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          Predigt zum 3. Fastensonntag 2013         

Liebe Schwestern und Brüder!

Immer wieder hören wir von Unglücksfällen und Katastrophen. Manchmal sind Menschen für solche Ereignisse verantwortlich, manchmal sind es unglückliche Umstände, menschliches Versagen oder Naturereignisse. Unglücksfälle oder Katastrophen. Aus welchen Gründen auch immer Unglücke entstehen – solche Ereignisse machen oft sprachlos und mutlos.

In einer Todesanzeige habe ich einmal gelesen: „Das Schicksal lässt sich nicht in die Karten schauen und Gott ist unberechenbar. Wir können nicht verstehen und nicht akzeptieren, warum unser Sohn sterben musste!“ In diesem Text spüren wir etwas von der Not der Familie; und ich kann ihre Verletzung, ihren Schmerz, aber auch ihre Wut verstehen. Ich selbst habe vor etwa einem Jahr einen Jungen im Alter von 14 Jahren in unserem Seelsorgebereich beerdigt. Der frühe Tod der eigenen Kindes, die Wucht dieses Schicksals, das diese Familie trifft, die Fragen nach dem „Warum?“, all das wurde in die Traueranzeige hinausgeschrien.

Wo bleibt die Antwort?

Liebe Schwestern und Brüder, immer wieder müssen wir spüren, dass sich das Schicksal nicht rechtfertigt:Gott bleibt stumm und der Mensch bleibt verletzt und verstört zurück. „Das Schicksal lässt sich nicht in die Karten schauen und Gott ist unberechenbar.“ 

Wenn Gott stumm bleibt, wenn wir nichts von ihm hören können, dann macht das unseren Glauben schwer – und oft können Menschen deswegen nicht oder nichtmehr glauben. Das ist dann kein böser Wille, so das man Gott ablehen würde. Ich denke, dass es viel mehr das Schweigen Gottes ist, dass uns nicht glauben lassen kann.

Das Schweigen Gottes macht zu schaffen. Und ist auch biblisch immer wieder thematisiert, ganz beeindruckend zum Beispiel im Psalm 22, den Jesus lt. dem Passionsbericht am Kreuz gebetet hat:  Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, / bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage? Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; / ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe.

Gott, warum kannst Du dieses und jenes zulassen? – Gott, warum muss ich das durchmachen – warum lässt Du das Leid zu? – Und warum schweigst Du? Diese Fragen sind mir aus seelsorglichen Gesprächen – und auch aus meinem eigenen Leben - allzu gut bekannt.

Einige Leiderfahrungen wurden zu Beginn des Evangeliums genannt: Pilatus ließ Menschen beim Opfern umbringen, so dass sich ihr Blut mit dem der Opfertiere vermischte; oder der Turm von Schiloach, der Menschen erschlagen hat. Gott – warum lässt Du das zu?

 

Im Alten Testament begegnet man Antwortversuchen, die oft von der Überzeugung geprägt sind, dass das Unheil eine Folge der Sünde sei. Das Leid wurde als Strafe Gottes gesehen. (Sie kennen die Geschichte vom Blinden – und die Frage der Pharisäer: „Wer hat gesündigt? Er seine Eltern, dass er blind geboren wurde?“) Mit der Antwort, dass das eine Strafe Gottes sei, versuchten Menschen das zu verstehen, was nicht zu verstehen und zu begreifen ist. Mit dieser Antwort haben sie sich auch selbst aus der Verantwortung füreinander gezogen.

Liebe Schwestern und Brüder,

wer einen harten Schicksalsschlag verkraften musste, der weiß, wie weh es tun kann, wenn jemand versucht, mit billigen Trost oder frommen Sprüchen ruhigzustellen. Aber bei der Frage nach den eigentlichen Gründen – nach dem großem „Warum“ versagen oft alle Erklärungsversuche. Gott scheint zu schweigen; die Welt erscheint als Bedrohung und die Zukunft wie ein finsteres Loch. Wie soll es weitergehen? Woher nehme ich die Kraft?

„Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt!“ – das sagt Jesus auf die Nennung der beiden Katastrophen. Hier scheint fast eine Verbindung zwischen Glauben und Leid anzuklingen. Wenn wir diese Aussage jedoch alleine stehen lassen, kann das ganze Angst machen und uns die Lebensfreude nehmen. Jesus dagegen hat immer wieder betont, dass der Glaube keine Angst machen muss sondern den Menschen Mut und Kraft geben soll – genau auch in solchen schwierigen Situationen. Wenn wir im Bild des Evangeliums bleiben, dann wird Jesus als der Weingärtner, der voller Liebe seinen Weinberg betrachtet, ihn hegt und pflegt und auch den dürren und unfruchtbaren Baum nicht aufgibt, vorgestellt: „Ich will den Boden aufgraben und düngen.“ Hier zeigt sich der Weg aus der Misere, hier öffnet sich die Zukunft – Jesus selbst möchte den Menschen öffnen und stärken für die Zukunft.

Liebe Schwestern und Brüder, Menschen, die das Leben hart getroffen und das Schicksal tief verletzt hat haben das Recht zu fragen und zu klagen. Solche Menschen sind dann vielleicht wie ein solcher Baum, der keine Frucht mehr bringen kann, weil er einfach zu schwach oder zu oft verletzt worden ist. Ein solcher Mensch darf seine Wut zulassen, seinen Schmerz hinausschreien, er muss sich nicht „zusammenreißen“ bis er ganz zerrissen ist. Aber er soll auch Hilfe an sich lassen, eine Hilfe, die, bildlich gesprochen, hilft, den hart gewordenen Boden um einen herum aufzugraben und zu düngen: Wir brauchen Menschen, die uns helfen, wenn unser Alltag zu hart und zu steinig wird. Wir brauchen Menschen, die uns helfen, nach vorne zu schauen – der Blick zurück im Zorn und Schmerz bringt uns nicht voran.  Gerade wenn wir mitten im Leid stehen, in der Angst – wenn unser Leben zu hart und steinig geworden ist, ist Arbeit angesagt und Hoffnung gefordert: Pack die Brocken an, die Dir das Schicksal vor die Füße geworfen hat, grab den fest gewordenen Boden auf, der dir die Kraft nimmt. Bring den Dünger von helfenden Gesprächen und neuen Lebensaufgaben ein.  Stärke deinen Glauben. Pflege deine menschlichen Beziehungen. Sorge dafür, dass der Baum deines Lebens wieder Frucht bringt.   Das schafft man oft nicht allein. Dazu braucht es Mitmenschen, die sich wie Jesus zur Mitarbeit zur Verfügung stellen – dazu braucht es auch uns als Kirche. Die Sorge um Menschen in Schicksalsschlägen, in Ängsten und Sorgen muss eine der zentralen Aufgabe unseres kirchlichen Tuns sein.

Natürlich wird es nach einem Schicksalsschlag niemals mehr so werden, wie es früher war! Menschen werden der Vergangenheit nachtrauern.  Die Kräfte sind weniger geworden, die Zukunft unsicherer, die Ängste größer. Aber vielleicht liegt gerade in dieser Last und in diesem Leid der große Plan Gottes verborgen, der uns die Größe zutraut, daran nicht zu zerbrechen, sondern zu wachsen und zu reifen.

Liebe Schwestern und Brüder, diese Gedanken helfen uns, weiterzugehen und nicht aufzugeben. Diese Gedanken beantworten nicht die Frage nach dem Grund, nach dem WARUM unseres Leids und der Erschütterungen, die Ihr und mein Leben ergreifen. Aber diese Frage führt auch nicht weiter. Was weiter führt ist die Antwort, die wir auf die Anfragen des Schicksals unseres Lebens geben. Jesus selbst hat uns das vorgelebt. Er hat das Kreuz nicht gesucht, aber er ist ihm auch nicht ausgewichen. Er hat das getragen, was eigentlich unerträglich war. Er hat die Gottesferne ausgehalten, hat erfahren, dass Gott unberechenbar ist und ihm laut entgegen geschrien: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ (Mt 27,46) Jesus ist aber bei der Frage nicht stehen geblieben, sondern hat sich zur Antwort durchringen können: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!“ (Lk 23,46)

Das hat uns Jesus vorgelebt. Wenn auch wir versuchen, dieses Vertrauen Jesus anzunehmen, - wenn wir es schaffen, dieses Vertrauen zu einem Teil unserer Antwort auf die Probleme und Schwierigkeiten unseres Lebens werden zu lassen, dann können wir spüren, dass nach jeder Nacht die Sonne aufgeht und hinter jedem Untergang ein neuer Anfang wartet.

Amen.

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