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Ein Anruf genügt

Nothelfer in Forchheim

Es ist ein bunt gemischter Haufen, der da im Haus der Caritas in Forchheim zusammen sitzt. Damen und Herren, Hausfrauen und Installateure, Schüler und Rentner, 16 bis 77 Jahre alt. Sie treffen sich, weil sie eine Gemeinsamkeit haben: Die 15 Forchheimer sind Nothelfer des Caritasverbandes.

„Es macht mir Spaß“, erklärt ein Mann den Grund, warum er bei fremden Leuten den Rasen mäht, Lampen anbringt oder auch mal die Fenster putzt. Dabei sind die Nothelfer keine billigen Arbeitskräfte, die jeder buchen kann, der sich keinen Handwerker leisten will und keine Lust hat, selbst auf die Leiter zu steigen. „Wir helfen Menschen, die wirklich in Not sind“, sagt Werner Lorenz, der Leiter der Sozialen Beratungsstelle der Caritas. Das sind beispielsweise Senioren, die Hilfe bei der Gartenarbeit benötigen, kranke Menschen, deren Hund Gassi geführt werden muss oder Alleinerziehende, die niemanden haben, der die neue Waschmaschine in die Wohnung trägt.

In so einem Fall können Betroffene bei Inge Scheller im Nothelferbüro anrufen und um Unterstützung bitten. Den passenden Mann oder die passende Frau findet sie mit einem Blick in ihre Kartei. Darin sind alle Nothelfer mit ihren Fähigkeiten und Kenntnissen verzeichnet. Auf diese Weise wurde etwa Sandra Schurig zur Nothelferin einer alten Dame und übernahm für sie die Hausordnung. Die 16-jährige Schülerin ist die Jüngste im Bunde und bislang auch eher die Ausnahme. „Ich habe die Anzeige gelesen und mich einfach gemeldet“, erzählt sie. Außergewöhnlich findet sie ihre Hilfsbereitschaft nicht, auch wenn ihre Freundinnen Sandras neue Beschäftigung schon komisch finden. „Meine Oma findet es gut“, lacht die Blondine und will auch weiterhin hilfsbedürftigen Menschen zur Hand gehen. Zudem sie mit der dankbaren Dame ein nettes Gespräch geführt hat.

Wegen des Geldes ist niemand hier. Drei Euro Aufwandsentschädigung bekommen die Nothelfer von ihren Auftraggebern pro Stunde. Außerdem müssen die Hilfesuchenden drei Euro Vermittlungsgebühr an die Caritas bezahlen. „Ich mache das, weil ich schon immer gerne geholfen habe“, sagt Hans Backer. Und weil dem gelernten Betriebsschlosser die gelegentlichen Tätigkeiten helfen, die eigene Arbeitslosigkeit besser zu ertragen. Etwa fünf Mal war der 51-Jährige schon im Einsatz „und die Leute waren immer sehr nett“.

Viele der Nothelfer sind Rentner oder arbeitslos, manche sogar selbst körperlich eingeschränkt. Doch an der Hilfsbereitschaft ändert das nichts. „Die Leute wollen sich sozial engagieren“, sagt Werner Lorenz. Seit der Gründung des Büros vor einem Jahr hätten sich etwa 70 Nothelfer gemeldet. Und der Bedarf ist da. „Ich hätte sogar gedacht, dass er noch größer ist“, sagt Lorenz. Bis Dezember habe es etwa 80 Anfragen gegeben.

Werner Lorenz und Inge Scheller betonen, dass ihre Nothelfer keine Aufträge übernehmen, die eigentlich für Handwerksfirmen bestimmt sind und auch keine Pflegedienste leisten. Es geht um lebenspraktische Hilfe – und immer auch um ein freundliches Gespräch. „Da entstehen Beziehungen“, sagt Lorenz. Oft stießen die Nothelfer bei ihrem Besuch in den fremden Wohnungen auf Einsamkeit und Armut. „Lassen Sie sich ein, so gut sie können“, rät Lorenz seinen Nothelfern. Trotzdem dürfe jeder persönliche Grenzen ziehen und müsse sich nicht verantwortlich für seinen „Klienten“ fühlen. Bei besonderen Problemen könne sich die Caritas um Hilfe bemühen.

„Das klingt einfacher als es ist“, beschreibt Georg Schubert seine Nothelfer-Tätigkeit. Der 59-Jährige ist von Anfang an dabei, nicht nur, weil er auf diese Weise unter Leute kommt. Der Forchheimer, der seit zwei Jahren im Vorruhestand ist, kümmert sich zuhause mit seiner Frau um zwei Pflegefälle – dennoch will er auch anderen helfen. „Weil es den eigenen Horizont erweitert, weil man die Probleme anderer sieht und dadurch die eigenen wieder anders betrachtet“. Außerdem gebe es oft genug etwas zu lachen. So auch in der Runde, in der die Nothelfer regelmäßig von ihren Erfahrungen berichten. Von den traurigen und den lustigen. Wie von dem spontanen Heiratsantrag, den eine ältere Dame ihrem Nothelfer gemacht hat.

INFO

Das Nothelferbüro in der Birkenfelderstraße 15, 91301 Forchheim, Telefon 0 91 91 / 70 72-27, ist an folgenden Tagen erreichbar: Dienstag von 13.30 bis 16.30 Uhr und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr.

 

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