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Samstag 30.08.2014, 22:22 Uhr
(c) 2014 Heinrichsblatt

Auf Spurensuche durch die Geschichte Maltas
Heinrichsblatt-Leser entdeckten eine Insel zwischen Tradition und Moderne, tiefer Gläubigkeit und Touristenboom

Wer sich für Land und Leute, Kunst und Kultur interessiert, der wird beim Heinrichsblatt immer fündig“, meint Angelika Bullin. Sie ist eine von 48 Heinrichsblattlesern, die zusammen mit Prälat Luitgar Göller auf eine einwöchige Entdeckungsreise durch die Geschichte Maltas fuhren.

Malta, das ist eine Insel zwischen Sizilien und Tunesien, zwischen Europa und Afrika. Ein Land, dessen strategisch günstige Lage im Zentrum des Mittelmeeres das Interesse vieler Händler und Eroberer weckte. Ein Land zwischen den Kulturen, das trotz ständig wechselnder Machthaber eine ganz eigene Identität und ein stolzes Selbstbewusstsein entwickelt hat. Durch diese wechselvolle Geschichte, von etwa 11 000 vor Christus bis in die Gegenwart, führte die Reise des Heinrichsblattes. Die Leser bestaunten die tonnenschweren Felsen der megalithischen Steinzeittempel von Tarxien und Hgar Qim, folgten den Spuren des Apostels Paulus und dem beeindruckenden Erbe der „Ritter vom Orden des Heiligen Johannes vom Spital in Jerusalem“. Sie durchkreuzten den maltesischen Archipel von Nord nach Süd und von Ost nach West, lernten das Land und die Mitreisenden besser kennen.

Bereits auf der Fahrt vom Flughafen Malta im Südosten bis zum Hotel in Bugibba, nahe der St. Paul’s Bucht im Nordwesten der Insel, bekamen die Heinrichsblattleser einen ersten Eindruck von dem knapp 316 Quadratkilometer großen Land. Bei spätsommerlichen 24 Grad Celsius erstreckte sich vor ihnen die karge Steppenlandschaft der wasserarmen Mittelmeerinsel. Der Weg führte sie über die mal mehr, mal weniger gut ausgebauten Straßen vorbei an mächtigen Felsplateaus, wild wuchernden Büschen und Kräutern sowie üppigen Kakteen. Die felsige Landschaft durchzogen von Trockensteinmauern, die sich terassenförmig die Hänge entlang bis in die Ebene winden. Sie schützen die kleinen Felder, auf denen zumeist Kartoffeln, Kürbisse und Zucchinis oder Wein angebaut wird, vor dem stetig wehenden Wind und der Erosion durch kurze, aber heftige Regenschauer.

Ein katholisches Volk

Die Nachmittagssonne tauchte die Häuser aus Globigerinenkalk in helles Licht. Fast alle Gebäude auf Malta bestehen aus diesem weichen Kalkstein, der in den Steinbrüchen der Insel abgebaut wird. Beinahe monoton reihen sich die zweigeschossigen Flachdachbauten nach arabischem Vorbild in den kleinen Ortschaften aneinander. Überragt werden sie nur von den mächtigen Kuppeln und Türmen barocker Kirchen. Mehr als 365 solcher Gotteshäuser gibt es auf Malta. „Für jeden Tag im Jahr eine eigene Kirche“, behaupten die Einheimischen scherzhaft. Die mächtigste von ihnen ist die Rotunda St. Marija Assunta (Mariä Himmelfahrt). Ein Höhepunkt der Reise war der gemeinsame Gottesdienst in der Apsis dieser neoklassizistischen Rundkirche. Für die Eucharistiefeier mit Johannes Samut, dem Pilgerpfarrer der deutschen St. Barbara Gemeinde in Maltas Hauptstadt Valetta, durften die Leser sogar im Chorgestühl der Kirche Platz nehmen. Insgesamt bietet die Rundkirche Raum für 15000 Gläubige. Sie ist die viertgrößte freitragende Kuppelkirche Europas.

„Ja, ja – die Malteser neigen schon aweng zur Gigantomanie“, meinte Prälat Göller beim Anblick des gigantischen Kuppelbaus aus der Ferne. Doch Anzahl und Größe der maltesischen Kirchen haben einen guten Grund. So hat Malta etwa 400 000 Einwohner, 93 Prozent sind katholisch. Über die Hälfte von ihnen besucht die Sonntagsgottesdienste. Auch über Priestermangel braucht sich Maltas Bischof nicht zu beklagen. Die Priesterseminare sind voll, drei bis vier Geistliche betreuen gemeinsam eine Pfarrei. Zahlen, von denen deutsche Oberhirten nur träumen können. Und das, obwohl Malta unter dem Einfluss ständig wechselnder Machthaber stand, mit ihren eigenen Göttern, Kulten und Religionen.

Da waren zum Beispiel die Phönizier. Jene semitischen Seefahrer, die Malta durch ihren punischen Vielgötterglauben und vor allem dem Handel prägten. Sie verhalfen der Insel zu ihrer ersten Blüte. Oder die Römer, die dem Archipel ab 218 vor Christus für gut 650 Jahre ihren Stempel aufdrückten. In jener Zeit – etwa 59 nach Christus – soll der Apostel Paulus hier Schiffbruch erlitten und die ersten Malteser zum christlichen Glauben bekehrt haben. Die Bibel berichtet in der Apostelgeschichte darüber (27, 1-44 und 28, 1-10). Punischer und römischer Polytheismus und Christentum existierten friedlich nebeneinander. Im Römischen Reich verfolgte Christen suchten auf Malta Schutz, wie beispielsweise die Heilige Agathe, deren Katakomben die Reisegruppe besichtigte. Staunend zwängte sich die Gruppe durch die kleine Felsenkapelle und die engen Tunnel der Grabkammern.

Ein militärisches Bollwerk

Schließlich eroberten die Araber Malta. Sie massakrierten die gesamte Bevölkerung und besiedelten die Insel neu. Die Architektur und die maltesische Sprache zeugen bis heute von dieser Zeit. Araber, Europäer und Türken lieferten sich erbitterte Kämpfe um den Archipel, dem Tor nach Europa mit seinen gut zugänglichen Häfen. Nach und nach bauten die jeweiligen Eroberer Malta zu einem militärischen Stützpunkt aus und befestigten die Zugänge zum Mittelmeer. Eine Rundfahrt durch die tief eingeschnittenen Häfen, zu beiden Seiten der Hauptstadt Valetta hinterließ bei den Lesern einen bleibenden Eindruck. „Die Fahrt auf dem ,Piratenschiff‘ durch den Grand Harbour war für mich das Beste“, sagt Angelika Büttel. „Die imposanten Festungsanlagen und die Macht des Meeres haben mich sehr beeindruckt“, ergänzt Friedegunde Amann. Ein Großteil dieser Wehrmauern, Bastionen und Zitadellen, wurde von den Rittern des Johanniterordens, den heutigen Malteserrittern, erbaut. Sie machten Malta zu einer uneinnehmbaren Festung, vor der selbst die Türken unter Sultan Süleymann dem Prächtigen kapitulieren mussten. Der katholische Ritterorden errichtete neben Festungen auch Hospitäler, Herbergen und viele Kirchen. Sie brachten unschätzbare Reichtümer mit auf die Insel und verankerten den Katholizismus in den Herzen der Malteser. Er bestimmt das Nationalgefühl der Bevölkerung bis heute. Auch die Gründung der Hauptstadt Valetta geht auf die Ordensritter zurück. Heute ist die Stadt das Mekka der Touristen, die von den Kreuzfahrtschiffen auf die Insel strömen.

Der Tourismus ist neben dem Grand Harbour mit seinen riesigen Trockendocks die Stütze der maltesischen Wirtschaft. Hektisch schieben sich die Menschen durch die Straßen, hasten von einer Sehenswürdigkeit zur Anderen. Überall schießen Hotelanlagen wie Pilze aus dem Boden. „Manchmal“, so Prälat Göller, der Malta bereits 1994 mit dem Heinrichsblatt bereiste, „Manchmal wäre Weniger einfach Mehr“. Aber es gibt sie auch auf Malta: Ruhige, beschauliche Orte, die zum Entspannen in kleine Straßencafés oder zum Bummeln einladen. Zum Beispiel die „Stille Stadt“ Mdina oder das malerische Fischerdorf Marsaxlokk mit seinen vielen bunten Fischerbooten.

„Ich habe so viel aufgesaugt von der Kunst, der Architektur und habe so viele neue Leute kennen gelernt“, sagt Angelika Bullin. Sie habe die Reise zusammen mit ihrer Freundin Edith Lüttge genossen. „Wir fahren auch das nächste Mal mit dem Heinrichsblatt mit“, meint sie. Und auch Friedegunde Amann ist begeistert. Die 70-Jährige kannte vorher niemanden ihrer Mitreisenden. Die Gemeinsamkeiten in der Gruppe, der Glaube, das Alter und die gemeinsamen Interessen machten ihr die Begegnung leicht. „Diese persönlichen Begegnungen, die privaten Stunden, die man trotz des vollen Programms hatte, habe ich als persönlichen Schatz auf dieser Reise erlebt“, sagt sie. Wie Friedegunde Amann nahmen viele Leser neben einer Menge Erinnerungen auch neue Freundschaften mit nach Hause.

Datum: 26.10.2007
Autor: Volker Poerschke

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