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Donnerstag 17.04.2014, 14:59 Uhr
(c) 2014 Heinrichsblatt

Die klassische Toskana: Brennpunkt der Kultur
Anstrengend, aber rundum schön fanden Leser die einwöchige Reise mit dem Heinrichsblatt nach Italien

In der Toskana passt einfach alles zusammen“, berichtet Lore Reinwald begeistert. „Die Landschaft, die Kunst, die Kultur – das ist wie ein Brennpunkt, in dem alles zusammenkommt.“ Die Fürtherin ist eine von 42 Lesern, die mit dem Bayerischen Pilgerbüro und dem Heinrichsblatt eine Woche lang, vom 13. bis 19. Mai, durch die „Klassische Toskana“ gereist sind.

Viele haben ihr eigenes Bild von der Toskana: Weinberge, Olivenhaine, romantische Bauernhöfe... . „Ich hatte mir die Toskana immer relativ flach vorgestellt“, sagt Hans Dicker. „Aber das ist hier ja richtig bergig, fast wie in Oberbayern.“ Mit seiner Ehefrau Inge war er das erste Mal mit dem Heinrichsblatt unterwegs. „Wir wollten einmal erleben, wie so eine Studienreise ist, da konnten wir uns nichts darunter vorstellen“, berichtete Inge Dicker. Das Rentnerpaar aus Kronach war sonst immer auf eigene Faust im Urlaub. Eine Gruppenreise war für sie eine neue Erfahrung. „Die Gemeinschaft in einer Gruppe, die Unterhaltungen, dass einer dem anderen hilft, das war schon sehr schön, auch wenn es sehr anstrengend war“, sind sie sich einig. Dafür hätten sie in der Toskana so viel gesehen, wie nie zuvor in einem Urlaub.

Die fünftgrößte italienische Provinz erstreckt sich über eine Fläche von rund 23 000 Quadratkilometern. Von dem Appennin im Norden, dessen Gipfel bis über 2000 Meter hoch sind, reicht sie bis in die fruchtbare Ebene der Maremma.

Ihr Weg führte die Reisenden aus dem Erzbistum Bamberg in das etwa 900 Kilometer entfernte Montecatini Terme, günstig gelegen auf halber Strecke zwischen Pisa und Florenz. Von hier aus machten sich die Heinrichsblattleser auf Entdeckungsreise durch die Geschichte und die Kultur der Toskana. Eine Reise von den Etruskern, über die Römer, das Mittelalter bis hin zu den berühmten Medici, die fast alle der toskanischen Stadtstaaten der Herrschaft von Florenz unterwarfen.

Volterra und San Giminiano

Ein Ausflug nach Volterra führte die Reisegruppe zurück bis in die Zeit der Etrusker. Um 550 vor Christus wurde die Stadt im „Bund der zwölf Städte“ gegründet. Weithin sichtbar auf einem Hügel gelegen, beherrscht Volterra die grünen Flusstäler der Cecina und der Era. In Serpentinen schlängelt sich der Weg hinauf. Die malerischen Straßen und Gässchen, die auf den mittelalterlichen Plätzen zusammenlaufen, sind typisch für die toskanischen Städte. Bekannt ist Volterra vor allem wegen des Palazzo dei Priori, dem ältesten noch erhaltenen Kommunalpalast der Toskana. Ein Blick in die Werkstätten, die die antike Kunst der Alabasterverarbeitung wiederbelebt haben, gibt eine Ahnung von dem Wohlstand, der in Volterra geherrscht haben muss.

Als Zeichen für ihren Wohlstand bauten sich die einflussreichen Familien in den Städten Türme. In San Giminiano kann man diese „Statussymbole“ noch heute bestaunen. Wie Wolkenkratzer ragen die 13 noch erhaltenen der einst 72 Geschlechtertürme in den toskanischen Himmel. Diese Skyline brachte San Giminiano den Beinamen „Manhatten der Toskana“ ein.

Überhaupt scheint die Toskana vom Wohlstand geprägt. Die Fassaden der Kirchen und Kathedralen erstrahlen im Weiß des Carrara-Mamors, repräsentative Paläste und Plätze künden von einem Reichtum, der einst Händler und heute Touristen in Scharen anlockt – auch die Leser des Bamberger Heinrichsblattes.

Die Eroberung Luccas

Ihnen gelang, was den Florentinern stets verwehrt blieb: Die Eroberung der Stadt Lucca. Sie ist die einzige Stadt der Toskana, die die Medici nie unterwerfen konnten. Der Grund dafür ist die mächtige Stadtmauer. Ein wahres Bollwerk: Mehr als vier Kilometer lang, zwölf Meter hoch und 30 Meter breit. Damit ist sie die breiteste Stadtmauer der Welt. Die Reisegruppe des Heinrichsblattes konnte die Befestigung jedoch nicht davon abhalten, „Puccinis heitere Stadt“ zu erkunden. Einst gab es hier 99 Kirchen. Heute herrscht Priestermangel, so dass viele von ihnen geschlossen und umgewidmet werden mussten. Auch wenn Italien als katholisches Land gilt, ist der Bedeutungsverlust der Religion spürbar. So locken die Kirchen heute mehr Touristen als Gläubige an.

Mehr als nur ein Turm

Wie für Touristen gemacht scheint die „Piazza dei Miracoli“, der Platz der Wunder, in Pisa. Er liegt abseits des Zentrums der einst stolzen Seefahrerstadt. Hier steht eines der wohl bekanntesten Bauwerke der Toskana: der Campanile, der „Schiefe Turm von Pisa“. Viele der Heinrichsblattleser waren überrascht: „Wir dachten immer, der Turm würde alleine da stehen“, hörte man hier und da. Doch eigentlich ist der Campanile der Glockenturm des Pisaner Doms und Teil eines ganzen Gebäudekomplexes. Wie für die Ewigkeit in Mamor geschlagen erheben sich Turm, Dom und die Taufkapelle, das Baptisterium, aus der grünen Wiese. Beeindruckend in ihren Ausmaßen und der strahlenden Marmorverkleidung.

Genau wie der Dom in Florenz. Über und über verkleidet mit weißem und dunklem Mamor, reich verziert und ausgeschmückt von außen, erwartete die Reisegruppe gespannt, was sich hinter diesen schmucken Mauern verbergen würde. Doch die Ernüchterung war groß. Im Inneren wirkt der Florenzer Dom eher wie eine große Wartehalle. „Äußerst nüchtern“, meinten Reiseführerin und Reisende.

Wiege der Renaissance

Florenz besticht in erster Linie durch seine Größe. Hier ist alles etwas mächtiger als in anderen Städten: die Gebäude ein bis zwei Stockwerke höher, die Fassaden repräsentativer, die Kunst geballter. Kein Wunder, war die Stadt doch lange Zeit Hauptsitz der Medici. Jener Familie, die einst, wie es der Name schon sagt, Mediziner waren und die das Bankenwesen aufbaute. Sie machten Florenz zur absoluten Vormacht in der Toskana. In Florenz, der „Wiege der Renaissance“, dem „Athen Italiens“, wirkten Künstler wie Giotto, Botticelli, Donatello, Leonardo da Vinci und Michelangelo. In den Uffizien, dem größten Museum in Florenz, sind einige ihrer Werke zu bewundern.

Katharina von Siena

Nicht so groß, irgendwie charmanter wirkt dagegen Siena. Von dem Geburtsort der Heiligen Katharina waren die Heinrichsblattleser besonders angetan. Hier, in der Kirche San Domenico, wird das Haupt der Heiligen als Reliquie verehrt. Die engen, verwinkelten Gassen der Stadt mit ihren zahlreichen „Gelaterien“ (Eisdielen), Restaurants, Cafés und Spezialitätenläden, münden auf dem zentralen „Piazza del Campo“, der nach den anstrengenden Tagen zum Verschnaufen einlud.

Etwas Ruhe, gemütliches Beisammensein und Entspannung, das versprach auch der Abend mit Weinprobe und anschließendem Essen im Chianti. Das weltbekannte Weinanbaugebiet zeigte sich von seiner schönsten Seite: Wie dunkelgrüne Finger streckten sich die Zypressen dem Abendhimmel entgegen, die Olivenbäume schillerten silbern und die gelben Blüten des Ginsters entlang der kurvenreichen Straßen mitten durch die Weinberge verströmten einen würzigen Honigduft. Hier ließen sich die Heinrichsblattleser von der toskanischen Küche verwöhnen. Ob kräftiger Rotwein, frische Bruschetta, scharfe Pasta oder milder Käse, die Reisegruppe genoss den Abend.

Viele Eindrücke waren während der Woche auf sie eingestürzt. „Ich bin dankbar, dass ich das erleben durfte“, sagt Inge Dicker. „Die Landschaft, die Städte, die Kunst – das bleibt schon haften“, meint ihr Ehemann Hans. Doch nach der anstrengenden Reise freuten sich beide wieder auf zu Hause. „Jetzt müssen wir daheim erst einmal alles verarbeiten“, meint Inge Dicker. „Unsere Bilder und die Eintrittskarten kommen alle in ein Album“, erzählt sie. „Das kramen wir dann in Ruhe noch einmal heraus und erinnern uns gemeinsam an unsere erste Studienreise.“ Volker Poerschke

Datum: 03.06.2008
Autor: Volker Poerschke

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