http://www.eo-bamberg.de/eob/dcms/sites/bistum/erzbistum/offizialat/institution/
4.html
Samstag 01.11.2014, 04:58 Uhr
(c) 2014 Offizialat des Erzbistums Bamberg

Wertung und Perspektiven

Wie im vorausgehenden aufgezeigt, hat das Bamberger Metropolitangericht fast 150 Jahre lang die Rechtsprechung in dritter Instanz aufgrund zeitlich gegebener, päpstlicher Delegation ausgeübt. Mag dies auch keine Gewohnheit im Sinne des Gewohnheitsrechtes begründen, weil von Zeit zu Zeit die Delegation jeweils erneuert wurde, so darf jedoch nicht die weit bedeutsamere Tatsache übersehen werden, dass über diesen langen Zeitraum hinweg die Notwendigkeit erkannt wurde, einem bestimmten örtlichen Gericht für eine stets zu verlängernde Zeitspanne die dritte Instanz zu übertragen.

Selbst der neue Codex lässt die Möglichkeit für zeitlich befristete Delegationen offen. Durch die jeweilige Delegation kommt hinreichend zum Ausdruck, dass die vom Gesetzbuch vorgeschriebene Kompetenz des höchsten kirchlichen Gerichts gewahrt bleibt, indem die Beauftragung jeweils neu erteilt werden muss und beim Vorliegen schwerwiegender Gründe gegebenenfalls widerrufen werden könnte.

Unbestreitbar bringt die seit 1984 eingerührte Vorgehensweise, die sich auf die jetzt geltende Norm des CIC beruft, eine Reihe von Nachteilen für die betroffenen Gläubigen mit sich. Schon allein das Erfordernis, für jeden Einzelfall eine Dispens zu beantragen, bringt eine Verzögerung des Prozesses mit sich, wobei es immer ungewiss ist, ob die erbetene Gewährung der Delegation auch tatsächlich erfolgt. Man kann den Unmut derer verstehen, die seit langem auf die Entscheidung der Kirche drängen und warten; handelt es sich dabei doch meist um solche Gläubige, denen die Verbindung zur Kirche ein Herzensanliegen ist.

Ziel muss es sein, eine Lösung zu finden, die sowohl der Gesetzeslage als auch dem Wohl der Gläubigen gerecht wird. Gerade mit Blick auf die bewährte und nahezu ununterbrochene Geschichte des Metropolitangerichts Bamberg als päpstlich delegiertes Gericht dritter Instanz in Ehesachen liegt es nicht fern, an die dort geübte Praxis anzuknüpfen.

Helmut Kittel

Zur Person des Verfassers

Geboren im Jahre 1926 in Oppeln (Oberschlesien). Nach Militärdienst und Kriegsgefangenschaft Aufnahme des Studiums an der Phil.-Theol. Hochschule in Bamberg, Priesterweihe im Jahre 1952. Nach mehreren Jahren praktischer Seelsorgearbeit erfolgte im Jahre 1957 die Beurlaubung zum Studium des Kirchen-rechts an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, wo er 1961 das Doktorat im kanonischen Recht erwarb. Im gleichen Jahre zum Domvikar und Prosynodalrichter des Erzbischöflichen Offizialates ernannt, erfolgte 1962 seine Berufung zum Vizeoffizial und 1967 zum Erzbischöflichen Offizial des Metropolitangerichts Bamberg. 1974 zum Domkapitular gewählt und 1982 zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt, war er seit dem gleichen Jahr auch Ehrendomherr der Diözese Szczecin-Kamien (Polen) und seit 1983 auch Dekan des Metropolitankapitels Bamberg. Dr. Kittel starb am 8. Dezember 1995.

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