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Kirchenbau unter Jacobus von Hauck
Gottesburgen erzählen die Geschiche der katholischen Kirche in Nürnberg
Die Monographie von Peter Stuckenberger über den Kirchenbau unter Erzbischof Jacobus von Hauck enthält viele historische Aufnahmen. Auf dieser Reproduktion ist die Nürnberger Pfarrkirche St. Kunigund zu sehen. Das Gotteshaus wurde 1935 konsekriert.
Von 1912 bis 1943, als Jacobus von Hauck Erzbischof in Bamberg war, entstanden im Bistum 118 Kirchen, die als "Gottesburgen" ihr Umfeld nachhaltig geprägt haben. Auch in Nürnberg, wo Hauck von 1898 an als Stadtpfarrer von St. Elisabeth das katholische Leben maßgeblich bestimmt hatte, wurden für die schnell wachsenden katholischen Gemeinden trutzige und monumentale Kirchenbauten wie St. Ludwig, St. Karl Borromäus und St. Kunigund errichtet, die ganzen Stadtvierteln eine neue Mitte gaben.
 
"Gottesburgen" lautet denn auch die 456 Seiten umfassende Publikation über den Kirchenbau unter Erzbischof Jacobus von Hauck, die der Kunsthistoriker Peter Stuckenberger akribisch erarbeitet hat. Vor zwei Jahren wurde die Studie als Dissertation an der Universität Erlangen-Nürnberg angenommen, jetzt eröffnet die Monographie die neue, vom Diözesanarchiv herausgegebene wissenschaftliche Buchreihe "Studien zur Bamberger Bistumsgeschichte" (das Heinrichsblatt berichtete). Im Vorfeld des 1000jährigen Bistumsjubiläums ins Leben gerufen soll die Reihe mit dazu beitragen, die Vielfalt kirchlichen Lebens im Laufe der Bistumsgeschichte zu erschließen.
 
Kirchenpolitische Signale
 
Von "einer wahren Flut von Kirchenneubauten und Kirchenumbauten in der gesamten Erzdiözese" ab dem Jahre 1920 schreibt Stuckenberger. Hauck, der Seelsorge mit karitativem Wirken verband - er rief 1905 den Caritas-Verein Nürnberg ins Leben, um der sozialen Verelendung der Arbeiterschichten zu begegnen - legte großen Wert auf den Kirchenbau. Ein Gotteshaus sollte weithin sichtbares Zeichen für die katholische Glaubensgemeinschaft sein. So auch in Nürnberg.
 
Das Diasporagebiet Nürnberg durchlief in wenigen Jahrzehnten eine rasante Entwicklung: Im Jahre 1900 wurden in der Industriestadt bereits 73.711 Katholiken gezählt. Sie stellten damit einen Anteil von 28,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Und die 1815 neu gegründete Pfarrei St. Elisabeth weitete sich zur größten Pfarrei Bayerns aus.
 
1921 und 1931 wurden in Nürnberg Katholikentage abgehalten. Sie förderten nicht nur den Aufschwung der katholische Gemeinde in der mittelfränkischen Großstadt, sondern "wirkten sich auch nachhaltig auf die Belebung katholischer Laienaktivitäten im gesamten Erzbistum aus", wie Stuckenberger anmerkt. Nicht zu unterschätzen sei die "große Signalwirkung", die dazu beigetragen habe, "über den Weg einer stärker werdenden Volksreligiosität die Zahl an Kirchenbauinitiativen zu steigern". 1932 konnte der Bamberger Weihbischof Adam Senger sagen: "Das Nürnberger Diasporagebiet ist im Großen Ganzen, wenigstens was die vordringlichsten Notstände anbelangt, versorgt."
 
Mit der umfangreichen kirchlichen Bautätigkeit unter Erzbischof Hauck war eine vielschichtige stilistische Entwicklung verbunden. Die Zwanziger Jahre wertet Stuckenberger als "Experimentierfeld für avantgardistische Bauideen". Um das Jahr 1930 macht er einen konservativen Stilwandel fest, "der alle progressiven Ansätze vorerst zum Erliegen brachte und die Neoromanik zum bevorzugten Baustil erhob". Als Beleg führt er Gotteshäuser auch aus dem Nürnberger Raum an.
 
1927 weihte Jacobus von Hauck die Nürnberger Pfarrkirche St. Karl Borromäus, die einen Höhepunkt im Schaffen des Architekten Fritz Fuchsenberger darstellt. In der Studie von Stuckenberger wird St. Karl als "repräsentativer Kirchenbau" gewürdigt, der "in der Tradition verwurzelt Ansätze einer avantgardistischen Sakralarchitektur im Zusammenhang mit expressionistischen Bauten des Rheinlandes zeigt".
 
Stilistische Entwicklungen
 
Sozusagen den Gegenpol zu St. Karl sieht Stuckenberger in der Ludwigskirche, die als Kriegergedächtniskirche konzipiert, von Otto Schulz im "staatstragenden" Baustil der Neoromanik entworfen und 1926 von Erzbischof Hauck konsekriert wurde.
 
Als “monumental-romanisierende Außenarchitektur mit lichtvollem Innenraum” analysiert der Kunsthistoriker die 1935 von Erzbischof Hauck geweihte Kirche St. Kunigund im Stadtteil Gleißhammer. Michael Kurz, der bereits in Bamberg die St. Heinrichskirche gebaut hatte, entwarf für St. Kunigund einen neoromanischen Bau. Stilbildend wirkte hier die 1929/30 erbaute evangelische Gustav-Adolf-Gedächtniskirche von German Bestelmeyer.
 
St. Martin, ursprünglich ebenfalls als monumentale Anlage im Stil einer neoromanischen Kirchenburg gedacht, wurde aus Kostengründen eine Nummer kleiner nach Plänen des Wiener Architekten Clemens Holzmeister 1934/35 gebaut.
 
An die St. Ottokirche in Bamberg erinnert die Pfarrkirche St. Willibald, die in den Jahren 1912 bis 1913 von Hans Weiß in der Wohnsiedlung der Eisenbahner am Nürnberger Rangierbahnhof errichtet wurde. 1910 lebten in dem Quartier bereits 1466 Menschen, davon 600 Katholiken. Allerdings fiel St. Willibald erheblich kleiner aus als der zeitgleich errichtete Bau in der Bischofsstadt.
 
Die Pfarrkirche Heilig Kreuz im Stadtteil Gebersdorf, 1935 bis 1937 nach Plänen von Fritz Mayer erbaut, entspricht dem Typus der ländlichen Chorturmkirche. Für Stuckenberger ist dieser Bau ein Beispiel für den "allgemeinen Trend zu konservativen Bauten" und für eine "neo-konservative Bewegung" in der Kirchenarchitektur der dreißiger Jahre.
 
Das Buch "Gottesburgen" von Peter Stuckenberger kann zum Preis von 39,80 Euro im Archiv des Erzbistums Bamberg, Regensburger Ring 2, 96047 Bamberg, Tel. 0951 / 4074711, E-Mail: archiv@erzbistum-bamberg.de bezogen werden.
Datum: 30.09.2004
Autor: Ingrid Petersen
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