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Sonntag 23.11.2014, 11:52 Uhr
(c) 2014 Heinrichsblatt

Premiere im Fürther Eine-Welt-Laden
Freiwilliges Soziales Jahr mal anders
Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Eine-Welt-Laden. Das hat es im Erzbistum Bamberg bisher noch nicht gegeben.
Sebastian Wipperfürth hat das Pilotprojekt in Fürth gewagt. Nach dem ersten halben Jahr zieht er eine positive Bilanz.
Das Beste ist die Vielfalt“, sagt der 20-Jährige über seinen Job. Seine Arbeit beschränkt sich längst nicht auf das Verkaufen von fair gehandeltem Kaffee im Laden in der Fürther Königstraße. Genauso wichtig ist die Bildungsarbeit, deswegen ist Sebastian Wipperfürth auch viel an Schulen unterwegs.

„Das Konzept ist genau auf Sebastian zugeschnitten“, sagt Andreas Schneider, der Vorsitzende des Trägervereins und Geschäftsführer des Ladens. Er hatte sich schnell von Sebastians Idee begeistern lassen, eine FSJ-Stelle im Eine-Welt-Laden einzurichten. „Das ist sozusagen ein Pilotprojekt“, sagt Schneider, der außerdem als Projektreferent für den Fairen Handel im Erzbistum arbeitet. Sollte sich die Finanzierung sichern lassen, könne allerdings durchaus eine dauerhafte Einrichtung daraus werden. Sebastian ist die erste bezahlte Kraft im Fürther Eine-Welt-Laden, zudem engagieren sich rund 40 Ehrenamtliche. „Er sollte das Ehrenamt aber nicht ersetzen“, betont Schneider.

Der Vorschlag, ein Freiwilliges Soziales Jahr im Fairen Handel abzuleisten, kam von Sebastian Wipperfürth selbst. Zur Bundeswehr wollte der junge Mann nicht und als Zivildienstleistender hätte er keinen Bereich gefunden, der ihn derart interessiert hätte. Nachdem das Gesetz seit einigen Jahren ein Freiwilliges Soziales Jahr anstelle des Zivildienstes erlaubt – wenn auch in zwölf anstatt in neun Monaten – entschied er sich für diese Variante. Zudem er sich schon als Schüler für den Fairen Handel engagiert hatte und auch noch familiär vorbelastet ist, denn  seine Mutter arbeitet ebenfalls in diesem Bereich. „Ich weiß gar nicht mehr genau, wie die Idee entstanden ist“, sagt er heute. Irgendwann war sie da und als sich Andreas Schneider damit an Doris Schaufler, FSJ-Referentin beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Bamberg wandte, stieß er schnell auf Interesse. „Sie war sogar froh über dieses neue Profil des FSJ“, sagt Schneider. Außerdem steige die Nachfrage nach Stellen für ein Freiwilliges Soziales Jahr, so dass der BDKJ froh über jeden neuen Anbieter sei.

Zusammen mit den rund 40 anderen FSJ-lern, die derzeit im Erzbistum Dienst tun, nimmt Sebastian auch an den fünf einwöchigen Seminaren teil, die das Jahr begleiten. „Manche beneiden mich schon ein bisschen“, vermutet der hochgewachsene  20-Jährige.

Er ist von seiner Stelle begeistert. Da ist zum einen die Arbeit im Laden, in dem sich Sebastians Anwesenheit laut Andreas Schneider schnell deutlich bemerkbar gemacht hat. „Das sind so kleine Dinge: Auf einmal ist das Schaufenster immer top dekoriert“, sagt er. Die kaufmännische Seite des Ladens gehört ebenso zu den Aufgaben des FSJ-lers wie eine ansprechende Präsentation der Waren und der Verkauf. Eine neue Kaffeesorte hat das Fürther Laden-Team auch schon kreiert: Den „Kaffee fairfürth“. In der entsprechenden Mundart ausgesprochen, klingt das nach einer besonderen lokalen Spezialität.

Der zweite Bereich, der den beiden fast noch mehr am Herzen liegt, ist die Bildungsarbeit. So verbringt Sebastian auch nach seinem Abitur wieder viel Zeit in den Fürther Schulen, um dort das Interesse am Fairen Handel zu stärken. Eine Möglichkeit sind sogenannte Schülerfirmen. Dabei lernen die Schüler etwa mit fair gehandelten Produkten unternehmerisches Handeln.  

Dass Sebastian Wipperfürth und Andreas Schneider mit ihrem Engagement für den Fairen Handel richtig liegen, zeigen die Verkaufszahlen. 20 bis 30 Prozent Zuwachs verzeichnet der Fürther Eine-Welt-Laden pro Jahr. Das alternative Öko-Image hat der Faire Handel längst abgestreift, Qualität und eine ansprechende Vermarktung sind gefragt. Zu den Kunden des Fürther Ladens gehören beispielsweise Kantinen, Gaststätten und Schulen und derartige Großabnehmer fordern Professionalität.

Nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr will Sebastian Wipperfürth in Krefeld Kulturpädagogik studieren – und dabei von den Kompetenzen profitieren, die er sich in dem Jahr angeeignet hat. Bis dahin arbeitet er mit Andreas Schneider weiter an ihrem großen gemeinsamen Ziel: Fürth zur Stadt des Fairen Handels zu machen.


INFO

Wenn auch andere Eine-Welt-Läden ein FSJ anbieten wollen, gibt Andreas Schneider gerne Informationen unter 
Telefon 09 51 / 2 99 96 63 oder 09 11 / 9 77 28 73 oder per E-Mail: ewl-fuerth@grenzgaenge.org. 

Datum: 26.03.2006
Autor: Katja Auer

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