Startseite | Gottesdienst | Aktuelles | Seelsorgebereich | Kontakt | Bilder | Infos | Spirituell
Boxbild
  Druckversion   Seite versenden

Predigt zum Neujahrstag 2013 von Michael Leicht

 

Liebe Schwestern und Brüder,

wie schnell geht doch ein Jahr vorüber.

Als ich gestern Abend bei der Silvesterparty war, haben wir nicht nur das neue Jahr gefeiert, sondern auch über das vergangene gesprochen. „Weißt Du noch – was wir im vergangenen Jahr alles unternommen und erlebt haben? Kannst Du dich noch an dieses und jenes erinnern? …“ Das Jahresende ist oft auch eine gute Möglichkeit, eine Bilanz zu ziehen und das vergangene Jahr zu beurteilen. Was ist gelungen? Was ist daneben gegangen?

Immer wieder nehmen sich dann Menschen vor, im neuen Jahr etwas zu ändern, etwas besser zu machen – und sie fassen sich Vorsätze für das neue Jahr.

Liebe Schwestern und Brüder, ein neues Jahr verbinden wir immer mit der Chance für einen Neuanfang – so ähnlich, wie ich mir als Schüler bei einem neuen Schulheft einen Neuanfang gemacht habe und mir vornahm, von jetzt an sauberer zu schreiben und weniger Fehler zu machen.

Wir schlagen heute das Heft eines neuen Jahres auf - wir stehen am Beginn des Jahres 2013 und haben die erste Seite aufgeschlagen. 365 Seiten – 365 Tage stehen uns zur Verfügung, die wir gestalten können und müssen.Wir fangen damit an.

Die Fähigkeit, neu anfangen zu können und etwas Neues zu beginnen zeichnet uns Menschen aus. Anders als die Tiere, die sich , von Trieben und Instinkt von einem zum anderen Tag einfach treiben lassen. Und es ist bei uns Menschen auch anders als bei den Abläufen in der Natur, die den gleichbleibenden Gesetzmäßigkeiten von Werden von Vergehen folgen. Zwar sind wir auch an diese Welt – an Ihre Gesetzmäßig-keiten gebunden – aber wir sind in der Lage, unser Leben und unser Lebensumfeld, unsere Welt aktiv und kreativ zu gestalten. Wir können Akzente setzen, Entscheidungen treffen, einen Neuanfang wagen.

Vielleicht haben Sie auch schon Hoffnungen für das neue Jahr, Visionen für einen Neuanfang oder für Veränderungen – Für sich persönlich; für Ihre Familie oder Partnerschaft, in beruflicher oder gesundheitlicher Hinsicht.

Vielleicht haben Sie auch schon Hoffnungen und Visionen für das neue Jahr im Hinblick auf unsere Pfarrei, auf unsere Kirche und unsere Gesellschaft. Im Hinblick auf die aktuelle Lage in Kirche und Gesellschaft wissen wir, dass nicht alles so weitergehen kann wie bisher. Innerkirchlich dürfen wir hier sehr wohl unsere Selbstverständnis anfragen – den Umgang mit Traditionen und Strukturen. Hier gilt immer wieder nach dem Wort von Papst Johannes XXIII., der das 2. Vatikanisch Konzil einberufen und eröffnet hat, zu handeln: „Tradition heiß, das Feuer am Brennen zu halten – und nicht die Asche aufzubewahren“. Dem zweiten Vatikanum ging es nicht darum, wie ihm von traditionalistischen Kreisen und Gedanken gerne vorgeworfen wird, die Tradition der Kirche komplett über Bord zu werfen. Es ging ihm vielmehr darum, die Tradition der Kirche mit der Gegenwart in Berührung zu bringen und kompatibel zu machen – das Leben des Glaubens und der Christen in den Traditionen am Brennen zu erhalten, damit dieser reiche Schatz auch weiterhin Menschen begeistern und anstecken kann.

Unsere Kirche kennt viele Traditionen und liturgische Formen, die gut sind. Die Formen der Eucharistiefeier und der weiteren Sakramentenspendungen (Trauungen, Taufen, …) sind ziemlich fest vorgegeben. Zum einen stehen sie für die Gemeinschaft der kath. Kirche weltweit. Nutzen wir diese festen Formen, lassen wir uns davon ansprechen und für den Glauben entzünden. Aber haben wir auch den Mut, gemeinsam nach neuen und freien Formen des Gebetes und der Gottesdienste zu suchen. Denn mit der Zeit ändern sich auch die Menschen, die in der Liturgie angesprochen werden. Ich danke allen, die sich in der Gestaltung der Liturgie und im Leben unserer Pfarrei einbringen:

•Unseren Lektoren und Kommunionhelfern, unserem Gesangverein, der Schola und der Band, die mit Ihrem Gesang die Liturgie bereichern, den Organisten und den Mitgliedern des Musikvereins, die durch Ihren treuen Dienst unseren Gesang begleiten und die Gottesdienste feierlich gestalten.

•Herzlichen Dank den Wortgottesdienstleitern für Ihre Ideen für die Wortgottesdienste, und für die Gottesdienste in der Fasten- und Adventszeit.

•Unseren Ministranten, die durch Ihren treuen Dienst die Gemeinde am Altar vertreten. Schön, dass es Euch gibt und Ihr Euch in unserer Gemeinde einbringt.

•Ich danke den Mitarbeitern im Kinderkirchenteam unter der Leitung von unserem Gemeindereferenten Peter Wilm.

•Der Pfarrgemeinderat und der gemeinsame Ausschuss des SSB: Vielen Dank für Ihr Planen und Organisieren der kirchlichen Feste im Jahreskreis.

•Die Kirchenverwaltung und die GKV, welche sich um die finanziellen Grundlagen unserer Pfarrei kümmert. Ich danke allen, die sich hier engagiert haben und auch weiterhin engagieren. Vor einigen Monaten wurde ja die KV neu gewählt.

•Ich danke allen Mitarbeitern im pastoralem Team, in unseren Pfarrbüros und ich danke unseren Mesnern für die gute Zusammenarbeit im vergangen Jahr und gehe vertrauensvoll mit ihnen in das neue Jahr.

•Herzlichen Dank auf dem Kirchenputzteam. Dank Ihrer Mitarbeit ist es in unserer Kirche sauber. Herzlichen Dank denjenigen, die sich um den Blumenschmuck sorgen.

Sie und alle, die sich in irgendeiner Weise in unserer Gemeinde einbringen, tragen dazu bei, dass unsere Gemeinde lebendig ist. Sie tragen dazu bei, dass der Schatz der Liturgie, der Schatz der kirchlichen Tradition lebendig ist und bleibt.

Wie bereits erwähnt, ändern sich mit der Zeit auch die Menschen. Daher darf sich unsere Kirche keinen Stillstand erlauben. Wir alle sind als getaufte und gefirmte Christen gefragt, wenn es darum geht, der Kirche von heute eine zeitgemäße Gestalt zu geben. Wir alle sind gefragt, wenn es darum geht, das „Feuer“ der Tradition „am Brennen zu halten“. Das kann kein Pfarrer alleine machen – und das soll er auch nicht. Kirche geht uns alle an.

Die Kirche kann sich keinen Stillstand erlauben – das Bild der Kirche hat sich geändert. Die Zeiten der Volkskirche sind schon lange vorbei, in denen es selbstverständlich war, dazuzugehören und mitzumachen. Es wäre falsch, hier nur den alten Zeiten nachzutrauern und vor Angst vor der Zukunft zu erstarren. Das hilft Niemanden. Nehmen wir den Auftrag an, Kirche hier und heute zu gestalten. Mir schwebt hierzu der Gedanke einer Pfarrversammlung vor Augen, in der, wie beim Konzil damals, wir uns austauschen und Ideen sammeln, wie wir unserer Zukunft gestalten.

In diesem Gottesdienst haben wir in diesem Jahr auch erstmals persönlich die Vertreter der kommunalen Gemeinden, die Bürgermeister und Ihre Mitarbeiter, als auch die Vereine unserer Region eingeladen. Ich begrüße ganz herzlich ____

__________BEGRÜSSUNG BGM + VEREINE ____________________________

Auch sie dürfen auf das vergangene Jahr zurückschauen.

Ich danke den kommunalen Gemeinden für die gute Zusammenarbeit und Verbindung mit unseren Pfarreien im Seelsorgebereich Main-Schorgast-Tal. Ich danke den Vereinen für Ihr Engagement in unserer Region. Durch Ihre Arbeit gestalten und prägen Sie das Leben vor Ort. Ich wünsche auch Ihnen einen guten Start in das neue Jahr 2013. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit Kraft und mit Visionen zum Leben hier beitragen – ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Freude im neuen Jahr. Weder Kirche noch Politik, noch die Gesellschaft kann sich einen Stillstand erlauben. Auch im Privatleben ist Stillstand immer Rückschritt.

Ich wünsche uns, dass es uns auch im neuen Jahr gelingt, auf die sich immer wieder ändernden Lebensbedingungen zu reagieren. Denn darin liegt die eigentliche Größe und zugleich die Herausforderung unseres Menschseins: dass wir nicht nur nach festgelegten Mustern funktionieren, sondern eben auch für Überraschungen gut sind. Auch wenn wir an die Gesetzmäßigkeiten unserer Welt gebunden sind, so sind wir dennoch in einer gewissen Hinsicht frei und unabhängig. Der Mensch kann etwas von sich aus beginnen. Er ist deshalb, wie er der evangelische Theologen Eberhard Jüngel sagt, ein »Anfänger«. – Ein Anfänger im positiven Sinn. Denn das »Anfangen können« ist etwas Positives, eine Begabung.

Heute vor acht Tagen haben wir Weihnachten gefeiert. Dieses Fest steht für einen ganz besonderen und entscheidenden Neuanfang, den Gott mit uns Menschen gemacht hat. Die Geburt Jesu im Stall kennzeichnet nichtbloß den Beginn seines menschlichen Lebens. Mit der Geburt des Retters im Stall beginnt die Erlösung der ganzen Menschheit: Gottes Liebe wird in Jesus unter den Menschen sichtbar.

Liebe Schwestern und Brüder,

Anfangen können, das zeichnet uns Menschen aus. Wir würden uns sogar Chancen vergeben, wenn wir von den Möglichkeiten, die Gott für uns bereithält, keinen rechten Gebrauch machten. Nicht umsonst sprechen wir im Schuldbekenntnis zuerst von dem, was wir »Gutes unterlassen« haben. Damit gestehen wir ein, dass wir den Neuanfang oft nicht gewagt, eine Chance, die sich ergeben hat, nicht genutzt haben.

Vor uns liegt ein neues Jahr, das die Gelegenheit zu vielen Neuanfängen bietet. Und bestimmt gibt es vieles:

Da wäre es im persönlichen Bereich vielleicht nötig einen Kontakt wieder aufzunehmen, einen lange hinausgeschobenen Brief zu schreiben, ein klärendes Gespräch zu suchen. Es wäre vielleicht an der Zeit, für sich selbst etwas zu tun, am eigenen Lebensstil etwas zu ändern, einen lang gehegten Traum zu verwirklichen. Wir könnten unsere Mitmenschen in den Blick nehmen, uns selbst und unsere Talente für sie einbringen.

Im Hinblick auf unsere Welt müssen Staat, Kirche und Privatmenschen sich der Sorge um die Armen widmen, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wird ein großes Thema sein, um den Menschen wieder Visionen und Träume zu ermöglichen. In unserem Land sind auch Familien mit Ihren Kindern zu fördern und zu unterstützen, Familiengründung muss unterstützt werden. Im Hinblick auf die Weltgeschichte bleiben Finanzkrise und Kriege eine bleibende Aufgabe. Innerkirchlich muss der Dialogprozess fortgeführt werden und der Mut zur Weiterentwicklung und auch Veränderung gestärkt werden.

Das ist nur ein kleiner Ausblick auf anstehende Aufgaben. Vielleicht trauen wir uns, die eine oder andere Veränderung in Angriff zu nehmen – auch wenn das Endergebnis nicht 100%ig sichtbar ist. .

Ich wünsche Ihnen und uns, dass wir nicht müde werden, immer wieder anzufangen und aufzubrechen. Brechen wir gemeinsam auf in das neue Jahr 2013.

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.Ok, verstanden.