http://www.eo-bamberg.de/eob/dcms/sites/bistum/erzbistum/erzbischof/hirtenbriefe
.html
Samstag 20.12.2014, 01:07 Uhr
(c) 2014 Erzbistum Bamberg

 Text
25.02.07: Wort an die Pfarrgemeinden des Erzbistums Bamberg zum Beginn der Fastenzeit 2007
„Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau beiträgt“

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Friede sei mit Euch

Am Mittwoch haben wir die Fastenzeit begonnen. Wie in den vergangenen Jahren möchte ich Ihnen auch heute wieder einen Aspekt der österlichen Bußzeit besonders ans Herz legen. Ich lade Sie ein, über das Thema „Versöhnung und Friede“ nachzudenken.

Versöhnung und Friede sind wichtige Anliegen Jesu; in der Fastenzeit sollen wir sie empfangen und einüben.

Versöhnung und Friede sind Gaben Gottes, die Jesus allen Menschen schenken will. „Er kam und verkündete den Frieden“ (Eph 2,17), heißt es im Epheserbrief. Die Christen sollen Menschen des Friedens sein. „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“ (Joh 14,27), verspricht Jesus.

Diesen Frieden zu allen Menschen zu bringen, ist eine vorrangige Aufgabe der Christen und der Kirche; Jesus sendet die Jünger und trägt ihnen auf: „Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes ‚Friede diesem Haus’“ (Lk 10,5). Die Bergpredigt bekundet: „Selig die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden“ (Mt 5,9). Der Gruß und Wunsch „Der Friede sei mit Euch“ ist ein Wesensbestandteil des Dienstes der Kirche in der Welt.

Versöhnung und Friede dürfen uns nicht abhanden kommen

Es ist derzeit sehr wichtig, sich über Versöhnung und Friede Gedanken zu machen. Wir sind in Gefahr, das Klima des Friedens und die Atmosphäre der Versöhnung zu verlieren. Wir leben in einer Zeit, in der Gewalttätigkeiten, Bürgerkriege und Terrorismus sich erschreckend ausbreiten. Im Irak, in Afghanistan, in Israel, im Sudan, in Indonesien und vielen anderen Staaten sterben täglich viele Menschen durch Bomben, Raketen und andere Waffen. Krieg und Terror zerstören Felder und Wald und vergeuden sinnlos wichtige Rohstoffe. Sie sind Hauptursache für Hunger und Krankheiten und hemmen erheblich den Fortschritt in den Entwicklungsländern. Auch die zunehmende Zahl der Kindersoldaten ist eine Folge des wachsenden Unfriedens.

Aber auch in Deutschland nimmt die Gewalt in den Familien, am Arbeitsplatz, im öffentlichen und privaten Leben zu. Täglich berichten die Medien von Gewaltakten, besonders gegen Frauen, wehrlose Kinder und alte Menschen. In den Schulen, auf den Straßen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln erpressen, quälen und töten sogar Jugendliche ihre Altersgenossen und Erwachsene. Die Gewalttätigkeiten in den Fußballstadien, die uns derzeit sehr beschäftigen, machen die Gewaltbereitschaft deutlich. Wir erleben, dass Versöhnung und Friede in unserer Welt immer mehr abnehmen – Versöhnung und Friede, die die Basis für jede Entwicklung und gute Zukunft sind – sie dürfen uns nicht abhanden kommen! Wir können und müssen sie zurückgewinnen.

Versöhnung und Friede wollen gelernt werden

„Achte auf den Frommen und schau auf den Redlichen! Denn Zukunft hat der Mann des Friedens“ (Ps 37,37), heißt es in einem Psalm.

Versöhnung und Friede fallen nicht vom Himmel. Sie müssen gelernt werden. Die Christinnen und Christen sollen Lehrmeister der Versöhnung und des Friedens sein. Dabei müssen sie bei sich in den Pfarreien, Diözesen und der Weltkirche anfangen. Sie sollen Orte und Lernorte von Versöhnung und Friede sein. Der Auftrag für den Frieden zu wirken, fordert auch zur Ökumene auf. Die versöhnte Christenheit ist fähig zum Dienst am Frieden in der Welt. Die gespaltene Kirche verdunkelt das Zeugnis für die Versöhnung und den Frieden.

Wir Christen, aber auch alle Menschen guten Willens, lernen Versöhnung und Friede vor allem an Jesus Christus. Sein Leben und sein Evangelium, besonders die Bergpredigt, sind „Lehrstücke“ dafür. Jesus selbst lädt uns ein, von ihm zu lernen, wenn er sagt: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29). Schauen wir auf IHN und lernen wir von IHM!

„Der Mensch – Herz des Friedens“

„Der Mensch – Herz des Friedens“, so lautete das Motto des Weltfriedenstages am 1. Januar 2007. Wir können zwar nicht alle Kriege, Terrorakte, Gewalttaten und Streitigkeiten beenden. Aber mehr Versöhnung und Friede ist möglich. Wir können dazu beitragen, wenn jeder Einzelne sein Herz zum Frieden bekehrt und in seinem Umfeld für Versöhnung wirkt. Wie geschieht das? Ich möchte Ihnen zehn Anregungen dazu geben:

1.
Haben wir Respekt und Achtung vor jedermann und ‚jeder Frau’, unabhängig von Hautfarbe, Nationalität, Einstellung, Alter, Gesundheit und Aussehen. „Übertrefft euch in gegenseitiger Achtung“ (Röm 12,10), fordert Paulus. Lassen wir uns immer von der „Goldenen Regel“ leiten: „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg’ auch keinem andern zu“, positiv formuliert: „Alles, was du von anderen erwartest, das tu’ auch ihnen!“ (vgl. Mt 7,12).

2.
Verhindern wir jede Verletzung anderer durch Worte oder Taten. „Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt, und dem, der es hört, Nutzen bringt“ (Eph 4,29), so heißt es im Brief an die Epheser. Durch vieles und unüberlegtes Reden, durch „Stammtischparolen“ und „Anheizen der Gerüchteküche“ wird oft verletzt, Stimmung gemacht und die Atmosphäre des Friedens erheblich gestört. Noch schlimmer ist es, wenn Unwahres oder Halbwahrheiten erzählt und weitergetragen werden. Worte können töten. Sie sollen aber aufbauen, versöhnen und Leben in Frieden schenken!

3.
Versöhnen wir uns jeden Tag durch „Vergeben“ und „Entschuldigen“. „Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen. Gebt dem Teufel keinen Raum“ (Eph 4,26 f.), schreibt der Epheserbrief. Wir alle sind und bleiben trotz unseres guten Willens Menschen. Ohne den „roten Faden“ des Verzeihens, der sich durch unser Leben ziehen muss, und ohne die Atmosphäre des täglichen Vergebens gibt es keinen Frieden. Erinnern wir uns an die Frage des Petrus im Evangelium: „Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?“ Jesus antwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal“ (Mt 18,21 f.).

4.
Gehen wir offen und ohne Vorurteile auf Leute zu, die als Gäste und Neulinge zu uns kommen. „Zu Gast bei Freunden“ war das Motto der Fußball-Weltmeisterschaft im letzten Jahr. Wir haben in Deutschland bewiesen, dass wir gastfreundlich sein können. Das Motto „Zu Gast bei Freunden“ muss täglich bei uns gelten. „Gewährt jederzeit Gastfreundschaft“ (Röm 12,13), schreibt Paulus den Römern. Das Klima der Freundschaft ist in unserer globalen Welt so wichtig; es muss besonders den Fremden, den Armen und Hilfsbedürftigen zugutekommen.

5.
Erziehen wir in Familie, Kindergarten, Schulen und Jugendgruppen unsere Kinder und Jugendlichen zum Frieden. Die Mahnung „vertragt euch“ ist leider aus der Mode gekommen. Wir geben den Kindern und Jugendlichen andere Weisungen mit auf den Weg, zum Beispiel: „Lasst euch nichts gefallen“, oder: „Setzt euch durch“. Ein gesundes Selbstbewusstsein, das Einbringen der eigenen Meinung und der Bedürfnisse sind im Leben des Menschen wichtig. Aber als Ziel muss immer vor Augen bleiben: „Lebt in Frieden“ (2 Kor 13,11), wie es im Zweiten Brief an die Korinther heißt. Schlichten wir Streit! Haben wir Zivilcourage, gegen Gewalttätigkeiten in unserem Umfeld einzuschreiten! Mahnen wir zum Frieden!

6.
Gehen wir verantwortungsvoll mit den Medien um, üben wir Selbstkontrolle und verlangen wir gesetzliche Kontrolle. Nach Zeitungsmeldungen verbringt jeder Deutsche, vor allem Kinder und Jugendliche, circa vier und mehr Stunden am Tag vor dem Fernseher und dem Computer. Sie sind die heimlichen Erzieher von Kindern und Erwachsenen unserer Zeit. Sie beeinflussen uns stärker als wir meinen und zugeben. Die Eltern sollten den Fernseh-, Video- und Internetkonsum ihrer Kinder und der Jugendlichen kontrollieren. Sie dürfen keine Gewaltvideos anschauen und Killerspiele spielen. Die Politiker sind verpflichtet, entsprechende gesetzliche Regelungen zu schaffen. Jede Verherrlichung von Gewalt muss aus den Medien verbannt werden.

7.
Pflegen wir das Gespräch, es ist für den Frieden unabdingbar! Die vor wenigen Tagen erschienene UNICEF-Studie zum Thema „Kinderfreundlichkeit in den Industrie- ten Gesellschaft eine neue „Gesprächskultur“. Die Ausrede: „Ich habe keine Zeit“ sollte, wenn jemand ein Gespräch möchte, zum „Unwort“ erklärt werden. Das Gespräch miteinander ist Keimstätte des Friedens und reduziert von selbst das Gewaltpotenzial.

8.
Versuchen wir auch das politische Handeln mitzubestimmen, Politik muss der Versöhnung und dem Frieden dienen. Es darf keine Waffenexporte aus Europa und den Industrienationen in Kriegsgebiete geben. Krieg und Terror müssen von allen geächtet werden. Strategien für weltweite Gerechtigkeit, für die Bekämpfung des Hungers und der Krankheiten sowie die Überwindung des Analphabetismus, sind international zu fördern. Die Entwicklungshilfe muss erhöht werden. Bei uns sollen alle Jugendlichen Lehrstellen und Arbeitsplätze bekommen. Diese Forderungen kann jeder von uns an unsere Politiker herantragen und die Umsetzung einfordern.

9.
Für das Klima des Friedens unter uns wirkt auch der Humor: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt,“ hat Joachim Ringelnatz geschrieben. Er trägt dazu bei, dass sich keiner selbst zu wichtig nimmt, aber auch nicht die anderen und schon gar nicht die Ereignisse um sich herum. Der Humor holt auf den Boden zurück, macht geduldig und tolerant, lässt sachlich reagieren und hilft, unverkrampft zu lachen.

10.
Das A und O des Friedens ist aber das tägliche Gebet. Es verbindet uns mit unserem „Lehrmeister des Friedens“, mit Jesus Christus, der „unser Friede“ ist (vgl. Eph. 2,14), und erbittet, was wir nicht selber erreichen können.

„Betet ohne Unterlass“ (1 Thess 5,17)

Zum Schluss möchte ich Sie einladen, das Friedensgebet, das dem heiligen Franziskus zugeschrieben wird, zu sprechen. Es findet sich im Gotteslob Nr. 29,6. Beten wir es jetzt und immer wieder:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug des Friedens;

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde,

sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde,

sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde,

sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Liebe Schwestern und Brüder! Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit 2007, die Ihnen mit Ihren Mitmenschen und der ganzen Schöpfung Versöhnung und Friede schenkt und die Sie zum „Werkzeug des Friedens“ macht. Beherzigen Sie die Weisung des heiligen Paulus, die das Leitwort dieser Fastenzeit sein soll: „Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau beiträgt“.

Der Gott des Friedens sei mit Ihnen,

ER segne Sie

+ der Vater, + der Sohn und + der Heilige Geist.

Amen.

Ihr Erzbischof

Dr. Ludwig Schick
Erzbischof von Bamberg

25.02.07: Wort an die Pfarrgemeinden des Erzbistums Bamberg zum Beginn der Fastenzeit 2007 (23 KB)
Eingestellt von
Jürgen Eckert
eckert@erzbistum-bamberg.de
Eingestellt am: 10.03.2009 10:49
  Zurück zur Übersicht

http://www.eo-bamberg.de/eob/dcms/sites/bistum/erzbistum/erzbischof/hirtenbriefe
.html
Samstag 20.12.2014, 01:07 Uhr
(c) 2014 Erzbistum Bamberg