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Dienstag 29.07.2014, 20:50 Uhr
(c) 2014 Heinrichsblatt

Weihnachten – Startschuss für das Reich Gottes
Weihnachtsbetrachtung von Erzbischof Dr. Ludwig Schick

In Betlehem begann des „Himmelreiches Lauf“. Im Lied „Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit“ (GL 644) singen wir: „Tu der Völker Türen auf; deines Himmelsreiches Lauf hemme keine List noch Macht. Schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarm dich, Herr“.

Im Jahr „Eins“ wurde das Reich Gottes „der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude für alle Menschen“ errichtet. Dazu kam Jesus auf die Welt! Das Himmelreich begann bei der Geburt Jesu und wird vollendet werden bei seiner Wiederkunft am Ende der Zeit. In Betlehem startete die Gerechtigkeit Gottes, die überall aufgerichtet werden wird. Indem der Sohn Gottes zuerst zu den armen Leuten, Maria und Josef sowie den Hirten kam, begann er damit in Betlehem. Die Menschen, die ungerecht behandelt, ausgegrenzt und ausgebeutet wurden, erhielten als Erste die Botschaft von der Ankunft des Erlösers. Mit „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes“ (Lk 6,20), beginnen die Seligpreisungen im Lukasevangelium.

Gott wird klein und geht zu den Kleinen und sie kommen zu ihm an die Krippe. Gott lässt sich von denen erkennen und lieben, die in dieser Welt „klein gemacht“ werden, und zeigt ihnen seine Liebe; dadurch macht er sie groß. Maria singt im Magnifikat: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ (Lk 1,52). Die Herren und Großen, die Mächtigen und Erhabenen müssen sich erniedrigen und klein werden, um Gott zu erkennen.

Hunger darf um Gottes willen nicht sein

Gott macht sich in Betlehem auch den Armen und Hungernden gleich und lässt sich von den Hirten mit Milch und Wolle für das Lebensnotwendige beschenken. Dadurch fordert er uns auf, Gerechtigkeit der Milliarde Menschen, denen heute das tägliche Brot fehlt, zuteil werden zu lassen. Hunger darf um Gottes willen nicht sein! Maria singt: „Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen“ (Lk 1,53). An Weihnachten beginnt die Gerechtigkeit Gottes den Lauf durch die Geschichte. Gott hat einen unwiderruflichen Anfang gemacht, er ist Mensch geworden, Gott mitten unter uns und Immanuel, Gott mit uns; ER weicht nicht mehr zurück, sein Ja ist ein Ja und nicht ein Ja und Nein zugleich; der Retter aller Menschen geht vorwärts, der Vollendung der Welt entgegen.

An Weihnachten kommt auch die Freude Gottes in die Welt. Den Hirten verkünden die Engel „eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll“ (Lk 2,10). Der Messias, der Erlöser und Retter der Menschheit, ist geboren. Allen Menschen auf der ganzen Erde soll diese Freude zuteil werden. Wie Maria soll die ganze Welt singen: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“ (Lk 1,46 f). Durch die Verkündigung der Frohen Botschaft soll die Freude zu allen Völkern gelangen. Alle Menschen sollen wissen, dass sie geliebte Kinder Gottes sind. In dieser Welt müssen sie zwar die Schwierigkeiten des Lebens und auch den Tod erleiden. Ihr Platz im Himmel ist aber schon bereitet. Wenn sie Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst, werden sie ihn auch erreichen.

Mit Jesus Christus kommt schließlich auch der Friede Gottes zu den Menschen auf die Erde. Die himmlischen Heerscharen verkünden: „… auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14). Der Friede Gottes kommt auf die Erde, wenn wir das Gute tun. Der Verfasser des Hebräerbriefes bittet daher: „Der Gott des Friedens aber, … mache euch tüchtig in allem Guten“ (Hebr 13,20 f.). In der Bergpredigt des Matthäusevangeliums heißt es: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden“ (Mt 5,9).

Weihnachten darf nicht verkommen

Weihnachten ist also kein romantisches Fest mit einlullender Musik, Weihnachtsbaum und Urlaub, Essen und Trinken bis zum Gehtnichtmehr, mit „ausgeglichenem“ Geschenketausch, Lametta und Lichterglitter auf allen Straßen und Plätzen, sondern Geburt des Messias, des Gesandten Gottes, der das Gottesreich bringt.

Weihnachten und Advent dürfen deshalb nicht im Kaufen und Vorbereiten, nicht in Advents- und Weihnachtsfeiern, nicht im Stress und in der Hektik verkommen. So wird Weihnachten vertan! Weihnachten muss bedeuten: Freudig zu feiern, dass mit der Geburt Jesu in Betlehem Gerechtigkeit, Friede und Freude auf die Welt gekommen sind. Sie sind aber nicht als fertige und verbrauchbare Ware angekommen, sondern als Samenkörner, die wir Menschen säen, entwickeln, zur Reife bringen und dann ernten sollen. Weihnachten fordert, sich aufzumachen und Frucht zu bringen für Gerechtigkeit, Friede und Freude; Weihnachten bedeutet, sich an Jesus Christus zu „binden“ und ihm allein zu leben, wie wir im Weihnachtslied „Zu Betlehem geboren“ singen (GL 140), um mit ihm Seinem Reich die Wege zu bereiten.

Weihnachten – konkret

Weihnachten lädt ein und verpflichtet ganz konkret Ungerechtigkeit in der eigenen Familie und am Arbeitsplatz, im privaten und öffentlichen Leben, abzubauen. Weihnachten verbietet Macho-Verhalten und Mobbing, Ausgrenzung von Schwächeren und Rücksichtslosigkeit um der eigenen Vorteile willen. Weihnachten fordert, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen, mitzuhelfen, das Nord-Süd-Gefälle abzubauen und die Entwicklungsländer zu unterstützen. Wenn mehr Gerechtigkeit wird, hier bei uns und weltweit, dann ist Weihnachten geworden.

Weihnachten fordert Frieden zu machen mit den eigenen Angehörigen, Arbeitskolleginnen und -kollegen, den Nachbarn und jedem Mitmenschen. Weihnachten verlangt, sich für den Frieden weltweit einzusetzen. Weihnachten ächtet jeden Krieg und alle Waffen, vor allem die, die für unschuldige Menschen besonders gefährlich sind, zum Beispiel Streubomben und Landminen, chemische Waffen und Atombomben. Weihnachten verlangt von jedem, wie es ihm möglich ist, sich politisch für sozialen Frieden durch Integration und Verträge unter den Völkern stark zu machen. Weih-nachten bedeutet, für den Frieden hier und weltweit zu beten.

Weihnachten will den Senioren und alten Menschen Freude nach Hause und ins Heim bringen, den Kranken Besuche, den Behinderten Inklusion. Weihnachten ist eine heilige Zeit, wenn sie Heil bringt.

Weihnachten ist Fest des Messias Gottes, der Sein Reich aufrichten will mit uns. So hat Weihnachten 2011 Sinn und so wird Weihnachten richtig gefeiert.

Weihnachten – Aufbruch für eine neue Welt

Der Schweizer Dichterpfarrer Kurt Marti hat in einem Gedicht folgende Zeilen geschrieben: „Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn hier auf Erden alles so bliebe, wenn hier die Herrschaft der Herren, wenn hier die Knechtschaft der Knechte so weiterginge wie immer“. Aber Gott lässt es nicht zu. Er hat mit der Geburt seines Sohnes begonnen, Recht den Rechtlosen zu schaffen und die Herren, die unterdrücken, vom Thron zu stürzen. Die, die sich für groß halten, die Christus keine Chance geben und ihr eigener Erlöser sein wollen, werden scheitern. Das Himmelreich hat seinen Lauf begonnen und wird vollendet werden.

Wer Weihnachten begriffen hat, der wird sich für unser Gemeinwohl und unsere Zukunft, für Gerechtigkeit und Frieden auf Erden einsetzen, der wird seine Begabungen für die Gesellschaft einbringen und seine Verantwortung für die Menschheit ernst nehmen.

Gott ist es nicht egal, was wir Menschen tun und lassen und wie es der Menschheit geht. Was nutzt ein Gott, der sich nicht darum schert, wie wir uns verhalten, wie wir unsere Talente für andere einbringen, wie wir unser Hier und Heute, unser Morgen und Übermorgen mit gestalten? Wir haben keinen Laisser-faire-Gott, der alles zulässt, der nur lieb ist und nicht auch einmal sagt: „So nicht, weil es dir so nicht gut tut und weil du dadurch für die anderen nicht zum Heil, sondern zum Unheil wirst.“ Im Menschen Jesus hat Gott gezeigt, was er von uns will.

Menschlich gesehen ist es doch das Schlimmste zu erfahren: Ich bin dem anderen egal, für ihn bin ich Luft; ich kann machen, was ich will, es ist ihm gleichgültig. Wir wollen doch wahrgenommen und auch gefordert werden! Der Gott und Vater Jesu Christi fordert uns zu unserem Wohlergehen und Heil!

Weihnachten – Geburt Christi in uns

Unser Gott ist ein Gott des Lebens und wirkt in unserem Leben und in unserer Geschichte mit, weil er uns zum Himmel führen will. Dafür müssen wir unseren Beitrag leisten. Der Dichter Angelus Silesius (1624-1677) schreibt: „Und wäre Christus tausendmal zu Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du wärest ewiglich verloren.“ Weihnachten will in mir anfangen, mich mit Hoffnung und Liebe erfüllen, will in mir und jedem geboren werden, um uns zu Mitarbeitern Jesu für Sein Reich zu machen.

„Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“, heißt es im Prolog des Johannesevangeliums
(Joh 1,12).

Liebe Leserinnen und Leser des Heinrichsblattes!

Das wünsche ich Ihnen an diesem Weihnachtsfest, dass Sie neu beginnen, Gott aufzunehmen, Kind Gottes, Schwestern und Brüder Jesu Christi zu werden. Dann können Sie an seinem Reich auch „mitbauen“.

Jesus, der menschgewordene Gott, zeigt uns, wie wir unser Leben leben sollen. „Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst“, darin besteht das wahre Leben! Die Liebe zu Gott macht froh und frei, schenkt Geborgenheit und Zuversicht, die Liebe zu den Mitmenschen schafft tragfähige Gemeinschaft und sichert das Gemeinwohl.

Weihnachten ist das Fest der Menschwerdung im doppelten Sinn: Gott wird Mensch, Menschwerdung Gottes, und wir werden Menschen nach Gottes Plan, Menschwerdung der Menschen! Wenn wir zu Jesus kommen und mit ihm leben, werden wir Menschen, wie Gott sie haben will und braucht. Mit der Geburt Jesu in Betlehem geschieht ein „wunderbarer Tausch“, wie es in einer Weihnachtspräfation heißt: Gott „wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben“. Feiern Sie Weihnachten mit Sinn und Verstand! So werden die kommenden Tage wieder ein gesegnetes Fest für Sie sein, das Ihnen zu Herzen geht, ihr Leben und das der ganzen Menschheit bereichert.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr.

Ihr Erzbischof
Dr. Ludwig Schick

Datum: 20.12.2011
Autor: Andreas Kuschbert

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