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Unsere Klepperer (2005)
Unsere Klepperer (2005)
 

Kleppern - Ein alter kirchlicher Brauch

Ein Beitrag zur Heimatkunde

Ab Gründonnerstag Abend bis Karsamstag Nachmittag ziehen wieder die Klepperer durch unsere Straßen und mancher Einwohner Poxdorfs wird schon unfreundliche Gedanken gehegt haben, wenn er am Karfreitag oder Karsamstag kurz nach sechs Uhr aus dem Schlaf gerissen wurde. Hoffentlich kann diese kleine Abhandlung dazu beitragen, die Langschläfer zu besänftigen.

Im Gottesdienst am Gründonnerstag, in dem wir der Abendmahlfeier Jesu mit seinen Jüngern gedenken und die Einsetzung der Eucharistie feiern, verstummen nach dem Gloria die Glocken. Dies ist ein äußeres Zeichen die Trauer um Jesu Leiden und Sterben. Die Funktion eben dieser Glocken übernehmen die Klepperer. Sie drehen immer dann ihre Runden, wenn sonst die Kirchenglocken läuten würden.

In früheren Zeiten maß man dem Läuten der Kirchenglocken noch größere Bedeutung zu. Die Menschen begannen und beendeten ihr Tagwerk beim „Gebetläuten“ mit dem Angelus, gemäß der benediktinischen Regel „Ora et labora“. Das 11-Uhr -Läuten war das Zeichen für die auf dem Feld arbeitenden Frauen, dass das Mittagessen vorbereitet werden muss und um 12 Uhr war Mittagspause. Zu den Gottesdiensten wurde früher drei Mal geläutet, um die Bauern am Feld oder im Stall zur Kirche zu rufen, während heute nur noch eine Viertelstunde vorher „Zamgschlagn" wird. Da das Glockengeläut für viele diese ursprüngliche Bedeutung verloren hat oder sie ihm keine Beachtung mehr schenken, tun sie sich auch schwer, das Kleppern zu verstehen.

Die Aufgabe des Klepperns übernahmen in früheren Jahren die Ministranten. Dies ist wohl auch der Grund, warum immer noch fast nur Buben kleppern; früher waren Mädchen als Ministranten nicht zugelassen. Seit vielen Jahren sind die Mädchen eifrig beim Ministrieren dabei und so wäre es wünschenswert, wenn auch diese letzte Männerbastion - wie übrigens in vielen Gemeinden schon geschehen - fiele.
Organisiert wird das Kleppern von den Sechstklässlern, den sogenannten „Meistern“. Sie vereinbaren Ort und Zeitpunkt des Treffens, teilen Gruppen ein, sind für ein geordnetes Auftreten der Klepperer verantwortlich und verteilen letztlich die erhaltenen Spenden unter allen Teilnehmern.

Wie geht das Kleppern nun vor sich:

Unsere Klepperer (2005)
Unsere Klepperer (2005)
Die einzelnen Gruppen ziehen mit mindestens einem „Meister“ los und betätigen lautstark ihre Ratschen oder Kleppern. Auf ein vereinbartes Zeichen des „Meisters" hin sagen alle einen überlieferten Spruch auf, der den Grund des Klepperns angibt. Danach wird weitergekleppert, bis zur nächsten Unterbrechung. An Weggabelungen werden dann oft die Gruppen nochmal unterteilt und dann nochmal, so dass es schon vorkommen kann, dass in einer Straße nur zwei oder drei Klepperer vorbeikommen. Sonst würden die einzelnen Runden zu lange dauern. Auf dem Weg sammelt man sich dann wieder.und kehrt gemeinsam zum Ausgangspunkt zurück.

 


Die einzelnen Klepperzeiten und Rufe sind:

Donnerstag

nach dem Gottesdienst:  „Jetzt kleppern wir den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss“

Freitag

06.00 Uhr:  „Jetzt kleppern wir das Gebet des Herrn“
11.00 Uhr: „Jetzt kleppern wir 11 Uhr“
12.00 Uhr: „Jetzt kleppern wir 12 Uhr“
vor der Karfreitagsliturgie „Jetzt kleppern wir das 1. Mal zur Kirche“
„Jetzt kleppern wir das 2. Und letzte Mal zur Kirche“
19.00 Uhr: „Jetzt kleppern wir den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muß“

Samstag

06.00 Uhr: „Jetzt kleppern wir das Gebet des Herrn“
11.00 Uhr: „Jetzt kleppern wir 11 Uhr“
12.00 Uhr: „Jetzt kleppern wir 12 Uhr“
14.00 Uhr: „ Leitla, Leitla macht Feieram'd, gleich kumm'ma und kleppern die Eier 'zam.“

anschließend: „Jetzt kleppern wir die Eier 'zam“

Unsere Klepperer (2005)
Unsere Klepperer (2005)
Genau wie der Brauch an sich hat auch die Unsitte überdauert, wonach ehemalige Klepperer, die Buben mit allerhand Wurfgeschossen traktieren. Eine Unart, die dem eigentlichen Sinn des Klepperns wirklich abträglich ist, zumal in den letzten Jahren eine Ausuferung zu beobachten ist.
Die letzte Runde am Karsamstag ist die anstrengendste, aber auch die am meisten ersehnte, gilt es doch nach getaner Arbeit, den „Lohn“ bei den Dorfbewohnern abzuholen.

Beim „Eier-Zamkleppern“ gehen die Klepperer von Haus zu Haus und erbeten Spenden für sich. Während sie in früheren Zeiten hauptsächlich rohe und gefärbte Eier bekamen, werden heute mehr Geld und Süßigkeiten hergegeben, was den Kindern durchaus recht ist. Freilich wurden die rohen Eier auch früher schon an die Mutter „verkauft“, damit man ein paar Pfennige in der Tasche hatte.

Die Klepperer führen zwar einen kirchlichen Brauch aus, sie tun dies jedoch nicht im Auftrag oder unter Aufsicht der Pfarrei. Sie organisieren sich selber. Deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass sie seit einigen Jahren aus eigenem Antrieb einen Teil ihres Lohnes für wohltätige Zwecke abgeben.

Dieser Brauch des Klepperns gehört zu unser eigenen Tradition. Bewahren wir ihn! Es wäre schade, wenn wir von fremden Traditionen wie Halloween überschwemmt werden und unsere eigene fränkische Identität dabei verlieren würden.

Das wird uns sicher leichter fallen, wenn wir dem Läuten der Kirchenglocken, wenn es uns zum Gebet oder zum Gottesdienst aufruft, wieder mehr Gehör schenken.

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