

am heutigen Pfingstsonntag steht das Pfingstereignis als zentrales Geschehen im Mittelpunkt. Die Lesung aus der Apostelgeschichte beschreibt in beeindruckenden Bildern das Geschehen, wie die Heilige Geist auf die Jünger herabkommt und aus verschüchterten Menschen auf einmal mutige Glaubenszeugen werden: „Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden – und jeder konnte sie verstehen, in seiner Sprache hören“. Pfingsten wird als ein Ereignis vorgestellt, an dem die Sprache eine wichtige Rolle bekommt.

 

Liebe Schwestern und Brüder, in der griechischen wird oft das Wort LALEIN verwendet, wenn Menschen von Gottes Kraft erfüllt etwas sagen. Der Geist Gottes bewirkt also etwas, was der Mensch sagen soll. Das ist aber oft nicht sofort eindeutig zu verstehen, sondern muss gedeutet werden. Lalein meint ein Lautwort, das gedeutet werden muss – ähnlich wie das Lallen bei einem Kind. Das Wort Lalein meint auch etwas ganz persönliches. Es ist etwas, hinter dem Gott oder der Mensch steht, ganz persönlich. Es geht bei Pfingsten also um eine ganz spezifische Art der Kommunikation.

 

Im Deutschen unterscheiden wir verbale Kommunikations-formen: Es gibt „Sagen“, Reden“ und „Sprechen“:  Etwas sagen bedeutet: Auf etwas zeigen und hinweisen, damit alle hinschauen. Das Reden hat immer etwas mit Begründen und Erklären zu tun. („Lass uns einmal darüber reden““). Das Wort „Sprechen“ kommt von „BERSTEN“ – Herausbrechen. Er bricht also etwas aus einem Menschen heraus, was ihm im Herzen bewegt. Das was den Menschen im innersten bewegt sucht sozusagen nach einer Ausdrucksform. In diesem Sinn reden die Apostel nach dem Pfingstereignis nicht über Gott, sondern sie sprechen von ihm in einer Sprache, die jeder versteht. Und das ist die Sprache des Herzen.

Sie kennen sicherlich den Spruch: „Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund.“ - Richtigerweise müsste es heißen: „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund – davon spricht der Mensch (in Wort und Tat.)“ Zu einem solchen Sprechen wurden die Apostel befähigt, weil sie selbst von Gott begeistern wurden. Sie wurden befähigt: - Zur Sprache der Herzens; Zu einer Sprache, die vom Feuer ergriffen ist und die Mitmenschen wärm; Zu einer Sprache, die für Gott brennt und die das Leben der anderen Menschen erleuchtet; Zu einer Sprache, die den Funken überspringen lässt.   Die Evangelisten haben genau eine solche Sprache Jesus zugeschrieben. Denken Sie nur an die Emmausjünger: „Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns sprach?“

 

Liebe Schwestern und Brüder, sprechen wir diese Sprache? Oder sind wir aus der Wirtschaft, aus der Gesellschaft viel mehr eine kalte Sprache gewohnt? Eine Sprache, die einen frieren lässt, weil sie rein sachlich sein will und keine Emotionen mehr zeigen kann und darf. Weil man ja nichts mehr über sich selbst sagen darf, sondern viel mehr distanziert sein muss. Eine rein sachliche und emotionskalte Sprache bewertet oft den anderen, kann aggressiv sein und verletzen. Und auch in der Kirche müssen wir uns fragen, ob unser Reden und Sprechen der Sprache Jesu entspricht. Ist unser Reden und Sprechen die Sprache, wie sie der Heilige Geist eingibt? > Sprechen wir wirklich von Gott? – Oder reden wir über ihn? Wenn wir nur von Gott reden, bleibt es ein Gerede, wird aber nicht zum Gespräch.  Oft kommen auch wir Christen nicht zum Gespräch, weil wir zu viel reden anstatt aus unserem Herzen zu sprechen.

 

Liebe Schwestern und Brüder, bei den Kirchenvätern heißt es, dass wir „mit unserer Sprache ein Haus“ bauen.  Weiter heißt es: „Mit einer kalten und aggressiven und bewertenden Sprache bauen wir ein Haus, in dem keiner sich zuhause fühlt, in dem niemand gerne arbeitet.“

 

Das Pfingstgeschehen ist eine Art Gegenentwurf: Die Jünger errichten, so könnte man sagen, mit ihrer Sprache ein Haus, in dem sich die Menschen aller Völker zuhause fühlen können; Denn Sie verstehen die Sprache des Herzens: Apg.2,11: „Wir hören sie in unserer Sprache Gottes große Taten verkünden“. Im griechischen steht auch hier LALOUNTON. Das meint, dass die Jünger so von Gott sprechen, dass seine Taten hörbar werden und das Herz berühren.

 

Liebe Schwestern und Brüder, was ist Pfingsten für uns?

Ich wünsche uns, dass auch wir immer mehr das lernen, was die Jünger gelernt haben: Die Sprache Jesu - eine Sprache, die aus dem Herzen kommt! Eine Sprache, hinter deren Worten wir mit unserem Herzen stehen und die das Ausdrückt, was wir von Gott gespürt und erfahren haben.

 

Karl Rahner sagte einmal: „Der Christ von Morgen wird ein Mystiker sein – einer der etwas erfahren hat“ – und, der so möchte ich es sagen, dass mit der Sprache des Herzen verkündet. Nur dann werden wir als Christen Zeugen Jesu sein, die die Herzen der Menschen berühren, wärmen und erhellen – und dann können sie vielleicht auch das Wirken Gottes in unserem Herzen spüren.

 

Liebe Schwester n und Brüder, Pfingsten lädt uns ein, nach dieser Sprache des Heiligen Geistes zu suchen – und es ist unsere Aufgabe, diese Sprache immer wieder auszuprobieren. Perfekt werden wir sie vielleicht niemals können – aber wir können uns bemühen, sie immer mehr zu sprechen.

 

Amen.

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