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Rauchmantel

Sensationelle Entdeckung

Im Zuge der Inventarisierung des Kunst- und Kulturgutes der Pfarreien kommt es immer wieder zu kleinen "Schatzfunden". In diesem Fall handelt sich um den vorzüglich und mit kostbaren Materialen gearbeiteten Rokoko-Rauchmantel des Adam Friedrich von Seinsheim, Fürstbischof von Bamberg und Würzburg (1757 - 1779). Ein einzigartiges Stück von herausragender Qualität!

Aufregend waren auch die Fundumstände: Der Rauchmantel wurde im Kleiderschrank des Ministrantenzimmers einer erst 1922-23 errichteten Pfarrkirche entdeckt. Vor dieser Zeit hatte es in dem kleinen Ort keine Kirche gegeben. Wie der Mantel dort hingekommen sein könnte, ist bis heute ein Rätsel. Ursprünglich gehörte er zu einem kompletten Ornat, der sich nachweislich zumindest bis zum Jahr 1808 in der Sakristei des Bamberger Doms befunden hatte. Das kostbare Stück soll mittelfristig in einer Sonderausstellung zu sehen sein.

Dieser Rauchmantel besteht aus einem glänzenden Lamé-Gewebe, durchzogen mit feinem Silberdraht. Besonders im Schein der Altarkerzen muss dieses Stück eine beeindruckende Wirkung erzielt haben. Die Borten - die eigentlich gar keine sind, sondern reine Dekorstickerei - wurden in Anlegetechnik als netzartige, geschwungene Bänder gestaltet, gesäumt von unzähligen Pailletten und dekoriert mit Blumen aus teilweise lüstrierter Goldfolie sowie Trauben, die ebenfalls aus Pailletten gefertigt wurden. Die Säume und Kanten des Gewandes sind mit Goldpaspeln versehen, das Rückenschild mit Silberfansen. Letztere wurden zusätzlich mit eingearbeiteten Silberschleifchen aus Silberdraht und Silberlahn verziert.

Am Rückenschild befindet sich das prachtvoll ausgeschmückte Amtswappen des Fürstbischofs: Es ist ein ovales Wappen mit Fürstenhut sowie Herzogshut, hinterlegt mit einer roten Vorhangdraperie mit Hermelinfutter. Hinter dem Wappen befinden sich Schwert und Pastorale als Symbole für die weltliche und die geistliche Herrschaft. Auf dem Schriftband ist die gestickte Inschrift zu lesen: "1776 AD FRIDERICUS EP B ET W S R I PR F O D". Aufgeschlüsselt bedeutet die Inschrift: "1776 Adam Friedrich (von Seinsheim) - Bischof von Bamberg und Würzburg - Fürst des heiligen römischen Reiches - Herzog von Ostfranken".

Die von einem Würzburger Goldschmied geschaffene Mantelschließe besteht aus einer silbernen Grundplatte mit getriebener Auflage in feinem, durchbrochenem Rocaillendekor mit geschwungenen Blumen. Der Goldschmied greift die Gestaltung der am Mantel vorhandenen Stickereien nicht nur auf, sondern imitiert sie sogar detailgetreu. So scheinen die Blüten aus Pailletten zu bestehen und die Stiele und Blätter aus Goldfäden gefertigt zu sein. Deutlich wird die markante Struktur der Goldfäden wiedergegeben, die im Grunde aus mit Goldlahn umwickelten Seidenfäden bestehen.

 

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