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     Predigt zum dritten Sonntag im Jahreskreis (C) von M. Leicht   

 

Liebe Schwestern und Brüder,

wir befinden uns in der fünften Jahreszeit – im Karneval. Am Freitag haben wir in Himmelkron den Pfarrfasching gefeiert – mit viel Musik und Tanz, viele Verkleidungen waren zu sehen. An vielen Orten können wir beobachten, wie sich Menschen verkleiden und feiern – vor allem in den Karnevalshochburgen wie Köln, Düsseldorf und Mainz.  In meiner Studienzeit im Rheinland haben wir ganz nah etwas mitbekommen von dieser Stimmung in der Faschingshochburg Köln. Rosenmontag waren wir immer mit dabei. Und ich hatte den Eindruck, dass da der Karneval einfach dazu gehört – Es war stimmig – und man hat diese Zeit auch gebraucht: Gebraucht, um aus dem Alltag zu entfliehen ; gebraucht, um aus seiner Haut zu fahren und in eine andere Rolle zu schlüpfen.

Einige Psychologen messen dem Karneval eine wichtige Bedeutung zu: Im Buch „Fest der Sehnsüchte – Warum Menschen den Karneval brauchen“ heißt es, dass die fünfte Jahreszeitfür viele Menschen unverzichtbar ist. Sie hilft, ein Jahr zu reflek-tieren, Erlebnisse und Misserfolge, Geschehnisse, Pannen und Verärgerungen aus der Wirtschaft, der Politik, der Kirche oder auch dem Privatleben … deutlich zu benennen, ohne dass, wenn es angemessen vorgetragen wird, es einem krumm genommen wird. Denken Sie nur an so manche Büttenreden. Da ist oft viel Wahrheit drin. - Damit ist der Karneval ein „zeitlich begrenztes Ventil“, das hilft, die Luft, den Frust und Ärger rauszulassen. Er hilft und macht Mut, sich auszusprechen – gemeinsam über so manches nachzudenken und ermöglicht so vielleicht auch manche Neuanfänge oder gemeinsame Wege in die Zukunft.

Liebe Schwestern und Brüder, der Karneval hat, wie wir sehen, viel mit Wahrheit zu. Er ist aber nicht nur „Wahrheit nach außen“, sondern auch „Wahrheit nach innen“. Er kann mir helfen, meinem grauen Alltag zu entfliehen. In den närrischen Tagen wird aus so mancher grauen Maus auf einmal ein bunter Vogel, aus einem stillen Mann wird hinter der Maske auf einmal einer, der bis zum Schluss feiert, lacht und tanzt. So manche Menschen können vielleicht erst durch die Verkleidung zu dem werden, was sie wirklich sind – oder was sie sein wollen. Hier haben sie auf einmal Mut, sich zu befreien aus ihren Ängsten. Karneval kann mir die Frage stellen: „Was möchtest Du eigentlich sein?“, „Welche Wünsche und Ängste, welche Sorgen und Visionen trägst Du in Dir?“

Was möchte ich eigentlich sein? – Es wäre jetzt falsch zu sagen, dass jeder das sein möchte, als was er sich verkleidet. Aber ich denke, es ist richtig, wenn ich sage, dass der Karneval helfen kann, sich für einige Zeit aus zu engen Grenzen zu befreien – sich von dem zu befreien, was mich ein engt, was mich unsicher und ängstlich macht, sich zu befreien aus dem, was auch andere Menschen mir auflasten – oder sich zu befreien aus der Rolle, in die anderen einen gerne hineinschieben.

Befreien von den eigenen Ängsten, von den Sorgen, niemals gut genug zu sein - dass will in einer viel tieferen Dimension auch der christliche Glaube. Auch der Glaube möchte uns die Tür in die Freiheit öffnen. Sicher, er ermöglicht uns nicht, dass wir alles können; Er befähigt uns nicht, zu Zaubern wie ein Zauberer oder zu fliegen wie ein Superman, er befähigt uns nicht, auf einmal der größte und perfekteste Redner zu werden (so schön ich das auch fände) und er macht uns auch nicht unbesiegbar – aber er macht uns deutlich: „So wie Du bist, bist Du gut!“ – „So wie Du bist, bist Du wertvoll! – „So wie Du bist, wirst Du gebraucht“. Das macht Paulus deutlich, wenn er im Bild von einem menschlichen Körper die Fähigkeiten der einzelnen Glieder nennt und beschreibt: Der Fuß, der zwar nicht greifen kann – aber laufen; Das Ohr, das zwar nicht sehen kann – aber hören ; ... „Du bist wertvoll – so wie Du bist – und mit dem, was Du kannst“ – das spricht Paulus bildlich den einzelnen Gliedern des Körpers zu.

„Du bist wertvoll, so wie Du bist“ – das spricht er seiner Gemeinde von Korinth zu, in der es Streitigkeiten darum gab, welches das wahre Christsein ist, wie das richtige Leben als Christ ausschauen muss – was einer tun muss, um ganz dazu zu gehören. Und er macht deutlich, dass es keinen Einheitstyp des Christens gibt. Sondern genau die Unterschiedenheit macht die christliche Gemeinde aus: Die unterschiedlichen Talente und Fähigkeiten, die unterschiedlichen Gedanken und Visionen. Und in dieser Verschiedenheit der Christen, die durch die Taufe verbunden sind zu „einem Leib“ – zur einen Kirche sollen sie und wir ein Teil dessen sein, was Gott durch seine Kirche in dieser Welt bewirkt.

Liebe Schwestern und Brüder: „Du bist wertvoll – so wie Du bist – und mit dem, was Du kannst." – "Du hast Talente und Fähigkeiten, die gut sind, die wir brauchen und wofür wir dankbar sind“ – Ich denke, dass muss uns immer wieder einmal gesagt werden. Ich habe das neulich erleben dürfen. Da sagte jemand zu mir „Der Pfarrbrief hat durch Dich gewonnen“. Das tat gut. Auch wenn ich vielleicht auf manches neidisch bin, was andere können aber ich nicht – trotzdem kann ich etwas, was gut und wertvoll ist. So etwas brauchen wir Menschen: Etwas Lob voneinander – damit wir auch wieder etwas von dem spüren, was in uns liegt. Es braucht Menschen, die (wie ich bei meiner Predigt Dreikönig sagte), mit Abstand auf etwas – auch auf mich – schauen, und das entdecken, wofür ich vielleicht schon blind geworden bin.

Liebe Schwestern und Brüder, der Karneval und in einer viel tieferen Dimension laden unser Glauben uns ein, uns mit unseren Wünschen und Visionen auseinanderzusetzen. Das ist auch gut so – den hier können wir vielleicht etwas von dem spüren, was wir noch aus uns machen können. Das ist nicht schlecht. Aber ich wünsche uns auch, dass wir spüren: „So wie Du bist“ – „So wie ich bin – mit all meinen Fähigkeiten und Talenten – aber auch mit meinen Begrenzungen – bin ich wertvoll. So werde ich gebraucht“ – in meiner Arbeit, in meiner Beziehung, in meiner Familie, in meinem Freundeskreis – in meiner Kirche. So hat mich Gott geschaffen – und so braucht er mich.

Amen

 

Tagesgebete zur Auswahl (04)

Heiliger Gott. Du bist unsagbar größer, als wir Menschen begreifen, du wohnst im unzugänglichen Licht, und doch bist du uns nahe. Gib, dass wir heute mit Ehrfurcht vor dir stehen und froh werden in deiner Nähe. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

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