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Stolpersteine

Teil 2:
Hat Jesus die Ehescheidung verboten?

Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen (...) Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht Ihr gegen über Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.
(Mk 10, 9-12) / Das gesamte Lehrgespräch-Mkl0,2-12.

Von erlaubt und verboten spricht man im Zusammenhang eines Gesetzes. Eine Handlung, die mit dem Gesetz in Einklang steht, ist erlaubt, eine Handlung, die mit dem Gesetz nicht übereinstimmt, ist verboten. Im Zusammenhang mit der Verkündigung Jesu taugen diese Bezeichnungen nicht.

Jesus verkündete ja nicht ein Gesetz; er verkündete das Reich Gottes oder die Herrschaft Gottes oder wie immer man das nennen will. Man önnte auch sagen: Jesus verkündete das Kommen Gottes und damit verbunden die Vision von einem neuen Menschen und von einer neuen Gesellschaft. Normen und Gesetze reichen hierfür nicht aus.

Das Lehrgespräch zwischen Jesus und den Pharisäern in Mk 10,2-12 macht den Unterschied zwischenGesetz und Vision des Reiches Gottes deutlich. Die Pharisäer fragen, wie man eben fragt, wenn es um ein Gesetz geht, das man so oder anders interpretieren und am liebsten umgehen möchte: "Ist dem Mann erlaubt“, seine Frau zu entlassen?" Sie berufen sich dabei auf ein "Gesetz" (Dtn 24,1), nach dem Mose "erlaubt" hat, einen Scheidebrief auszustellen und die Frau zu entlassen.

Jesus fragt nicht nach dem Gesetz; er fragt hinter das Gesetz zurück nach der Urabsicht Gottes. "Von Anbeginn der Schöpfung schuf Gott sie als Mann und Frau", antwortet er. "Von Anbeginn der Schöpfung" also, das heißt, bevor Menschen in ihrer Hartherzigkeit durch Gesetze die ursprüngliche Absicht Gottes, eben die Vision Gottes vom neuen Menschen verdunkelten. Ähnlich ist die 3. Antithese der Bergpredigt zu verstehen (Mt 5,31-32). Nicht um erlaubt und verboten geht es, sondem um die dem Reich Gottes entsprechende weit voll kommenere Gerechtigkeit (Mt 5,20), die sich in einer unverbrüchlichen Treue zur Partnerin/zum Partner kundtut, wie sie von einem Gesetz gar nicht eingeholt werden kann. So auf alle Fälle versteht es auch die Zusammenfassung der Antithese: "Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist." (Mk 5,48)

Hinter dieser Vision werden wir immer um Meilen zurückstehen und dafür für einander auch Verständnis aufbringen müssen.

Hermann-Josef Venetz, Professor für Neues Testament an der Universität Freiburg (Schweiz)

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