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Donnerstag 18.12.2014, 22:39 Uhr
(c) 2014 Jahr der Bibel 2003 - EB

Stolpersteine

Drogen gegen die Not?

Gebt berauschenden Trank dem, der zusammenbricht, und Wein denen, die im Herzen verbittert sind. Ein solcher möge trinken und seine Armut vergessen und nicht mehr an seine Mühsal denken. (Spr 31, 6-7)

Haste ma' ne Mark? Oder Euro, oder wie immer die Währung heißt. Wer wurde nicht schon so in Fußgängerzonen der Städte angehauen. Und wer kennt nicht das Gegenargument: "Ich gebe nichts. Ich würde den Leuten ja was zu essen kaufen, aber wenn ich Geld gebe, dann vertrinken sie es bloß. Das kann ich nicht unterstützen." Und stimmt es nicht? Alkoholisiert kommen solche Leute nie auf die Beine. Merkwürdigerweise gibt es in der Bibel durchaus eine andere Sicht. "Den Armen aber gib Wein zu trinken, damit sie ihr Unglück vergessen" (Spr 31,6). Diesen Rat gibt eine fremde "Queen Mum" ihrem Sohn, einem König Lemuel.

Wo dieser König Lemuel regiert, bleibt unbekannt. Man vermutet, dass die Weisheit aus Spr 31,1-9 in einem der Nachbarstaaten Israels zuhause ist. Etwa im 4. oder 3. Jh. v. Chr. fanden diese Verse Eingang in das Buch der Sprüche. Man muss nun kein Blaukreuzler sein, um sich über eine solche "Weisheit" zu wundem. Den Armen Wein geben, damit sie ihr Unglück vergessen? Ist das nicht Vertröstung pur statt Hilfe und Unterstützung?

Man muss die Verse davor mitlesen, um zu erkennen, dass es hier eigentlich um Königsweisheit geht. Wie muss sich ein König verhalten zum Wohl seines Volkes? Denn Recht schaffen kann in einer hierarchisch aufgebauten Gesellschaft nur der König - und deshalb wird ihm der Wein verboten, damit er das Recht nicht vergisst. Die Armen aber, das sind die Menschen auf dem Land, die Mehrheit der Bevölkerung.

Das Leben auf dem Land ist hart und bedroht: Missernten kann es immer geben und von Ackerbau und Kleinviehzucht wird man in Palästina nicht reich. Dazu kommen die Steuern, nicht nur für den eigenen König, sondern auch noch für die jeweils herrschende Großmacht, seien es die Babylonier, die Perser oder die Griechen. Der Landbevölkerung also, diesen Armen soll der König Recht schaffen. Wo er aber selbst nur Vasall ist und das nicht schafft, da ist das Sprüchebuch nachsichtig: da soll der König wenigstens für Wein sorgen, damit den Armen das Leben leichter wird.

Ulrike Bechmann, Dr. theol. (AT) und M.A. (Islamwissenschaften),
Wissenschaftliche Assistentin an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth

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