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    Predigt zum Hochfest "Erscheinung des Herrn" vom M. Leicht  

 

Liebe Schwestern und Brüder,

in meinem Studium habe ich im Rheinland studiert. Oft sind wir nach Köln gefahren - es waren nur 30 Min. im Auto. Wir waren einkaufen, in der Stadt unterwegs – und natürlich auch im Kölner Dom, indem der Sarkophag mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige steht. (Wobei in der Bibel ja nichts von Königen steht. Es ist die Rede von Magiern, Sterndeutern aus dem Morgenland – und auch die Angabe, dass er drei Personen waren, ist nirgends belegt – nur von drei Geschenken lesen wir: Gold, Weihrauch, Myrrhe).

Wenn wir in Köln waren und vor dem Dom standen, konnten wir immer wieder den Touristen zuschauen, die den Dom mit seinen Türmen fotographieren wollten. Wenn man den gesamten Dom inklusiv Türme auf dem Bild haben wollte, musste man schon sehr weit zurücktreten.

 

Das ist oft bei vielen Dingen so: Damit man sie im Gesamten sehen und betrachten kann, muss man oft einen Schritt zurücktreten. Das gilt für Gegenstände oder Gebäude, wie zum Beispiel dem Kölner Dom; das gilt für Erlebnisse in unserem Leben, deren Sinn wir vielleicht erst erkennen, wenn wir einige Zeit haben verstreichen lassen oder einige Tage uns entfernt haben und das gilt auch für große historische Ereignisse, die Ihre Zeit brauchen, um verarbeitet zu werden. Das sehen wir auch am zweiten vatikanischen Konzil, welches vor 50 Jahren begann, einige Jahre dauerte und dessen Ergebnisse bis heute noch bearbeitet werden – und auch fortgeschrieben – aktualisiert werden müssen.

Im biblischen Text heute sind es „Ausländer“ – „Leute, die weit vom Geburtsort Jesu entfernt sind“, die von weitem den strahlenden Stern gesehen haben und erkannten, dass ein neuer König geboren wurde.

Von weitem kann man vieles besser erkennen. Daher braucht es nicht zu verwundern, dass die, die direkt vor Ort waren, vielleicht gar nicht richtig mitbekamen, was an „Weltgeschichte“ hier geschrieben wurde und geschehen ist. Die Menschen vor Ort waren so stark vom Alltag in Anspruch genommen, dass Sie vom Guten und Neuen in Ihrer Heimat gar nichts bemerkt haben – außer die Hirten.

Liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht geht es uns ja so: Wir staunen über das, was vor 2000 Jahren in Jerusalem passiert ist – das Gott als Mensch geboren wurde – aber wir tun uns schwer damit, sein Wirken hier und heute, in unserer Welt – in meinem Leben zu sehen und zu spüren. Und dann ist auch noch die Frage erlaubt, inwieweit wir es zulassen, dass Gott Neues in unser Leben – vor unsere Haustür säht und wachsen lässt. Wollen wir das überhaupt? - Weil ja alles, was neu und ungewohnt ist, uns in unseren Sicherheiten infrage stellen kann. - Weil wir vielleicht vorsichtig sind vor allem Neuem, mit dem wir vielleicht nicht gerechnet haben – weil wir unser Leben und unseren Alltag umstellen müssten – und wir nicht wissen, wie das ganze aussehen kann und woher wir dazu die Kraft nehmen sollen.  -  Wollen wir unsere Augen überhaupt öffnen für das Neue – auch in unserer Kirche - das uns zeigt, dass sich unsere Kirche und unsere Gesellschaft in ihrem Tun und Denken vielleicht doch ändern muss. Ich habe zu Beginn das zweite Vatikanum erwähnt, mit seinen Texten, die aufgearbeitet werden müssen. Aber auch diese Texte müssen sich kritisch von einer geänderten Zeit hinterfragen lassen. In einer Zeitschrift war ein Beitrag zum 2. Vatikanum mit der Überschrift: „Das zweite Vatikanum – Visionen von Gestern“. – Die Texte müssen also auch verheutigt werden - aggiornamento. Die Tradition der Kirche muss, wie ich es in meiner Neujahspredigt erwähnt habe, mit dem Leben hier und heute in Berührung gebracht werden.

Liebe Schwestern und Brüder, ich denke, dass es auch bei uns immer wieder Menschen – wie die Waisen aus dem Morgenland - von außen braucht, die Dinge sehen, die wir aus der Nähe gar nicht wahrnehmen und uns darauf hinweisen. Wir haben in unserem Alltag so viele Dinge, die wichtig sind und die erledigt werden müssen, so dass wir immer wieder in der Gefahr stehen, dass große Ganze aus dem Auge zu verlieren. Wir sehen oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Und oft sieht man nicht, was sich Neues und Gutes vor der eigenen Haustür tut.

 Wie kann sich unser Blick sich öffnen für das Große und Ganze – wie können wir das Gute und Wertvolle direkt vor unserer Haustür – und in unsere, Alltag erkennen? Vielleicht müssen wir immer wieder einmal wie der Tourist mit seinem Foto ein paar Schritte vom Kölner Dom zurücktritt, uns Zeit nehmen, um zurückzutreten – vom weiten drauf zu schauen. Wir brauchen Zeit, um das große Ganze bestaunen zu können. Nur so werden die Zusammenhänge und die großen Linien deutlich – nur so können wir unterscheiden, was in unserer Kirche leere ausgebrannte Tradition ist oder was lebendiges Feuer ist – Nur, wenn wir uns nicht in Kleinigkeiten verlieren und nichts mehr anders sehen, können wir erahnen, wohin uns das Evangelium führen möchte und was Gottes Geist mit uns vor hat. Wir brauchen Zeit, um wieder Staunen zu können – über das, was Gott in unserer Gemeinde wirkt – in den Menschen, die sich einbringen und mitmachen.

Ich staune immer wieder über das, was wir in unserem SSB alles auf die Beine stellen – im Moment die Sternsingeraktion / Im Januar der Pfarrfasching in Himmelkron, bei dem sich die anderen Pfarreien einbringen / Die Pfarrfeste / Die Kinderkirchenteams / …

Ja, wir dürfen staunen, welch große Dinge Gott durch Menschen hier und heute wirkt.

Liebe Schwestern und Brüder, lernen wir, immer wieder einmal einen Schritt zurückzutreten um wieder das Ganze in den Blick zu bekommen. Lernern wir dadurch wieder, uns nicht in Einzelheiten oder Problemen zu verlieren, sondern lernen wir wieder staunen, mehr in den Blick zu bekommen – und auch das Gute wieder mehr zu sehen; wie es die Waisen aus dem Morgenland taten: Sie haben das Neue und Gute gesehen - Sie haben den Stern aufgehen sehen.

 

Amen.

 

Worte an die Sternsinger:

Motto „Segen bringen und Segen sein“.

Als Sternsinger hab Ihr heute eine dreifache Aufgabe

1. Verkündigung des Evangeliums (Der Geburt Jesu). Aufgabe aller Christen.

2. Segnen der Häuser – durch Eure Gebete und Lieder – Und durch das Beschriften der Tür: CMB. „Segen“ – kommt von „BENEDICTIO“ (lat) = GUT SAGEN. Wir möchten, dass das Leben der Menschen gut ist. Wir möchten, dass Sie das Gute in Ihrem Leben wieder sehen. (Predigt: Ein Schritt zurücktreten, das gute wieder sehen könne.)

3. Aufruf zur Nächstenliebe – Ihr sammelt für die Kinder, die wir nicht einmal kennen – für die in Tansania. Unterstützt werden unter anderem mit dem Geld der diesjährigen Aktion der Bau von Krankenhäusern.

Segnung von Stern und Kreide

Segnung der Sternsinger

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