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„Keiner geht mit leeren Taschen nach Hause“

Eine Chefsekretärin und ein Bauzeichner genießen ihren „aktiven Ruhestand“

Jutta Sottmann und Horst Mörsdorf – zwei von 13 Ehrenamtlichen im „Josefslädchen“. Foto: Renate Steinhorst
Jutta Sottmann und Horst Mörsdorf – zwei von 13 Ehrenamtlichen im „Josefslädchen“. Foto: Renate Steinhorst
Das hätte sich Jutta Sottmann damals an ihrem Arbeitsplatz im Vorzimmer eines Hannoveraner Ministers nicht träumen lassen: „… dass ich einmal Kuchen einpacken würde“. Sie erzählt das so begeistert, als könnte sie sich nichts Schöneres vorstellen: Im „Josefslädchen“ an der Theke stehen, sorgfältig süße Teilchen einwickeln, kleine Cent-Beträge in die Kasse eintippen und dabei mit den Kunden ein paar freundliche Worte wechseln.

Es ist Montag, 14.15 Uhr. Seit einer Viertelstunde ist das „Lädchen“ in der Josefstraße geöffnet, vor dem schon seit geraumer Zeit eine längere Schlange geduldig gewartet hatte. Mit einem Berechtigungsschein in der Tasche strömen Menschen aller Altersgruppen in gespannter Erwartung herein. Was wird heute Besonderes angeboten? Was ist möglicherweise reichlich vorhanden und wird deshalb sehr günstig abgegeben? Eine deutsche Stammkundin quält sich mit den Folgen von drei Schlaganfällen durch den Raum, eine schüchterne Sudanesin geht wie auf Zehenspitzen, dahinter drängelt ein junger Türke, der genau weiß, was er will, gefolgt von einem finster dreinblickenden Russen mit Macho-Gehabe sowie einer ganzen Reihe von Frauen und Männern aus verschiedenen Ländern, die offensichtlich Übung haben im Schlange-Stehen. Mit prüfenden Blicken mustern sie die gut gefüllten Kuchen- und Obstregale.

Jutta Sottmann und ihr ebenfalls ehrenamtlich tätiger Kollege Horst Mörsdorf wissen mit diesen unterschiedlichen Charakteren umzugehen. Sie haben - zusammen mit der hauptamtlichen Marcella – alle Hände voll zu tun, um die Wünsche der vielen Kunden zu erfüllen. Vor allem der Tisch mit den wegen überschrittenen Verfallsdatums kostenlosen Lebensmitteln wird begehrlich umlagert. „Da müssen wir schon mal bremsen, wenn sich jemand allzu großzügig bedient. Schließlich sollen möglichst viele etwas abbekommen“, erklären die Helfer. Beide genießen es, nach langen Jahren verantwortlicher Büroorganisation im Ministerium bzw. als Bauzeichner bei einem Energieversorger einmal etwas ganz anderes tun zu können. „Der Kontakt mit Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen ist sehr interessant. Die meisten unserer Kunden kommen immer wieder, so dass wir sie und ihre Geschichten schon kennen. Sie wissen, dass sie mit unserem Verständnis auch dann rechnen können, wenn sie mal Frust ablassen. Wir versuchen eben, manches mit Humor aufzufangen“, berichtet die gebürtige Breslauerin. Als Mitglieder „eines tollen Teams“ fühlen sich die zwei Ehrenamtlichen richtig wohl bei ihrer Arbeit. Sie sind froh, dass sie vielen Kinderreichen, Behinderten, Arbeitslosen, Kranken und Einsamen in Notlage Hilfe geben können.

Schon in früher Kindheit hatte Jutta bei Verwandtenbesuchen eine besondere Liebe zur Domstadt entwickelt und wählte deshalb nach Eintritt in den Ruhestand Bamberg als Wohnort. Mit Haushalt und ihrem Hobby als „Katzensitterin“ nicht vollständig ausgelastet, meldete sie sich vor einem Jahr beim Josefslädchen. Aus der Zeitung hatte sie von dem dringenden Bedarf an ehrenamtlichen Helfern erfahren. Auch Horst Mörsdorf hat sich nach über 40jährigem Berufsleben – sein Arbeitsplatz war Umstrukturierungsmaßnahmen zum Opfer gefallen - spontan entschlossen, montags hier Dienst zu tun. „Man kann nicht tatenlos zuhause herumsitzen, wenn man die Not kennen gelernt hat. Die meisten Menschen, die hierher kommen, sind dankbar für die günstige Einkaufsmöglichkeit und freuen sich, wenn man mit ihnen spricht“, berichtet der aus Saarbrücken gebürtige Wahl-Bamberger, der in seiner Freizeit gerne fotografiert.

Der 59jährige sortiert die von Supermärkten gespendeten Waren ein, entsorgt Verdorbenes und hilft den Kunden, ihre Einkäufe zu verstauen. Für rund fünf Euro kann man hier einen Korb voller Lebensmittel mit nach Hause nehmen. Heute sind vor allem Tomaten, Paprika, Nektarinen, Trauben und Melonen gefragt. Auch frische Backwaren und Milchprodukte finden rasch dankbare Abnehmer. „Fleisch und Wurst haben wir nicht immer zu bieten“, berichten die Verkäufer. „Aber obwohl die Zahl der Bedürftigen ständig steigt, muss bei uns keiner leer ausgehen - jeder findet etwas, um zu Hause die hungrige Familie satt zu kriegen. Dazu beitragen zu können, ist sehr befriedigend!“

Renate Steinhorst

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