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Zehn Bitten eines Kindes an seine Eltern

1. Nimm mich an.

Sag ja zu mir im Mutterleib, sag ja zu mir, wenn ich geboren bin. Nimm mich an und Lass mich das sein, was ich bin, ein Mädchen oder Junge. Nimm mich an mit meinen Fehlern, ich bin oft noch ungeschickt, selten böswillig. Nimm mich an mit meiner Krankheit oder Behinderung, ich kann nichts dafür. Nimm mich an, ich bin doch das Dir anvertraute Kind.

2. Nimm Dir Zeit für mich.

Ich brauche Dich, Deine Pflege, Deine Hilfe, Deine Erfahrung, Deine Geduld, Dein Gespräch, Deine Zuwendung, je kleiner ich bin, um so mehr. Nimm Dir Zeit für mich, aber nicht nur für mich. Du und die anderen, Ihr seid auch noch da. Schau auch auf Dich! Geht es Dir gut, geht es Dir mit mir besser.

3. Lass mir Zeit.

In meiner Entwicklung hat alles seine Zeit. Deshalb Lass mich Schritt für Schritt wachsen, dann können wir aneinander unsere Freude haben. Lass mich nicht das Opfer Deines Ehrgeizes sein, wenn ich so vieles lernen will und muss. Überforderst Du mich, so werde ich mutlos und störrisch. Unterforderst Du mich, so werde ich überheblich und aufsässig.

4. Gib mir Raum.

Verhilf mir zu einer kindgerechten Wohnung und Umgebung, dann haben wir es viel leichter im Miteinander. Verhilf mir zum Mitsein und Mittun, denn ich brauche Dich und die anderen. Ich halte mich gern in Eurer Nähe auf, auch wenn das manchmal Unordnung und Ungelegenheiten bringt. Verhilf mir, aber auch zur Ruhe und zu einem Platz, an dem ich ungestört spielen und arbeiten kann. Dann lerne ich Ordnung und Sorgfalt, Konzentration und Ausdauer, und - wir sind beide nicht so zappelig und nervös.

5. Lass es mich versuchen.

Lass mich Dinge kaputtmachen, ich bin um eine Erfahrung reicher. Lass mich Feh- . ler machen, auch daraus lerne ich. Schenk mir die Freude des eigenen Erfolgs, ich brauche ein gesundes Selbstwertgefühl. Schenk mir Dein Zutrauen, ich kann oft mehr, als Du denkst. Nimm mich und meine Eigenständigkeit ernst, Du hältst mich doch. Brich mich und meinen Willen nicht, sonst leiden wir später beide darunter.

6. Sei konsequent mit mir.

Verwöhnst Du mich, so schadet mir das ebenso, wie wenn Du mir zuviel versagst. Ich kann mich dann auf Dich verlassen, wenn Dein Ja ein Ja, Dein Nein ein Nein ist. Lass nicht zu, dass ich Euch Erwachsene gegeneinander ausspiele. Sei konsequent mit mir - vom ersten Tag an. Dann fühle ich mich in unserer Ordnung sicher und geborgen. Wir haben es viel leichter miteinander und wir sind beide bei weitem nicht so aufgeregt und geschafft.

7. Bau Deine Vorurteile ab.

Lass mich einfach Kind sein. Zwänge mich nicht zu früh in eine Geschlechterrolle. Auch Mädchen dürfen ungezogen und vorlaut, auch Jungen dürfen wehleidig und feige sein. Als Jüngster möchte ich nicht immer der „Kleine“ sein. Als Ältester möchte ich nicht immer der „Vernünftige“ sein müssen.

8. Schenke mir Deine Anerkennung.

Bedenke in Deinen Forderungen, was meinem Alter angemessen ist. Wenn Du fortwährend nörgelst und schimpfst bei jeder Kleinigkeit, übersiehst Du mein Bemühen und das, was ich gut und richtig mache. Du hilfst Dir und mir mehr durch Deine stete Anerkennung, Dein häufiges Lob, Deine stärkende Belohnung. Die schönste Belohnung für mich ist Dein Wort, Dein Streicheln, Dein Nahesein. Bist Du böse mit mir, zeig mir spätestens beim Zubettgehen, dass wir wieder gut miteinander sind.

9. Lass Dich beraten bei Vorsorge- und Beratungsstellen, was Du für mich und Dich tun kannst.

Alkohol, Nikotin und Drogen sind schon für Dich nicht gut, mir schaden Sie zu jeder Zeit. Bin ich krank, in meiner Entwicklung zurück, in meinem Verhalten auffällig, geh rechtzeitig zur Beratung. Das hilft uns beiden.

10. Schenk mir Deine Zuwendung.

Diese Bitte als letzte, weil Du sie keinesfalls vergessen darfst: Ich brauche Deine Zuwendung und Liebe! Lass mich aus Deiner Nestwärme, Geborgenheit und Sicherheit zunächst zaghaft, später selbständiger meine Schritte zu anderen und anderem lenken. Schenk mir Dein Vertrauen, ich schenke Dir Offenheit und Ehrlichkeit. Zeige mir Deine Wertmaßstäbe, ich brauche sie als Richtschnur für mein Leben. Zeige mir, was Dein Leben erfüllt, bist doch Du mein Vorbild. Lass mich in Freude und Not zu Dir kommen! Zu wem sollte ich gehen, wenn nicht zu Dir?

Die „Bitten eines Kindes an seine Eltern" sind aus der beruflichen Erfahrung eines Direktors an einer Sonderschule entstanden.

(red. Manfred Hinterdobler, Christ in der Gegenwart Nr. 25/2002, S. 208)