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Donnerstag 17.04.2014, 00:16 Uhr
(c) 2014 Heinrichsblatt

Der Bamberger Dom – seit 1000 Jahren Wegweiser „dem Himmel entgegen“
Was uns der Dom zu sagen hat (3. Teil)

Der Heilige Geist ist das Lebensprinzip oder die Seele jedes einzelnen Christen und der ganzen Kirche. In der Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils heißt es: „Damit wir (Christen) aber in ihm (Jesus Christus) unablässig erneuert werden (vgl. Eph 4,23), gab er uns von seinem Geist, der als der eine und gleiche im Haupt und in den Gliedern wohnt und den ganzen Leib so lebendig macht, eint und bewegt“ (LG 7). Ohne den Heiligen Geist geht nichts im Christsein und in der Kirche. Mit dem Heiligen Geist gelingt dagegen alles: Das Beten, die Gottesdienste, die Evangelisation oder Weitergabe des Glaubens im schulischen Religionsunterricht und in der Sakramentenkatechese, die Predigt und Seelsorge, auch der Gebrauch der modernen Kommunikationsmittel. Ebenso wird in der Caritas ohne den Heiligen Geist nichts Rechtes zustande gebracht: Nicht beim Trösten der Traurigen, beim Pflegen und Heilen der Kranken, bei der Stärkung der Schwachen, im Beistand der Sterbenden. Der Heilige Geist lehrt die „Geister der Zeit“ zu unterscheiden und bewahrt davor, dem „Zeitgeist“ zu verfallen, er schenkt Orientierung im Leben und Tun. Um den Heiligen Geist kann man nicht genug beten.

Weil der Heilige Geist so wichtig ist, wird er, besonders in den Barockkirchen, sehr häufig dargestellt. Über der Kanzel schwebt zum Beispiel oft eine Taube, von der Feuerstrahlen oder –zungen ausgehen. Das will sagen: Der Heilige Geist erinnert durch die Predigt an alles, was Jesus getan und gelehrt hat, damit die Christen glauben und lieben wie er. In vielen Kirchen gibt es auch ein sogenanntes „Heilig-Geist-Loch“ im Deckengewölbe, meist im Chor über dem Altar, aus dem an Pfingsten früher eine lebendige Taube in die Kirche gelassen wurde. Das Heilig-Geist-Loch soll darauf hinweisen, dass die Sakramente, besonders die Eucharistie, nur mit dem Heiligen Geist gefeiert werden können. Nur in der Kraft des Heiligen Geistes kann der Priester Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandeln oder in der Beichte die Sünden vergeben.

Im Bamberger Dom gibt es davon nichts, man findet keine einzige Heilig-Geist-Darstellung. Nur das ‚Taufe-Jesu-Relief’ am jetzigen Zelebrationsaltar, den der Künstler Klaus Backmund bei der letzten Renovierung von 1969 bis 1974 geschaffen hat, und das „Rosenkranzbild“ des Sakramentsaltars, um 1615/1620 gemalt, zeigt den Heiligen Geist in Form einer Taube. Aber gerade indem unser Dom keine eigene Heilig-Geist-Darstellung enthält, macht er auf den Heiligen Geist als Seele des christlichen Lebens und der Kirche aufmerksam.

Wenn man im Mittelschiff, vom Kaisergrab her den Blick langsam nach vorne und nach oben zum Westchor mit den gotischen Pfeilern schweifen lässt, die das Deckengewölbe über dem „Glesker-Altar“ tragen und die sich gleichsam in der Höhe verlieren, kann man den Heiligen Geist und sein Wirken spüren. Mit dem Blick nach vorne und nach oben hebt sich das Herz und die Seele empor, „dem Himmel entgegen“, wie das Motto des Domjubiläums 2012 lautet.

Ich spüre das immer wieder, wenn ich mich still in eine der letzten Bänke im Dom setze. Das Mittelschiff, eingerahmt von den beiden Chören hinten und vorne und den Säulen an der Seite, wirkt wie ein schützender und bergender Mutterschoß, der Ruhe und Geborgenheit gibt. Wenn ich dann, besonders an hellen, sonnigen Tagen, den Blick nach vorne und nach oben schweifen lasse, spüre ich, wie auch die Seele nach oben gezogen wird; mein ganzes Inneres wird „heller“, wenn ich das Licht wahrnehme, das erst durch die Rosetten des Querschiffs und dann durch die Fenster in der Westapsis den Dom nach vorne hin erhellt. Das ist der Heilige Geist und sein Wirken: Er zieht nach oben und erfüllt mit Licht.

Der Dom mit seiner gotischen Architektur sagt uns, dass der Geist Gottes da ist und „lebendig macht“, wie wir im Credo beten. Der Heilige Geist, über den man nicht genug in der Kirche sprechen kann, und von dem wir nie genug haben können, zieht uns empor in vielerlei Hinsicht. Er zieht uns empor aus der Finsternis des Unglaubens ins helle Licht des Gottvertrauens und der Hoffnung; er zieht uns empor aus Schuld, Versagen und Sünde zu Vergebung und Neubeginn. Der Heilige Geist zieht uns empor aus unseren Versuchungen zum Bösen zu einem heiligen Leben; er zieht uns empor aus Egoismus zum Wohlwollen, aus Isolation zur Gemeinschaft; er zieht uns empor aus dem Tod zum ewigen Leben. Die Innenarchitektur unseres Domes sagt uns, dass wir im Heiligen Geist Gott Abba, guter Vater, nennen können. Er beschenkt uns mit den Gaben: „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22 f.). Und er mahnt uns: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!“ (Kol 3,2). Der Heilige Geist lässt uns „dem Himmel entgegen“ leben.

Datum: 16.01.2012
Autor: Erzbischof Dr. Ludwig Schick

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