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Predigt zum 5. Sonntag im Jahreskreis

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Wenn wir uns das heutige Evangelium anhören – wenn wir uns gedanklich mit hineinbegeben, als ob wir dabei wären – Es klingt wie nach einem Märchen: Da stehen die Fischer nach einer erfolglosen Nacht deprimiert am Ufer: „Wir haben uns die ganze Nacht hindurch abgemüht und haben nichts gefangen“. – "Wir waren die ganze Nacht am Arbeiten, haben uns abgerackert, aber es war alles umsonst – ein kompletter Misserfolg." - Und dann kommt dieser Jesus, macht den Fischern Mut - und sie fahren nochmal hinaus. Obwohl Sie eigentlich aus ihrer Erfahrung heraus wissen, dass es am Tag keinen Sinn macht. Trotz aller Skepsis lassen sie sich darauf ein – und haben, wie ein Wunder, doch Erfolg. Die Netzte waren voll bis obenhin. Ja, es klingt wie ein Märchen. So fast nach dem Motto: Ende gut, alles gut.

Dieses Evangelium könnte auch für die Situation unsere Kirche heute gut passen: Da tut man seine Arbeit – in unserer Kirche sind es viele Haupt- und Ehrenamtliche, die mitarbeiten und sich engagieren, die überlegen - Viele engagieren sich im Gottesdienst, in der Caritas oder in der Verkündigung – und müssen leider immer wieder erfahren: „Die ganze Zeit haben wir gearbeitet, geschafft, haben versucht, Menschen für Deine Botschaft, für die Kirche zu begeistern und zu gewinnen – aber wir haben nichts oder nur wenig erreicht.                                          Der Text des Evangeliums passt auch im privaten Leben: da hat man sich abgerackert, viel erarbeitet, gelernt, studiert, sich in diesen und jenen Bereichen engagiert - und manchmal scheint es, als ob alles umsonst gewesen sei. Die erstrebte Berufslaufsbahn verläuft zum Beispiel anders als erhofft; der Verein, in den man so viel investiert hat, kann sich trotzdem nicht halten oder die Familie, die mir so wichtig ist, für die ich alles tun würde, ist trotzdem zerstritten. Die Beispiele ließen sich noch weiter fortführen. …. Die märchenhaften Zustände, die im Evangelium beschrieben werden „Ende gut – Alles gut“ scheinen oft weit entfernt – unerreichbar.

Das Evangelium vom reichen Fischfang, welchen wir als nachösterliche Erscheinung aus dem Johannesevangelium kennen, hat der Evangelist Lukas in die Lebenszeit Jesu verlegt. Hier ist es also die Erstberufung der Jünger – während es bei Johannes die Bestärkung ist. Egal ob zu Beginn des Jüngerseins oder mittendrin – Ich denke, es braucht immer wieder Bestärkung. Genauso wie es auch bei mir ist: Ich brauchte Mut zu Beginn meiner Studien und Kaplanszeit – und ich brauche auch jetzt immer wieder Erlebnisse, die mir Mut machen, weiter zu gehen – nicht aufzugeben – Vor allem dann, wenn ich wie die Fischer im Evangelium denke: „Du das Dich angestrengt, hast alles versucht – aber es hat doch eh keinen Zweck“. Wir alle brauchen Mut. Zum einem, um eine neue Aufgabe, einen neuen Beruf oder einen neuen Lebensabschnitt anzugehen –Und wir brauchen vor allem auch Mut, um durchzuhalten – nicht aufzugeben – vor allem dann, wenn wir meinen, dass es alles umsonst gewesen sei.

Liebe Schwestern und Brüder, im heutigen Evangelium ist die Situation der jungen Kirche zu finden. Voller Elan haben Sie den Glauben verkündet, sich eingesetzt für das Evangelium – aber die frühen Christen haben auch spüren müssen, dass nicht alles so läuft, wie sie es gerne gehabt hätte. Der Erfolg blieb aus – Trotz allem Engagement und Einsatz blieb der Erfolg aus und die „Netzte leer“. Der Evangelist gibt seiner Gemeinde mit dem heutigen Evangelium etwas an die Hand, was Ihnen Mut machen soll. Und das sind keine bewährten Traditionen, keine Gewohnheiten, die sich die Jünger angeeignet haben und meinen, nur danach handeln zu können; sondern die Gewissheit der Verbundenheit mit Jesus – mit Gott. Genau diese Verbundenheit ist es im heutigen Evangelium und in den Lesungen, die die Menschen nicht aufgeben lässt. Die Gewissheit der Verbundenheit –das Vertrauen auf das Wort Jesu lässt die ersten Jünger nochmals aufbrechen und hinausfahren.

Wenn ich das auf mich / auf uns heute übertrage, heißt das, dass das Wichtigste die Verbundenheit mit Gott und miteinander ist. Die Verbundenheit mit anderen Menschen und mit Gott hilft mir, mit Misserfolg und Resignation umzugehen. Im Gespräch miteinander kann ich meine Enttäuschungen benennen, verarbeiten und neue Kraft tanken – vielleicht so, wie es Petrus getan hat: „Wir haben die ganze Zeit geangelt und nichts gefangen“ – „Ich habe alles versucht, aber ich habe nichts erreicht“. - „Aber wenn Du es sagst, werde ich die Netze auswerfen“. „Aber wenn Du es sagst, werde ich es noch einmal probieren – weil ich spüre, dass Du es mir zutraust“. Und das gibt mir Mut!" „Wenn Du es sagst, werde ich nicht aufgeben!“ – Hier spüren wir, dass die Verbindung zu Gott und zu Mitmenschen stärker sein kann als alle Resignation, Mutlosigkeit und Misserfolg.

Liebe Schwestern und Brüder, Sie sehen, dass der biblische Text kein Märchen ist und auch keines bleibt. Er spricht auch uns an: Auch wenn wir vielleicht keinen großen Erfolg sehen, auch wenn wir hier vor Ort oder in Deutschland doch manchmal denken, dass wir uns abmühen, aber es eh keinen Sinn zu scheinen hat; wir sollen nicht dabei stehen bleiben. Wir dürfen diese Gedanken ernst nehmen und auch äußern, so wie es ganz menschlich ist und auch in der Bibel vorkommt – heute in allen drei Lesungen: In der ersten: „Ich bin verloren – ein Mann mit Unreinen Lippen. – bei mir hat das doch eh keinen Sinn. In der zweiten: Jesus erschien auch dem Paulus, dem Unzeitigen, der nicht dafür bereit war. Der selbst sagt, dass er nicht wert sei, Apostel genannt zu werden. – Auch bei mir hat das keinen Sinn. Und auch im Evangelium: „Herr, wir haben alles versucht – Es hat doch eh keinen Sinn“. Aber wir sollen auch uns bewusst sein: DIE BEZIEHUNG ZU GOTT, ZU JESUS ÜBERWINDET DIE SINNLOSIGKEIT, DIE ANGST UND DIE RESIGNATION: Aus der Gottesbeziehung erhalten wir Mut: „Gebt Euch nicht auf - Habt Mut“ – das Bewirkt Gott, wenn wir ihn lassen – und das hören wir ebenfalls in allen drei Lesungen: In der ersten Lesung: Eine Zeichenhandlung (die glühende Kohle, die den Mund des Propheten Jessaja berührte) gab ihn Mut für seinen Auftrag: „Hier bin ich! Sende mich!“. Die zweite Lesung: Paulus spürte, dass Jesus in seinem Leben gegenwärtig ist und ihm Kraft für seine Aufgabe gibt: „Ob nun ich verkündige oder die anderen. Das ist unsere Botschaft …“ Und das heutige Evangelium: Jesus selbst führt zum Erfolg der Aufgabe.

Was mir noch auffällt: Wenn Jesus die Jünger aufruft, am Tag hinauszufahren, dann nimmt er keinerlei Rücksicht auf die Gewohnheit oder Traditionen. „Versucht doch das, was Ihr für jetzt für Unmöglich gehalten habt.“ > „Habt doch den Mut“, so könnte er uns sagen, „über Eure Schatten zu springen – und Euch auf ganz Neues einzulassen.“

„Habt Mut – Gebt Euch nicht auf“ - „Habt Mut, Neues zu tun – Klammert Euch nicht Ängstlich an Alte gewohnte Strukturen“ – Diese Aufforderung öffnet die Tür in die Zukunft. Wie kann das Neue genau ausschauen? Ich habe kein Patentrezept – und auch keine Garantie, dass alles Neue, was man anfängt, unbedingt auch gut ist und zum Erfolg führt. Aber „es ist“, wie es ein Spruch sagt, „besser ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen“. Es ist besser, (wenn wir in Bibdsprache des heutigen Evangelium bleiben) erneut auf das Meer hinauszufahren – auch auf neue und vielleicht noch unbekannte Wege; als wegen seiner Ängste, Gewohnheiten und festgefahrenen Traditionen an Land zu bleiben – und die Hoffnung auf Erfolg zu begraben. Damit begräbt man sich selbst. 

„Habt Mut, Neues zu tun – habt Mut, auf das Meer hinauszufahren – Habt Mut, Euch senden zu lassen“.Drei Gedanken dazu möchte ich uns aus dem Evangelium mitgeben:

1.„Auf Dein Wort hin“ – auf das Wort Jesu hin sind die Jünger hinausgefahren. Ich wünsche uns, dass auch wir es immer wieder schaffen, auf das Wort Jesu – auf seinen Geist in unserer Welt zu hören. Gott spricht auch durch uns Menschen – auch in ungewohnter Weise, die mit unseren bisherigen Erfahrungen oder Traditionen manchmal kaum zusammenpassen. Im Evangelium hat erst das Ungewohnte und Neue zum Erfolg geführt. Daher brauchen wir in unserer Gemeinde hier im Seelsorgebereich und auch in unserer ganzen Kirche einen offenen dialogischen Prozess, der kritisch auch Traditionen und Strukturen hinterfragt und Neues zu Tage führt. Wenn wir mit unserem Schiff der Gemeinde nur im Sicheren Hafen bleiben und nicht hinausfahren, geben wir uns selbst auf.

2.Die Jünger haben die anderen Jünger gebraucht, damit diese Ihnen helfen, das Netz an Land zu bringen. Damals beim Fischen wie auch heute in der Kirche braucht es Teamarbeit. Jesus hat seine Jünger immer zu zweit berufen und auch zu zweien ausgesendet. Die Gemeinschaft, persönliche feste und tragfähige Beziehungen und das Team sind für die Kirche und für den Einzelnen in ihr unverzichtbar.

3.„Fürchte Dich nicht“. Diese Botschaft begegnet uns immer wieder im Alten wie im Neuen Testament: „Fürchte Dich nicht“. In der ersten wie in der zweiten Lesung war die Furcht wie wegeblasen: „Hier bin ich, sende mich“ – und „Ob nun ich verkündige, oder die anderen: Das ist unsere Botschaft“. Fürchte dich nicht –

Liebe Schwestern und Brüder, „Fürchte Dich nicht“ – Diese Worte stehen nicht explizit im heutigen Evangelium – aber diese Worte sind die Grundbotschaft unseres Glaubens. Und diese Worte möchte ich Ihnen und uns allen für die neue Woche mitgeben: Fürchte Dich nicht! Fürchte Dich nicht, als Christ und als Kirche in die Zukunft zu gehen. Fürchte dich nicht, auch nach Niederschlägen – gib Dich nicht auf - Und fürchte Dich nicht, neue Wege einzuschlagen – Mit Gott an Deiner Seite.

Amen.

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