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Stolpersteine

Worte wie leeres Geschwätz?

Und die Frauen kehrten vom Grab zurück und verkündeten das alles den Elf und allen übrigen. Es waren Maria aus Magdala und Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus, und die übrigen Frauen, die mit ihnen waren. Sie sagten den Aposteln dies, und diesen erschienen diese Worte wie leeres Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht (Lk 24.9-11).

Bekanntlich sind es nach den Erzählungen aller vier Evangelien die Frauen, Jüngerinnen Jesu, die am Ostermorgen als erste zum Grab Jesu kommen, es leer finden und von einem oder zwei Engeln, die Auferstehungsbotschaft hören: "Er wurde auferweckt - er ist nicht hier!" (Mk 16,6 par).

Nach dem Markusevangelium fliehen die Frauen völlig aufgerüttelt, in Furcht und "Ekstase", vom Grab, und erzählen niemandem etwas (Mk 16,8), so dass es den Leserinnen und Hörern überlassen bleibt, wie sie sich zu der erschreckenden Botschaft der Engel stellen wollen. Schon Matthäus hat diesen abrupten - und beunruhigenden - Schluss, des Evangeliums nicht so stehen lassen wollen. Nach seiner Darstellung begegnen die Frauen auf dem Heimweg dem Auferstandenen persönlich, der ihnen die Worte der Engel wiederholt (Mt 28,9- 10). Und nach Lukasevangelium eilen die Frauen vom Grab zurück zu den Elf und den anderen - und stoßen auf bares Unverständnis: Man glaubt ihnen nicht, ihre Worte werden als Geschwätz abgetan (Lk 24,11).

Merkwürdigerweise hat die Auslegungsgeschichte dieses "Geschwätz" viel stärker den Frauen angelastet als den Aposteln. "Weibergeschwätz" - das schien gut geeignet, um die Bedeutung der Frauen als Verkünderinnen der Auferstehungsbotschaft zu schmälern und sie als Jüngerinnen Jesu unsichtbar zu machen. Doch eigentlich steckt in dieser Erzählweise eine herbe Kritik am Unglauben der Apostel. Nach Lukas ist es noch ein rechter Prozess, bis diese zum Osterglauben kommen: Petrus selbst muss zum Grab eilen, zwei Jünger begegnen dem Auferstandenen auf dem Weg nach Emmaus, es braucht eine Erscheinung in Jerusalem und eine Menge Belehrungen durch den Auferstandenen, bis sie zu verstehen beginnen. Das sei ihnen nicht verübelt.

Denn wer von uns hat es schon immer leicht mit dem Glauben? Doch die Frauen erinnerten sich schon am Grab, auf Grund der Botschaft der Engel an die Worte Jesu (Lk 24,8). Ihre Erinnerung an Jesus stellt die Verbindung zwischen der Zeit vor und der Zeit nach Jesu Tod dar. Sie zeigt: Was vor seinem Tod Sinn gemacht hat, macht auch nach seinem Tod noch Sinn. Das ist der Anfang einer auferstehung aus Trauer und Sinnlosigkeit im Leben der Jüngerinnen und Jünger.

Sabine Bieberstein, Dr. theol., ist Neutestamentlerin und Projektleiterin des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks für das Jahr der Bibel. Sie lebt in Bamberg.

 

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