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Mittwoch 23.07.2014, 09:48 Uhr
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Stolpersteine

Teil 3:
Spricht die "Menschensohnvision" Daniels von Jesus?

Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu den Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter.
(Dan 7, 13-14)

Eine der eindrücklichsten Visionen, die uns das Buch Daniel schildert, ist die Vision des Menschensohns. Das Volk der Juden befand sich in einer sehr schlimmen Lage - es war wohl die Zeit der Verfolgung durch Alexander IV. Epiphanes (175-164 v. Chr.).

Die Geschichte Gottes mit seinem Volk schien zu Ende zu gehen. Und doch gab der Seher Daniel seine Hoffnung nicht auf. Was seine Glaubensbrüder und -schwestern bereits alles erlebt hatten, erschien ihm in Gestalt von vier schrecklichen Tieren, die eines nach dem anderen aus dem Meer, dem Ort des Unheils gekommen waren: ein Löwe, ein Bär, ein Panther; das 4. Tier war so schrecklich, dass es mit nichts mehr verglichen werden konnte.

Die vier Tiere waren Sinnbilder der menschenverachtenden Regime, unter denen die Frommen zu leiden hatten: das babylonische, das medische, das persische Reich und das des Alexanders d. Gr. Im weiteren Verlauf der Vision sollte Gott über diese Reiche Gericht halten. Denn wenn Gott zu seinem Wort steht - und darüber durfte es keinen Zweifel geben - dann wird er diese Reiche überwinden und so sein Volk erretten.

Im nächsten Akt sah Daniel in seiner Vision eine lichte Gestalt vom Himmel her kommen wie ein Menschensohn. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben; alle Völker, Nationen und Sprachen sollten ihm dienen... (vgl. Dan 7,13-14)

So viel dürfte klar sein: So wie die vier Tiere vier Reiche versinnbildlichten, so geht es auch bei ihrem Gegenüber, dem Menschensohn, zuerst einmal um ein Reich, um einen im Unterschied zu den großen Tieren aus dem dunklen Meer - lichten, menschlichen Umgang der Menschen miteinander. Der Menschensohn also als Zeichen für die Treue Gottes, der das Dunkle und Menschenverachtende überwinden und dem Hellen, der Menschenwürde zum Sieg verhelfen wird.

Als fast 200 Jahrespäter Jesus in Galiläa auftrat, erinnerten sich seine Jüngerinnen und Jünger an Daniels Vision. Sie sahen in Jesus jenen Menschensohn, der inmitten einer Welt von Gewalt und Hass ein ganz anderes "Regime", nämlich das Reich Gottes ankündigte und praktizierte.

Hermann-Josef Venetz, Professor für Neues Testament an der Universität Freiburg (Schweiz)

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