http://www.eo-bamberg.de/eob/dcms/sites/bistum/medien/heinrichsblatt/aktuell/
domserie.html
Dienstag 23.09.2014, 00:17 Uhr
(c) 2014 Heinrichsblatt

Der Bamberger Dom – seit 1000 Jahren Wegweiser „dem Himmel entgegen“
Der Bamberger Dom - Haupt und Mutter aller Kirchen im Erzbistum

Nicht nur von der Lateranbasilika in Rom kann gesagt werden, dass sie „Haupt- und Mutter aller Kirchen“ ist. Auch jede Kathedrale einer Diözese ist zwar nicht Haupt und Mutter aller Kirchen auf dem ganzen Erdkreis, aber des jeweiligen Bistums.

Fast 800 Kirchen und Kapellen existieren im Bereich unserer Erzdiözese Bamberg. Sie sollen alle mit der Bischofskirche und den Gottesdiensten in ihr verbunden sein. In der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils heißt es: „Daher sollen alle das liturgische Leben des Bistums, in dessen Mittelpunkt der Bischof steht, besonders in der Kathedralkirche, aufs höchste wertschätzen“ (Nr. 41). Der Dom soll die erste und wichtigste Kirche sein, eben Haupt und Mutter aller anderen Kirchen. Das bedeutet vor allem, dass das, was über den Dom gesagt wird, auch in veränderter Weise für alle Kirchen und Kapellen in unserem ganzen Bistum gilt. Die Bistumskirche soll in der Liturgie und in der Verkündigung Vorbild für alle Kirchen sein.

Zu ihren Kirchengebäuden haben die Christen eine „zwiespältige“ Auffassung. Auf der einen Seite wissen sie, dass sie eigentlich keine Kirchen brauchen, um Gott zu begegnen. Für das Judentum war und ist der Tempel in Jerusalem „heilsnotwendig“. Im Tempel ist der Name Jahwe gegenwärtig. Jeder Jude muss mit dem Tempel in Beziehung stehen. In einem Psalm heißt es deshalb: „Von Zion wird man sagen: Jeder ist dort geboren“ (Ps 87,5). Mit anderen Worten: Selbst wenn ein Jude nicht zum Tempel in Jerusalem ging, bzw. geht, muss er mit ihm dennoch eine quasi virtuelle Beziehung haben, um im Heil zu sein. Dagegen sagt Jesus zu der Frau am Brunnen in Samarien: ‚Es werden Tage kommen, an denen man weder im Tempel in Jerusalem noch auf dem Garazim anbetet, sondern im Geist und in der Wahrheit’ (vgl. Joh 4,23). Der Tempel wird zerstört und in drei Tagen wieder aufgebaut werden, so sagt Jesus. „Er aber meinte den Tempel seines Leibes“, fügt der Evangelist Johannes hinzu (Joh 2,21). Das zeigt, dass im Christentum weder der Tempel noch andere Kirchen(gebäude) Heilsbedeutung haben. Einzig und allein Jesus Christus schenkt das Heil. In der Anbetung „im Geist und in der Wahrheit“ hat der Christ Beziehung zu Gott durch Jesus Christus!

Und doch haben die Christen von Anfang an Gotteshäuser oder Kirchen gebaut, sogar wunderschöne und prächtige. Das widerspricht nicht der Lehre Jesu, dass Christen keine Gebäude brauchen, um das Heil Gottes zu erlangen. Die Kirchen haben für die Christen keine „Heilsbedeutung“, aber funktionale. Mit anderen Worten: Für die Christen hängt das Heil vom Glauben ab und von den Beziehungen zu Jesus Christus. Die Kirchen sind dennoch wichtig, weil sie den Glauben entzünden und befördern, sie sind Orte der Vertiefung und der Feier des Glaubens. Deshalb müssen die Kirchen an sich, ihre Architektur und alle „Gegenstände“ in ihnen, auf die funktionale Bedeutung für den Glauben hin betrachtet werden. Zusammenfassend kann man sagen, die Christen messen ihren Kirchen keine Heilsbedeutung zu, aber Funktionen für das Heil, das allein von Jesus Christus kommt.

Kirchen sollen heilige Räume sein, die der Gottesdienst feiernden Gemeinde, dem einzelnen Beter und auch gegebenenfalls den Touristen helfen, zu einer persönlichen Beziehung zu Christus zu finden. Um diese Aufgabe zu erfüllen, haben die Christen zu allen Zeiten Kirchen gebaut, sie geschmückt und „schön“ gemacht, damit der Glaube attraktiv wird und den Menschen die Schönheit des Christseins aufgeht.

Datum: 27.12.2011
Autor: Erzbischof Dr. Ludwig Schick

http://www.eo-bamberg.de/eob/dcms/sites/bistum/medien/heinrichsblatt/aktuell/
domserie.html
Dienstag 23.09.2014, 00:17 Uhr
(c) 2014 Heinrichsblatt