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Stolpersteine

Sollen die Frauen im Gottesdienst schweigen?

1 Kor14, 33b-35:
Wie es in allen Gemeinden der Heiligen üblich ist, sollen die Frauen in der Versammlung schweigen: es ist ihnen nicht gestattet zu reden. Sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es fordert. Wenn Sie es etwas wissen wollen, dann sollen sie zu Hause Ihre Männer fragen; denn es gehört sich nicht für eine Frau, vor der Gemeinde zu reden.
(vgl. weiter 1 Kor 14, 26-40)

Häufig musste ich einzelne Konfirmandinnen oder Konfirmanden im Gottesdienst zum Schweigen bringen. Einmal wisperte ein Fünfzehnjahriger daraufhin zurück: "Aber die Alte da darf ihr Bonbon auspacken, und Sie sagen nicht, dass das stört!".

Wie recht er hatte! Gern hätte ich Predigt oder Gebet unterbrochen und das kleine Einmaleins des Gottesdienstbesuches gelehrt! Das tut Paulus. Offenbar herrschen in Korinth chaotische Zustände. Da fällt einer der anderen ins Wort, da findet ein Wettkampf der Geistesgaben statt, durcheinander wird gepredigt, gebetet, gelehrt, in Zungen geredet, profetisch geredet, so dass kein einziges Wort mehr zu verstehen ist - und dazwischen sich orientierende Frauen.

Bisher hatten sie keinen Zugang zum Gottesdienst gehabt. Alles ist ihnen fremd und neu, sie brauchen Erklärungen, Deutungen, Auslegungen. Das alles erkennt Paulus an (39), mahnt aber: "Lasst aber alles ehrbar und ordentlich zugehen."

Dreimal fordert Paulus zum Schweigen auf: "Wer für die Zungenrede keine Übersetzung findet, schweige (V 28), wessen Offenbarung durch eine andere unterbrochen wird, schweige (V 30), und wer fragt, möge jene fragen, die die entsprechende Erfahrung haben.

Es gibt wissenschaftliche Gründe dafür, die Verse 34-35 als nachpaulinischen Einschub zu beurteilen. Mag sein, dass eine spätere Hand diese Sätze vermeintlich sinngemäß ergänzt hat. Ebenso gute Gründe sprechen für ihre Originalität. Sie sind viel zu lange gegen das öffentliche Auftreten von Frauen missbraucht worden. Das macht sie anstößig.

Wie Konfirmandinnen und Konfirmanden grundsätzlich im Gottesdienst aktiv sein sollen, so wird grundsätzlich den Frauen die öffentliche Mitwirkung im Gottesdienst nicht untersagt.

Ebenso wenig, wie Paulus Zungen- und profetische Rede unterbindet, will er die Geistesgaben der Frauen unterdrücken: Es geht um die Ordnung des Gottesdienstes, die Gottes Wort zu Gehör und alle - auch die Frauen! - zu Wort kommen lässt.

Angela Wäffler-Boveland, Pfarrerin,
Projektleiterin der Evangelischen Theologiekurse, Zürich

 

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