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Auch ein Seniorenpaar hat jetzt Ferien

Zwei Endsiebziger setzen sich für Förderung von Kindern aus sieben Nationen ein

Mit einem Lied bedanken sich die „Mittagskinder“ der Gangolfschule bei den freiwilligen Helfern zum Abschied.
Mit einem Lied bedanken sich die „Mittagskinder“ der Gangolfschule bei den freiwilligen Helfern zum Abschied.
Nicht nur Schulkinder und Lehrkräfte brauchen die Ferien zum Erholen, auch ein 78 und 77 Jahre altes Bamberger Ehepaar tankt in den schulfreien Wochen auf, um im September wieder fit zu sein. Nachdem sie 56 Jahre lang mit viel Elan ihr eigenes Geschäft geführt hatten, wäre es eigentlich an der Zeit gewesen, sich zurückzulehnen. Doch Müßiggang ist nichts für Marianne und Siegfried Holzschuh – sie wollen sich immer noch sinnvoll betätigen. Durch Vermittlung des Freiwilligenzentrums CariThek fanden sie den passenden Einsatzbereich: die Mittagsbetreuung in der Gangolfschule.

Als sie vor einem Jahr von dem bayernweiten Pilotprojekt erfuhren, haben sie sich spontan bereit erklärt, die Mittagsbetreuung für die Ganztagsschule zu unterstützen. „Junge Menschen zu fördern, das war für uns auch im Berufsleben selbstverständlich. Wir haben unsere Lehrlinge bei Problemen in der Ausbildung nicht allein gelassen. Übrigens gebe ich auch heute noch Nachhilfe in Mathematik und Deutsch“, berichtet der engagierte Ruheständler, der als Kind selbst viel Zuwendung von seinen Großeltern erfahren hat.

„Wir sind sehr gern mit Kindern und jungen Menschen zusammen“, erklärt er und erzählt bereitwillig von seinem Ehrenamt. „Ich bin eine Küchenhilfe“, meint er lachend und findet dabei nichts Besonderes, denn „meine Frau und ich teilen uns auch daheim alle Arbeiten.“ Inzwischen werden die Eheleute an zwei Schultagen pro Woche von den Grundschulkindern begrüßt, als gehörten sie zur Familie. „Das könnten unsere Urenkel sein“, überlegt der 78jährige und äußert sich überaus liebevoll über die bunt zusammengewürfelte Truppe – Kinder deutscher, türkischer, russischer, polnischer, indischer, afrikanischer und chinesischer Eltern. Unter diesen sind alleinerziehende Väter und Mütter ebenso wie ganztags berufstätige Eltern, Arzt und Architekt neben dem Arbeiter und der Angestellten. „Eine gewisse Güte muss man schon walten lassen, wenn man sich für diese Tätigkeit entscheidet“, räumt Holzschuh ein. „Nach mehreren Stunden Stillsitzen im Unterricht ist der Bewegungsdrang groß. Kein Wunder, dass sie dann außer Rand und Band sind und vom Klassenzimmer in den Speiseraum stürmen. Beim Essen aber sind sie durchaus diszipliniert, sie kümmern sich auch sofort darum, wenn etwas verschüttet wurde. Im übrigen ist es spannend, die verschiedenen Charaktere zu erleben.“

Weil das Ehepaar schon seit jeher Hand in Hand zusammenarbeitet, klappt auch bei der Mittagsbetreuung alles wie am Schnürchen. Das vom Sozialdienst Katholischer Frauen aus der Heiliggrabstraße gelieferte Essen wird auf Teller verteilt und nach dem Tischgebet an die Kinder ausgegeben, die es meist mit großem Appetit verspeisen. „Freilich mag nicht jeder alles. Inzwischen kennen wir nicht nur die Namen der Kinder sondern auch ihre Vorlieben“, verrät der ehrenamtliche Helfer. Wenn die hungrige Meute dann satt ist und die Freizeit genießt, wird aufgeräumt und gespült. Falls eines der Kinder aus Disziplingründen einmal helfen soll, stellt sich meist heraus, dass das gar nicht als Strafe empfunden wird.

Die Eheleute Holzschuh wollen weitermachen, so lange sie sich gesundheitlich dazu in der Lage fühlen, denn „es kommt viel zurück von den Kindern, und das tut gut.“ Rektor Edwin Schmitt ist sehr froh über die kompetente und engagierte Hilfe von insgesamt drei Freiwilligen an seiner Schule. Für bezahlte Kräfte fehlen nämlich – trotz Förderverein – die finanziellen Mittel. Und im nächsten Schuljahr gibt es noch mehr Arbeit, weil Kinder aus Migrantenfamilien aus der ganzen Stadt in die Sprachlerngruppen der Gangolfschule kommen. Dann sind zwei Klassen und damit die doppelte Zahl an Kindern zu betreuen. Der Schulleiter hofft, dass sich weitere Freiwillige für die Mittagsbetreuung finden werden, damit die Kinder optimal gefördert werden können. Wer sich für den ehrenamtlichen Einsatz interessiert, melde sich beim Freiwilligenzentrum www.carithek.de oder www.foerderverein-gangolf.de.  

Renate Steinhorst

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