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Sonntag 20.04.2014, 07:58 Uhr
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Berufung

Verständnis

Biblisch gesehen weist Berufung immer zuerst auf Gottes Initiative hin. Gott ruft sein Volk und erwählt es (vgl. Jes 48,12).
Er beruft einzelne und überträgt ihnen Aufgaben für das erwählte Volk (vgl. die Urväter des Glaubens, Frauengestalten der Bibel, Propheten).
Der Ruf Gottes wird in Jesus Christus zum „fleischgewordenen Ruf“ (vgl. Joh 1,14).
Er beruft Jünger (vgl. Mk 1, 16-20) und Sünder (vgl. Mk 2,17).
Er beruft persönlich und gemeinschaftlich (Mk 3, 13f).
Christen heißen „Berufene“ (Hebr. 9,15).

Die Kirche betont, „dass alle Christgläubigen jeglichen Standes oder Ranges zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen sind“ (LG 40). Von daher darf der Rang unterschiedlicher Wege in Gottes Berufung nicht gegenseitig ausgespielt werden. Die Berufung zu einem Leben nach den evangelischen Räten will durch ihre Radikalität, auf Jesu Wort hin „alles zu verlassen“, die Provokation der Urgestalt des Rufes Jesu wach halten.
Das Hören auf Gottes Ruf ermöglicht die Verbindung zwischen Berufung und (zivilem) Beruf. Im Beruf wird Gottes Ruf zur Heiligkeit und zum Dienst an Menschen und Welt konkret.
Vgl. Klaus Hemmerle, in: Christian Schütz (Hg.): Praktisches Lexikon der Spiritualität. Ruf/ Beruf/ Berufung. – Freiburg 1988, 1066ff.

Rufzeichen

So einfach geht das nicht: die richtige Nummer wählen, den Namen sagen und seine Fragen stellen - vom anderen Ende her präzise Antwort, alles klar. Oder angerufen werden, einen eindeutigen Auftrag bekommen - wissen, was zu tun ist. Wie Stroh, in das Feuer fährt, wäre unsere Freiheit, wenn Gott sich uns direkt mitteilen würde. Da es ihm aber auf unsere freie Zustimmung ankommt, wenn er uns in Bewegung bringen will auf sich und Mitmenschen zu, birgt er seinen Anruf in schonende menschliche Zeichen. Begegnungen, Ereignisse, Erwartungen und Not anderer, aber auch eigene Neigungen, Begabungen und Grenzen können seine Rufzeichen sein.
Wie geschieht Berufung? Für gewöhnlich nicht spektakulär. In der Weise eines mit langem Atem (von Seiten Gottes) geführten Dialogs. Der Anruf ist in der Regel leise, geduldig ungezählte male neu ansetzend, in tausend alltäglichen Dingen verborgen ankommend.
Wie aber kann man diese Anrufe erkennen? Zuerst gilt es, die "Anlage" intakt zu halten, zu bringen; nicht eine Apparatur, sondern sich selbst, seine menschlichen-christlichen Grundfähigkeiten.
Sodann gibt es Erkennungszeichen; freilich ist Berufung - wie alles Personale - nicht in eine chemische oder sonstige Formel zu fassen.

Grundlagen

  • Sich selber entdecken, annehmen und bejahen lernen, wie man ist; und immer neu Mut aufbringen, das Beste aus sich und den Gegebenheiten zu machen.
  • Aufbrechen aus der Ichverfangenheit, Kampfansage an den Egoismus; über sich selbst hinausgelangen, nicht ständig auf Selbstfindung aus sein, die in allem und jedem nur sich selbst sucht. Offen werden auf das Du hin: das Du von Mitmenschen, das Du Gottes.
  • Lebenslang den Willen trainieren, die eigenen Kräfte und Bedürfnisse, die oft in Widerstreit zu einander geraten, einander über- und unterzuordnen.
  • Den geistigen Interessen Vorrang geben vor den materiellen. Wer nicht darauf aus ist, den Grund, die Wahrheit der Dinge zu erkennen, gleicht einem, der seine Telefonanlage abschaltet (Leitung tot!); verliert sein Orientierungsvermögen und das menschliche Gleichgewicht.
  • Die Spannung zwischen dem Streben nach Selbständigkeit und der notwendigen Anpassung aushalten.
  • Seine Unterscheidungsfähigkeit entfalten: kritisches (=unterscheidendes) Verhalten, auf Distanz-Gehen einüben; andererseits das Vertrauen vertiefen, sich einzulassen auf jemand, auf etwas, sich zu identifizieren.
  • Die Fähigkeit, sich selbstkritisch zu sehen, vernünftig pflegen; sich selbst, sein Verhalten, seine Motive möglichst unbefangen, wahrhaftig prüfen lernen.
  • Den Mut haben, sich in den Fragen des eigenen Lebensprojektes nicht verfrüht festzulegen, sondern in seinem ganzen Verhalten offen zu bleiben für die verschiedenen Möglichkeiten; andererseits den Mut haben, sich rechtzeitig zu entscheiden, Schritt für Schritt.
  • Wer den Willen Gottes in den zahllosen alltäglichen Begegnungen, Anforderungen, Entscheidungen zu entdecken und zu tun sucht, entfaltet auf die beste Weise seine Fähigkeit, in den großen Lebensentscheidungen den Plan Gottes zu entdecken und zu verwirklichen.

Erkennungszeichen von Berufung

  1. Innere Unruhe über die jetzige Situation, ohne erkennbaren äußeren Grund - also nicht: Versagen, Anpassungsschwierigkeiten, Rollenunsicherheit...
  2. Erfahrung von Freude am selbstlosen Dienst für andere.
  3. Verständnis für eine religiöse Motivation des ganzen Lebens - nicht nur für Sektoren oder einzelne Anlässe.
  4. Integration (wenigstens ansatzweise) des religiösen Lebens in die gesamte Lebensführung.
  5. Mut, auf die "Belohnung" für selbstloses Tun zu verzichten, also Dank nicht unmittelbar erwarten zu müssen.
  6. Freude an Geistlichem schlechthin, an spirituellen Werten und Vollzügen.
  7. Aufgeschlossenheit für das Weitersagen der Frohen Botschaft als Antwort auf die Sinnfrage (Mission).
  8. Hingezogensein zu Meditation und Gebet.
  9. Hingezogensein zur Feier der Eucharistie.
  10. Bereitschaft und Fähigkeit zu Kontakt und Zusammenarbeit, zur Integration in eine Ordensgemeinschaft.

Vgl. Emil Spath, Rufzeichen, in: PWB-Broschüre "Du weißt meinen Namen. Thema: Berufung"

Einige Fragen zur Klärung der eigenen Berufung

Wer ernsthaft überlegt, in einen Orden oder ein Kloster einzutreten, könnte sich in der Phase der Klärung folgende Fragen stellen

1. Was bewegt mich zum Leben in einem Orden? Warum möchte in ein solches Leben beginnen? Bin ich bewegt durch eine persönliche Beziehung zu Christus? Spüre ich eine Zuneigung zu ihm und ein Verlangen, ihm radikal nachzufolgen? Was sonst bewegt mich zum Eintritt in den Orden? Was erwarte ich mir vom Ordensleben? Was befürchte ich, wenn ich nicht eintrete?
2. Was bewegt mich, in diesen speziellen Orden einzutreten? Warum möchte ich gerade in diesen speziellen Orden eintreten? Habe ich diesen Orden genügend kennen gelernt? Kenne ich seine Ziele, seine Spiritualität? Kann ich mich damit identifizieren? Kenne ich seine konkrete Weise zu leben, zu beten, zu arbeiten? Welches Gewicht haben persönliche Beziehungen zu Mitgliedern dieses Ordens? Habe ich mich über andere Orden informiert?
3. Bin ich geeignet für einen solchen Weg? Wenn ich nicht nur auf meine Ideale schaue, sondern auf meine konkreten Eigenschaften, Charakterzüge, Stärken und Schwächen: sehe ich eine realistische Chance, dieses Leben im Orden führen zu können? Habe ich erste Erfahrungen mit dieser Lebensweise gemacht? Wie ging es mir dabei? Halten mich Freunde, die mich gut kennen, für diesen Weg für geeignet?
4. Was bedeutet mir ein Leben nach den Evangelischen Räten? Habe ich genügend nachgedacht über die Evangelischen Räte, die drei Grundpfeiler des Ordenslebens, nämlich Armut, Keuschheit und Gehorsam? Bei jedem einzelnen dieser drei Gelübde könnte ich mich fragen: Was bedeutet für mich dieses Gelübde? Was zieht mich daran an? Worin sehe ich persönlich seinen Wert? Wo erlebe ich Widerstände? Was wird mir wohl schwer fallen?
5. Wo habe ich noch viel zu lernen? Mal angenommen, ich werde in diesen Orden aufgenommen, wo müsssse ich noch am meisten an mir selber arbeiten? Was muss ich wohl noch mit viel Geduld kennen lernen und einüben? Wo sehe ich kritische Punkte, die ich während der Erprobungszeit im Noviziat genauer anschauen möchte?
6. Schlussfrage: Habe ich genügend Vertrauen auf Gott, um einen solchen Weg zu beginnen?

P. Franz Meures SJ, in: WEGBEREITER. Magazin für Berufe der Kirche 3/96, 13

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