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Samstag 23.08.2014, 09:28 Uhr
(c) 2014 Heinrichsblatt

„Für mich gibt es keinen besseren Platz“
Sr. Mechthild Thürmer ist die neue Äbtissin der Abtei Maria Frieden in Kirchschletten

Eigentlich wollte sie als Krankenschwester in die Mission gehen, nach Südafrika oder Bolivien. Doch es kam alles anders. Mit 20 trat Mechthild Thürmer in die Gemeinschaft der Benediktinerinnen der Abtei Maria Frieden in Kirchschletten ein, 33 Jahre später wurde sie von ihren Mitschwestern zu Äbtissin gewählt und wird am 11. November um 14 Uhr offiziell in ihr Amt eingeführt (wir haben bereits kurz darüber berichtet). „33 Jahre lang habe ich immer gewartet, dass das Zeichen kommt, dass es los geht. Jetzt muss ich es selber geben, sonst passiert nichts“ sagt die Mutter Äbtissin, wie jetzt ihre offizielle Anrede lautet, mit einem Lachen auf die Frage, was sich in ihrem Leben nach der Wahl vor allem geändert hat.

1958 in Allersdorf (Pfarrei Gößweinstein) geboren, kam Mechthild Thürmer mit 17 Jahren das erste Mal ins Kloster Kirchschletten. „Meine Freundinnen drängten mich dazu. Wir wollten zusammen mit unserem Kaplan meditieren und Fenster streichen,“ erzählt sie dem Heinrichsblatt. Aus diesem Aufenthalt wurde mehr, es entwickelte sich eine regelrechte Liebe zum Kloster. „Es war die Gemeinschaft der Schwestern, die mich beeindruckt hat“, so Sr. Mechthild. „Zusammen mit den Schwestern durften wir arbeiten und erlebten Faszinierendes: Da war so viel Freude bei der Arbeit zu spüren, alle halfen mit, egal ob schwer oder schmutzig, und wir konnten einfach mitmachen. Das Ergreifendste war aber das Chorgebet der Schwestern.“

Aus dem zunächst einmalig geplanten Besuch wurden viele, an den Wochenenden kam die junge Frau immer wieder nach Kirchschletten, „und mit der Zeit spürte ich ganz tief in mir, dass Gott mich hier haben wollte. Ich wollte so leben wie diese Schwestern“. Sie beendete ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Forchheim und vollzog dann den Schritt, den sie bis heute nie bereut hat: Am 1. Ok-tober 1978 trat sie in die Abtei Maria Frieden in Kirchschletten ein. „Für mich gibt es keinen besseren Platz auf der ganzen Welt,“ sagt die neue Äbtissin auch heute aus voller Überzeugung.

Sie gab ihren erlernten Beruf auf, ließ Eltern, Geschwister, Freunde und Besitz hinter sich, um fortan als Benediktinerin zu leben, „abgeschieden von der Welt, aber doch in der Welt“, wie sie es ausdrückt. Bei ihrem Eintritt ins Kloster gab es noch zwei deutsche Mitschwestern, ansonsten wohnten 26 philippinische Schwestern in der Abtei. Heute leben 15 Benediktinerinnen in Kirchschletten.

In der Welt lebt Sr. Mechthild immer wieder auch, wenn sie Religionsunterricht gibt. 1984 erhielt sie die Missio Canonica, die Lehrerlaubnis, und unterrichtete seit dieser Zeit in Scheßlitz, Bad Staffelstein, Breitengüßbach und in den Sonderschulen von Staffelstein und Lichtenfels. Seit 1985 gibt sie Religionsunterricht in Zapfendorf, 19 Stunden in der Woche.

Ein Stück weit wird sie den Unterricht aufgeben müssen, nur noch neun Stunden wird sie künftig bei den Mädchen und Jungen sein. „Das hat bei den Kindern schon Tränen gegeben,“ erzählt die 53-Jährige mit ein bisschen Wehmut in der Stimme. Gerne unterrichtet sie, egal ob eine 1. oder eine 9. Klasse. „Ich habe genommen, was kam und habe immer versucht, das Beste daraus zu machen.“ Dass sie dabei immer in Ordenstracht vor die Schüler trat, war für diese ganz selbstverständlich. Im Gegenteil. „Als wir einmal einen Ausflug machten und ich in einem grauen Gewand unterwegs war, haben sie zu mir gesagt: Schwester sie sind doch heute gar nicht richtig angezogen.“

Das Amt der Schulbeauftragten im Dekanat Hallstadt-Scheßlitz möchte Mechthild Thürmer zunächst weiterführen, gibt es ihr doch die Möglichkeit, zum einen mit anderen Lehrkräften in Kontakt zu bleiben und zum anderen auf ihre Abtei in Kirchschletten hinzuweisen.

Das tat sie aber auch immer wieder, wenn sie unterwegs war, um den Stand der Kirchschlettener Schwestern zu betreuen, beispielsweise beim Heinrichsfest oder auch bei Festen in verschiedenen Gemeinden in der Umgebung.

Als Äbtissin hat Sr. Mechthild eine große Verantwortung für die Abtei Maria Frieden, ist die Repräsentantin für die Gemeinschaft „und ich repräsentiere Jesus Christus in der Gemeinschaft. Ich muss den Schwestern ein gutes Beispiel geben, wie man im Geiste Jesu leben kann und muss sie zu diesem Leben ermutigen.“ Aber Verantwortung hatte sie auch schon vorher als Krankenschwester für ihre Mitschwestern oder zuletzt als Cellerarin, die für das Geld verantwortlich war. „Ich habe immer versucht, alles sehr gewissenhaft zu machen. Aber jetzt ist das alles noch einen Grad anders.“

Ihre Gefühle während des Wahlkonvents unter Vorsitz von Erzbischof Ludwig Schick kann sie nur schwer beschreiben. „Es war immer ein Schwanken zwischen ,Werde ich es wirklich?‘, ,Was wird, wenn ich gewählt werde?‘ und ,Soll ich es wirklich machen‘,“ erzählt Sr. Mechthild.

Seit 33 Jahren gehört sie nun der Gemeinschaft an, welche sich aus den unterschiedlichsten Nationalitäten und Charakteren zusammensetzt. Und sie hofft, dass in Zukunft viele junge Frauen ins Kloster eintreten, „denn ein solch abwechslungsreiches Leben wie bei uns gibt es nur selten“, sagt die Äbtissin. So gibt es eine Vielfalt von Arbeitsgebieten, angefangen von der Küche über den Gästebetrieb und die Landwirtschaft bis hin zur Wachswerkstatt. „Und wir haben eine klare Tagesstruktur, die durchaus ihren Reiz hat. Das merken gerade auch unsere Gäste, die zu uns kommen, um dem hektischen Alltag zu entfliehen.“

Eines ist sich die Äbtissin sicher: „Wenn ich heute noch einmal für meinen Lebensweg entscheiden könnte, würde ich sofort wieder die gleiche Entscheidung treffen. Für mich kann ich mir keinen Platz auf dieser Welt vorstellen, an dem ich mehr Erfüllung finden könnte.“

Datum: 04.11.2011
Autor: Andreas Kuschbert

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