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Stolpersteine

Eine sinnlose Angstmacherei?

Manche Texte in der Bibel bringen uns nicht nur zum stolpern, sondern wecken Abscheu oder gar Angst. Berüchtigt dafür ist die Offenbarung des Johannes, die mit ihrer Schilderung des jüngsten Gerichts ganze Generationen von Christinnen und Christen das Fürchten lehrte.

Schon Martin Luther hätte dieses Buch am liebsten aus der Bibel entfernt. Wie können solche Texte, die uns in gewaltigen Bildern Naturkatastrophen, Kriege und Vernichtung vor das innere Auge malen, Evangelium sein? Sollten wir sie nicht besser als Phantastereien eines Verrückten deuten, die mit der Botschaft Jesu gar nichts zu tun haben?

Aber halt! Auch in den Evangelien treffen wir auf ganz ähnliche Vorstellungen und Bilder (etwa in Markus 13). Große Nöte, Kriege und Katastrophen werden hier aus Jesu Mund vorausgesagt. Der Text enthält aber auch Hinweise darauf, wie er wirken soll: Die Zuhörerinnen oder Leser wissen nun Bescheid über das, was kommt.

Sie wissen aber auch, dass diese schlimmen Zeiten begrenzt sind und dazu dienen, das Böse auf der Erde zu eliminieren. Darum werden sie sich nicht irreführen lassen. Was sie erleben, bekommt einen tieferen Sinn, auch wenn es anders ausschaut. Im festen Glauben, schlussendlich dazuzugehören, wenn die Herrschaft Christi anbricht, sind sie bereit, in der Gegenwart einiges zu ertragen.

Wenn wir bedenken, dass solche apokalyptischen Texte und Bilder sich vorwiegend an Menschen aus unteren Schichten richteten, die aufgrund ihres Glaubens zeitweise schikaniert, zeitweise sogar bedroht waren, können wir sie als "Impfstoffe" gegen Resignation, mangelnde Solidarität, Leichtgläubigkeit oder Panik verstehen.

Sie zeugen davon, dass der christliche Glaube unter unterschiedlichen Bedingungen gelebt wurde und wird, und dass er darum durch unterschiedliche Ausdrucksformen genährt und gestärkt wird. Missbraucht eine mächtige Kirche diese Texte, um ihre eigenen Mitglieder einzuschüchtern, dient sie jedoch gewiss nicht dem christlichen Glauben!

Brigitte Schäfer, Udligenswit, reformierte Theologin und Sozialwissenschaftlerin,
Projektleiterin bei wtb. Deutschschweizer Projekte Erwachsenenbildung

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