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Alzheimer Gesellschaft Bamberg e.V.

Karin Kisselmann-Liedel, Jutta Rogge und Gabriela Bohrer (v.l.n.r.) engagieren sich für Demenzkranke - hier bei der Vorbereitung eines Gruppentreffens.
Karin Kisselmann-Liedel, Jutta Rogge und Gabriela Bohrer (v.l.n.r.) engagieren sich für Demenzkranke - hier bei der Vorbereitung eines Gruppentreffens.

Jutta Rogge und Gabriela Bohrer entlasten Angehörige von Demenzkranken

Wie anstrengend es sein kann, für einen dementen Angehörigen verantwortlich zu sein, können sich Jutta Rogge aus Litzendorf und Gabriela Bohrer aus Frensdorf gut vorstellen. Während der Ausbildung zu ehrenamtlichen Helferinnen haben sie das Krankheitsbild mit all seinen Konsequenzen eingehend kennen gelernt.

„Als Besucher, die den Patienten nichts abverlangen müssen, die für eine begrenzte Zeit einfach nur da sind, zuhören, kleine Handreichungen erledigen, haben wir eine wesentlich leichtere Position als die Angehörigen, die ständig verfügbar sein müssen. Man kann diese Menschen oft keine Minute allein lassen, außerdem führen lebenslang gewachsene Besonderheiten in der Beziehung manchmal zu Konflikten“, weiß Jutta Rogge.

Nachdem sie sich von einer alten Dame für immer verabschieden musste, baut sie gerade die Beziehung zu einem 88jährigen Schützling auf. Er freut sich, wenn sie einmal in der Woche kommt, und seine Tochter kann dann beruhigt Arztbesuche und andere Termine erledigen. Die Kauffrau hält ihr freiwilliges Engagement für eine selbstverständliche Angelegenheit, ‚Ehrenamt’ klingt ihr zu bombastisch. „Man kann doch nicht alles dem Staat überlassen. Ich glaube, die meisten Menschen wären in der Lage, sich irgendwo einzubringen. In einer Zeit, in der Familien wegen beruflich geforderter Mobilität räumlich auseinanderdriften oder wo wegen Kindererziehung keine Kapazitäten frei sind, brauchen Betroffene dringend Unterstützung von außen“, bemerkt die 61jährige.

Karin Kisselmann-Liedel, Mitglied des Vorstands der Alzheimer Gesellschaft Bamberg e.V., bestätigt das: „Die meisten an Demenz Erkrankten werden zuhause gepflegt. Für sie ist das wegen der persönlichen Betreuung in vertrauter Umgebung, für den Staat aus Kostengründen ein großer Vorteil. Nicht selten aber werden pflegende Angehörige selbst krank, weil sie sich scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dem wollen wir u.a. mit Beratungsgesprächen, Gesprächskreisen und Entlastungsangeboten entgegenwirken. Inzwischen sind zehn ehrenamtliche Helfer im Einsatz, und noch in diesem Jahr werden wir weitere ausbilden, um die steigenden Anfragen möglichst zeitnah bewältigen zu können. Interessierte können sich bei der Alzheimer Gesellschaft melden. Im übrigen wächst in der Bevölkerung das Verständnis für Probleme mit Demenz, es gibt in Bamberg eine Reihe von Hilfsdiensten und Betreuungsmöglichkeiten, wie man bei der von den Wohlfahrtsverbänden eingerichteten Fachstelle für pflegende Angehörige erfahren kann“.

Ist der Kontakt zwischen Angehörigen und Ehrenamtlichen hergestellt, lernt man sich kennen. „Die Chemie muss stimmen“, sind die beiden Helferinnen überzeugt. Zunächst geht es darum, so viel wie möglich von der Biographie und den Eigenheiten des Kranken zu erfahren, um Ansatzpunkte für Gespräche zu haben und Gefühle verstehen und annehmen zu können. „Das erfordert psychische Stabilität“, erklärt Karin Kisselmann-Liedel, „wir brauchen Menschen, die sensibel die Bedürfnisse Anderer wahrnehmen, ohne sich vereinnahmen zu lassen, die sich selbst zurücknehmen können und in schwierigen Situationen souverän reagieren.“ Ein hoher Anspruch, dessen Erfüllung durch sorgfältige Einarbeitung unterstützt wird, wie Gabriela Bohrer bestätigt.

„Die Ausbildung fand ich sehr bereichernd“, betont die 44jährige, „sie vermittelte die nötigen Kompetenzen im Umgang mit den Kranken und Verständnis für die Situation der Angehörigen. Diese erfahren nicht selten Druck von außen. Wenn z.B. eine Nachbarin, die bei einer kurzen Begegnung den Patienten in guter Verfassung erlebte, der betreuenden Tochter Schuldgefühle vermittelt mit Bemerkungen wie: ‚Ich weiß gar nicht, was du hast, dein Vater ist doch gut drauf und ganz verträglich.’ Sie können nicht wissen, wie sich während einer rund-um-die-Uhr-Pflege der Zustand verändert.“ Gabriela Bohrer hatte lange nach einer sinnvollen Aufgabe gesucht und froh, diese gefunden zu haben. Heute ist sie manchmal „überrascht über die eigene Geduld“, weil sie sich selbst für nicht besonders geduldig hält. Ihr Engagement ist ein wichtiger Teil ihres Lebens, weil sie hier etwas geben kann und gleichzeitig etwas bekommt. Der 84jährige, den die gelernte Kosmetikerin zurzeit betreut, ist über ihren Einsatz mehr als glücklich.

Auch ihre Kollegin Jutta Rogge findet neben der beruflichen Tätigkeit Erfüllung beim freiwilligen Einsatz, wobei beide Verständnis von ihren Ehemännern und den erwachsenen Kindern erfahren. Zusammen mit einer Fachkraft bieten sie übrigens zusätzlich eine wöchentlich stattfindende Betreuungsgruppe für Demenzkranke an. Beim freiwilligen Engagement ist es ihnen wichtig, über ihre Zeit frei verfügen zu können. „Aus Langeweile machen wir das nicht“, versichern die beiden Damen lachend, „wir sind es gewöhnt, zuzupacken, wenn wir gebraucht werden“.

Infos: www.alzheimer-bamberg.de , Tel. 0951/8680169; Fachstelle für pflegende Angehörige, Schillerplatz 16, Tel. 0951/2083501, E-Mail: pflegeberatung@dwbf.de

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