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Stolpersteine

Warum lässt Jesus Judas ins Messer laufen?

Lk 22,22: "Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, der ihm bestimmt ist; aber weh dem Menschen, durch den er verraten wird!".

In der Bibel stehen Furcht erregende Sätze. Einer davon lautet: "Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, der ihm bestimmt ist; aber weh dem Menschen, durch den er verraten wird!" (Lk 22,22) An den Weg Jesu knüpft sich die Erinnerung an einen Menschen, über den die Evangelien das Schlimmste sagen: Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre." (Mk 14,2 1) Was für ein Urteil über Judas! Wieso muss auf dem Heilsweg Jesu ein Mensch auf der Strecke bleiben?

Wäre Gott gütig und gerecht, hätte er Judas nicht ins Messer laufen lassen! Und wenn Judas so böse war - hätte ihn Gott nicht vor sich selber schützen können? Das hätte uns Christinnen und Christen ein Problem erspart. Nun wissen alle, die von der Erlösungsbotschaft Jesu hören, dass es auch Verlierer gibt, Menschen, die gar nicht gerettet werden können.

Ist das eine gute Nachricht? Nein, nicht einmal für die guten Menschen, die fest mit ihrem Platz im Himmel rechnen. Auch sie möchten doch von einem gerechten und liebenden Gott begleitet und später willkommen geheißen werden. So geht es nun wirklich nicht: Vorherbestimmt und dann bestraft - dieses Urteil verstößt einfach gegen die Menschlichkeit!

Ich kenne alle die Verteidigungen, die im Namen Gottes vorgebracht werden. Ich mag sie gar nicht hören. Es ist und bleibt ein Ärgernis. Die Geschichte mit Judas erschüttert meinen Glauben. Sie zerreißt das Bild eines lieben Gottes, macht es zu einem Götzenbild.

Theologen dürfen diesen Skandal nicht wegerklären und weglügen. Gott muss Auskunft geben über das Unrecht, das Menschen anderen Menschen antun und das Gott offensichtlich toleriert: die Not in der Welt, Hunger, Krieg, Verrat, über Leben, das sich im reinen Überleben erschöpft. Das sind nicht einfach traurige Selbstverständlichkeiten am Rande unseres geschäftigen Alltags. Vielleicht ist die Frage nach Judas, der Zorn über zerbrochenes Leben der einzige Gottesbeweis.

Regula Grünenfelder, Bibelpastorale Arbeitsstelle des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks, Zürich

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