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Kapitelbau des ehem. Augustiner Chorherrnstift in Neunkirchen am Brand (12 km östlich von Erlangen, 15 km südöstlich von Forchheim

Verfasser: Geistl. Rat Veit Dennert, Pfarrer i. R.

  

Kapitelbau vom Klostergarten aus
Kapitelbau vom Klostergarten aus
Die »Augustinuskapelle« im Kapitelbau des Augustiner Chorherrnstifts Neunkirchen am Brand - Erzdiözese Bamberg


Entstehung, Aufstieg und Niedergang

Der Kapitelbau ist neben der Pfarr- und Stiftskirche St. Michael das wichtigste noch erhaltene Gebäude aus der Zeit des Augustiner Chorherrnstiftes (1314-1555). Der Bau des ihm vorgelagerten Kreuzgangs wurde 1368 begonnen. In der 2. Hälfte des 14.Jht. wurde auch der Kapitelbau errichtet. Er stammt aus einer Zeit des Aufbruchs und der Reform. Hier fanden die wichtigen Zusammenkünfte, Beratungen, Planungen und Theologischen Gespräche der Chorherrn statt.
1552 musste Bischof Weigand im Krieg gegen den Markgrafen Albrecht Alcibiades, der sengend und plündernd in das Hochstift Bamberg eingefallen war, unter anderen auch das Amt Neunkirchen abtreten. Im Stift Neunkirchen war nur noch der Propst zurückgeblieben (der übrigens vom Markgrafen gezwungen wurde, die Pfarrei künftig nach der lutherischen Lehre versehen zu lassen!). Zwar wurde die Abtretung der Ämter durch den Kaiser später rückgängig gemacht, die Verheerungen, welche die Kriegszüge auch in Neunkirchen und seiner Umgebung angerichtet hatten, waren aber katastrophal. Der letzte Probst Augustin Kraus starb 1555. Der Zerfall der Klostergebäude oder deren Zweckentfremdung war damit eingeleitet.
Als 1822 auch noch der Nordflügel des Kreuzgangs entlang der Südwand der Michaelskirche abgebrochen wurde, war der heute noch stehende Ostflügels des Kreuzgangs längst verbaut. Damit hatten Kapitelsaal und das drüber liegende Skriptorium ihren ursprünglichen Zugang vom Kreuzgang her verloren. Bis 1974 waren die gotischen Fenster des Kapitelsaals zugemauert, der vordere Teil diente als Autogarage, der hintere als Holzlege. Gott, sei Dank:

Die Zeit der Erneuerung brach an.

Dem damaligen Pfarrer und Stiftungsverwalter Geistlichen Rat Matthäus Schmittlein ist es zu verdanken, dass der Kapitelsaal restauriert und als Gottesdienstraum unter dem Namen Augustinuskapelle genutzt werden konnte. Freilich wegen der schwierigen Zugangssituation war die Nutzung nur eingeschränkt möglich. Ebenso wurde das darüber liegende Skriptorium statisch gesichert, von späteren Einbauten befreit, restauriert und museal genützt.

Von außen zugänglich war der Kapitelbau im Untergeschoss nur über eine niedrige schmale Tür an der Nordseite des Chörleins oder von der Sakristei her über ein in den Raum hineinragendes Podest mit Treppe. Bis Ende der 60er Jahre des 20. Jht. war das Skriptorium nur über einen niedrigen schmalen Durchgang im 1. Stock des alten Pfarrhaus zugänglich. Ende der 60er Jahre wurden zwischen dem Kapitelbau und Chor der Pfarrkirche die Kirchenheizung und WC's eingebaut. Über eine Treppe und das Flachdach gelangte man Über einen Mauerdurchbruch in die Schatzkammer und von dort in das Skriptorium. Die über diese Einbauten eindringende Feuchtigkeit gefährdeten allerdings die Fresken an der inneren Nordwand der Augustinuskapelle erheblich. Die Absicht der 1991/92 durchgeführten Renovierung und Einbindung in das Ganze der Anlage sollten eine


Ehem. Kapitelsaal des Stifts, heute Augustinuskapelle
Ehem. Kapitelsaal des Stifts, heute Augustinuskapelle
Annäherung an die Ursprünge

sein. Bei der großen Renovierung von St. Michael (1989 - 1994) wurden diese Einbauten zwischen dem Chor von St. Michael und dem Kapitelbau entfernt und die Fresken im Inneren gesichert. Das Schlupfloch im Chörlein konnte geschlossen werden, weil überraschenderweise bei der Entkernung des noch stehenden östlichen Kreuzgangsflügels die beiden gotischen Zugangstüren zum Kapitelsaal wieder zum Vorschein kamen und der Kapitelsaal (heute Augutinuskapelle) wieder wie ursprünglich zugänglich war. Durch die Absenkung des Fußbodens in der Sakristei auf das ursprüngliche Niveau wurde auch die störend in den Raum ragende Treppenrampe überflüssig. Die Zugangstreppe von der Sakristei in die Kapelle konnte in der Türlaibung untergebracht werden.


Die Gestaltung des gottesdienstlichen Raumes
Tabernakel - Brennender Dornbusch - Weihekreuz
Tabernakel - Brennender Dornbusch - Weihekreuz

wurde dem Bildhauer Heinrich Schreiber aus Kronach übertragen. Er gestaltete den rundenAltar, Ambo und Tabernakel. Der Tisch des Herrn ist der Brennpunkt des Raumes. Ambo und Tabernakel sind auf ihn hingeordnet. Der Altar ist Zeichen für Christus, der uns sein Wort und seinen Leib als das Brot des Lebens reicht.
Der Tabernakel stellt den brennenden Dornbusch dar. Unter dem Zeichen des Dornbuschs, der brannte und doch nicht verbrannte, offenbarte Gott seinen Namen JAHWE - ICH-BIN-DER-ICH-BIN-DA.(Ex 3,3 ff.) Durch Jesus Christus, der uns im eucharistischen Brot seine besondere Nähe und Gegenwart schenkt, ist der Name Gottes gegenwärtig. Unter dem Namen »brennender Dornbusch« treffen sich heute an vielen Orten charismatische Gruppen zu Lobpreis und Anbetung des Herrn in der Eucharistie. Der Fußboden aus handgeschlagenen Tonplatten, das neue von dem Architekten Ruland entworfene Gestühl, die vom Ehrenbürger Georg Hemmerlein und seiner Frau Wiltrude gestiftete Orgel vollenden den liturgischen Raum.


Kreuzigungsgruppe 1628 früher im Kreuzaltar der Heilig Grabkapelle
Kreuzigungsgruppe 1628 früher im Kreuzaltar der Heilig Grabkapelle
Die alles überstrahlende Kraft der Fresken und der Architektur

geben der Augustinuskapelle ihre faszinierende und meditative Kraft. Die Fresken sind die einzigen in Oberfranken, die nie übermalt wurden. Ihr originaler Erhaltungszustand macht die nie übertünchten Malereien sogar noch wertvoller. In den Jahren 1970-1973 reinigte und konservierte die Firma Wiedl die in ursprünglicher Form und Farbe erhaltenen Malereien. Das Gleiche geschah auch bei der Renovierung 1991/92 durch Herrn Turek.
  • <- Kreuzigungsgruppe (1628) ursprünglich in der Heilig Grab Kapelle
Die Darstellung im kleinen Chor der Kapelle und im Gewölbe des östlichen Joches gehören zu den künstlerisch bedeutendsten der Epoche in Franken. Dies gilt namentlich für die Südseite des Chores mit der Darstellung der


Fresko - Taufe des hl. Augustinus durch den hl.Bischof Ambrosius 387 in Mailand
Fresko - Taufe des hl. Augustinus durch den hl.Bischof Ambrosius 387 in Mailand
Taufe des hl. Augustinus

Mit betend erhobenen Händen sitzt der junge Augustinus in einem gotischen Taufbecken; die Mitra auf dem Haupt und das erklärende Spruchband darüber weisen auf die künftige Bischofswürde und Heiligkeit hin: »Sanctus augustinus eps (episcobus«). Das Sakrament spendete in der Osternacht des Jahres 387 in Mailand der heilige Bischof Ambrosius, wie die Schrift »sanctus ambrosius eps« an der rechten Seite erweist. Das Spruchband über seinem Haupt sagt uns, wozu der Getaufte berufen und wozu die geweihten Diener Gottes das Volk anleiten sollen: »te dominum confitemur / te deum laudamus« (Dich Herr bekennen wir, dich Gott loben wir).
Links kniet betend die hl. Monika, die Mutter des Augustinus, deren Spruchband sich an ein Zitat aus den Bekenntnissen des Augustinus anlehnt (Conf.Buch IX,11): »Sancta Monica ait fili mi nulla re iam delector in hc vita quia te iam christianum video et servum christi«. (Die hl. Monika spricht: »Mein Sohn, in diesem Leben erfreut mich nichts so sehr, wie Dich als Christ und Diener Christi zu sehen«.) Gott hat ihre Gebete, die sie unter Tränen unaufhörlich vor ihn brachte, erhört.


Darunter eine Szene aus der Sebaldus Legende.
Szene der Sebalduslegende
Szene der Sebalduslegende

Sie hilft bei der Datierung des Freskos. Am 26. März 1425 wurde Sebaldus durch Papst Martin V. heilig gesprochen. Er ist der Stadtpatron der Stadt Nürnberg. Also ist das Fresko nach 1425 entstanden. Der Heilige liegt auf der Bahre, über ihn beugt sich eine Gestalt in langem Gewand, vermutlich ein Mönch, von dem die Legende berichtet, daß er den Heiligen verspottete, dieser jedoch nachdrücklich auf seine Verehrung drängte. Links am Fuß der Bahre steht eine Frau, die eine sich neigende Kerze hält, an ihrem rechten Arm ist ein dunkles Band sichtbar.
Der Legendendichter erzählt von ihr, die als äußeres Zeichen schwerer Sündenschuld einen Eisenring um die Hand tragen musste, daß sie betend und büßend ihre Zuflucht zu St. Sebald nahm. Als sie eine Kerze an seinem Grab vor dem Umfallen bewahrte, sprang der eiserne Ring von ihrem Handgelenk, dem mittelalterlichen Menschen sichtbarer Ausdruck der Vergebung und des Dankes für die Verehrung des Heiligen. Nürnbergs Stadtpatron an so herausragender Steile, im Chor des Gebetsraumes, in Gemeinschaft mit dem Ordenspatron zu ehren, beweist wiederum die enge Verbindung mit der nahen Reichsstadt.


Augustinus als Lehrender - Chorherren empfangen von ihm die Regel für ihre Gemeinschaft
Augustinus als Lehrender - Chorherren empfangen von ihm die Regel für ihre Gemeinschaft
Die Darstellung des hl. Augustinus als Lehrender

auf der gegenüber liegenden Seite ist leider weniger gut erhalten. Vor einer die Illusion eines Innenraumes vermittelnden Architekturmalerei sitzt unter einem Rundbogen St. Augustinus, die Mitra auf dem Haupt, ein offenes Buch auf den Knien, möglicherweise die Ordensregel enthaltend. Vor dem Kirchenlehrer knien und sitzen Kleriker in der Ordenstracht der Augustiner-Chorherren. Außer dem ikonographisch einzigartigen Bildprogramm verdient der Nichtfigurale Schmuck des kleinen Chores mit ursprünglicher Farbigkeit und Ornamentik besondere Erwähnung, so ein Vorhang mit reichem Faltenwurf an den Sockelzone und die sehr dekorativen Rosenblüten, die zusammen mit Rosettenschlußsteinen den Namen Rosenkapelle begründen. Nach dem Bau des Neuen Pfarrhauses 1983/84 wurde deshalb zwischen diesem und dem Chörlein ein kleiner Rosengarten angelegt, um auch von außen auf diesen Namen der Kapelle hinzuweisen.
Gewölbekappen mit Christushaupt und Dreifaltigkeitsnimbus
Gewölbekappen mit Christushaupt und Dreifaltigkeitsnimbus

Der Schlussstein im Chörlein ist wie auch sonst in St. Michael das Christushaupt den drei Strahlen (Dreifaltigkeitsnimbus) , darauf folgt im Joch davor die Rosette. Wie wir das Geheimnis einer Rose nur meditativ (im sich hinein Versenken) erfassen können, so erschließt sich das Geheimnis des Gottmenschen Jesus Christus erst dem Meditierenden, der es in seiner ganzen Wahrheit auf sich wirken lässt. Von gleich hoher Qualität und insgesamt noch besserem Erhaltungszustand als die Malereien im Chörlein sind.

 

Evangelistensymbole, Schlussstein die Rose
Evangelistensymbole, Schlussstein die Rose

Die Evangelistensymbole im Ostgewölbe des Langhauses.

Ausdrucksstarke Gesichter mit teils anthropomorphen Zügen verbindet der Maler mit möglichst naturalistischer Darstellung der Körper und sehr schwungvoller Flügel. Durch sichere Grund- und feine Haarstriche gelingen ihm Differenzierungen, die der Wechsel von grüner und roter Farbe noch betont. Auch unterschiedlich expressive Ausdruckskraft kennzeichnet die vier himmlischen Wesen.
In weit weniger gutem Erhaltungszustand und wohl auch von anderer Künstlerhand geschaffen, präsentieren sich

Die Wandmalereien in den vier Jochen der Langhausnordwand. (Abendmahl)
Abendmahl
Abendmahl

Vom Zyklus der Passion sind Abendmahl, Christus am Ölberg und Gefangennahme sowie die Kreuztragung zu erkennen; das Bild im dritten Bogenfeld stellt vermutlich die Verurteilung Christi in der einen Hälfte und in der anderen die Geißelung des Herrn dar. Inhaltlich in Verbindung mit der Passion zeigt der Chorbogen links mit Leiter und Hammer nur noch zwei der Leidenswerkzeuge des Herrn, dazu den Kopf eines Kriegsknechtes.
 
 
 


Sog. 'Gugelmadonna' um 1460 - Maria als die neue Eva reicht uns die Frucht der Erlösung Jesus Christus
Sog. "Gugelmadonna" um 1460 - Maria als die neue Eva reicht uns die Frucht der Erlösung Jesus Christus
Die Verehrung Mariens, der Mutter Gottes

war auch den Augustiner Chorherren wichtig. In der Ostnische des Anbaues, vor einem gemalten Wandbehang, ist Maria mit dem Kind auf dem rechten Arm zu sehen, zwei gekrönte heilige Frauen begleiten sie, deren Attribute nicht mehr zu erkennen sind; in die Bogenlaibung malte der Künstler auf grünen Untergrund zwei Engel.
Vor dem stark verblassten Fresco steht heute die sog. Gugelmadonna (um 1460), wahrscheinlich die ursprüngliche Madonna in St. Michael. Sie wurde von der um 1812 erworbenen Alfelder Madonna (um 1480), einem im Hersbrucker Land hochverehrten Gnadenbild verdrängt. Lange Zeit stand sie in der heilig Grabkapelle herum. Bis sie von Felix Müller und Hans Mehl 14 Tage vor dem Brand der Heilig Grabkapelle 1958 ins Pfarrhaus geschafft wurde und so der Brandkatastrophe entging. Vom Eingang rechts die Heilige Sippe, die Verwandtschaft Jesu« (1512).
Zweimal durfte ich unseren Alterzbischof Dr. Karl Braun (erst vor kurzem wieder) durch St. Michael und den Kapitelbau führen. Als er das erste Mal die Augustinuskapelle betrat, sagte er: "Kaum ist man diesem Raum und man ist in der Haltung der Meditation." Die Augustinuskapelle ist tagsüber immer geöffnet. Sie lädt ein zum Schauen und Meditieren, zum stillen Gebet und zu Anbetung.


Veit Dennert, Pfarrer i. R.
im August 2008

Quellen: Breuer, Stadt und Landkreis Forchheim 1961
Elisabeth Roth, Gotische Wandmalereien in Oberfranken, Echter Verlag 1982

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