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Donnerstag 24.07.2014, 21:18 Uhr
(c) 2014 Erzbistum Bamberg

Zu Besuch in der Heimat 

Mit der 83-jährigen Ilse Gutberlet verbindet Erzbischof Schick eine jahrzehntelange Freundschaft.

Heimat bedeutet für mich, da sind Menschen, die mich mögen und die ich mag, Menschen, die man gerne und aus freien Stücken heraus trifft." So beschreibt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick den Begriff, der gerade für Menschen wie ihn, die in aller Welt unterwegs sind und für die Mobilität lebensbestimmend ist, so notwendig ist. Schicks Heimat ist Oberhessen, das Örtchen Mardorf, in dem er groß geworden ist, Marburg, dort, wo er geboren und getauft wurde, aber auch Fulda, wo er studiert hat und zum Priester geweiht wurde, und mittlerweile auch Bamberg, die fränkische Bischofsstadt, in der er seit dem 21. September 2002 lebt, der Tag, an dem er in sein Amt als Erzbischof von Bamberg eingeführt worden war.

Die Wurzeln seiner hessischen Herkunft sind tief. „Regelmäßige Kurzmitteilungen via Handy an Freunde, häufige Anrufe und ab und zu Besuche lassen die Kontakte aufrechterhalten.” Wie wichtig dem Bamberger Erzbischof die Verbindung nach Hause ist, das kann man hautnah erleben, wenn man ihn auf eine Reise nördlich von Franken, nach Hessen, begleitet.

Prägende Orte

Die Frage nach wichtigen und prägenden Orten seiner Jahre im Bistum Fulda weiß Schick schnell zu beantworten: die Bischofsstadt Fulda, den Heimatort Mardorf, die Kreisstadt Marburg und den Schulort Amöneburg.

In Fulda hat Schick neben den Kontakten zu früheren Kollegen im Ordinariat und zu vielen Priestern noch gute Verbindungen zum Franziskanerkloster Frauenberg, zum St. Antoniusheim - einer Einrichtung zur Beratung, Begleitung und Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen - und zu Ilse Gutberlet. Die 83-jährige geistig rüstige Dame lebt in einem Seniorenzentrum und freut sich an jedem Sonntagmorgen um 7.30 Uhr auf den Anruf ihres langjährigen treuen Freundes aus Bamberg „Wenn er in Fulda ist, dann kommt er gerne vorbei, worüber ich mich immer sehr freue.” Die Kontakte zu Schick stammen aus einer Zeit, als die 83-Jährige noch Pfarrhaushälterin war. Überhaupt fallen die engen Verbindungen und intensiv gepflegten Freundschaften auf, die der Bamberger Erzbischof zu vieler seiner Landsleute aus dem „katholischen Oberhessen” pflegt Schwester Martha, Mitarbeiterin im Seniorenzentrum, in dem auch die 83-jährige Ilse Gutberlet lebt, kennt Ludwig Schick „seit Kindertagen, aus dem Nachbarort”. Erinnerungen werden ausgetauscht, das Wiedersehen fällt sehr herzlich aus, nur was gesprochen wird, das kann man als Nicht-Hesse nur schwer verstehen. Denn kaum wurden die bayerischen - fränkischen - Landesgrenzen überschritten, verfiel Erzbischof Ludwig Schick zunehmend in seinen Heimatdialekt, der sich für Unkundige wie eine Fremdsprache anhört. „Ja”, bestätigt Schick lachend, „wir sprechen daheim ja auch platt.”

Bonifatiusgruft

Bei einem Besuch in Fulda steht natürlich auch der Dom auf dem Programm. „Die Bonifatiusgruft”, so Schick, „ist für mich ein wichtiger Ort zum Gebet.” Ebenso hält er bei den Bischofsgräbern von Johannes Baptist Dietz, Adolf Bolte („Er war ein Seelsorger aus ganzem Herzen."), Eduard Schick („Er hat mich zum Diakon und Priester geweiht.") und Johannes Dyba („Die Bischofsweihe habe ich von ihm erhalten.") inne. Übrigens, weist der Erzbischof hin, bei jeder Tagung der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda hielten der Bamberger Weihbischof Werner Radspieler und er am Mittwochfrüh der Sitzungswoche in dieser Kapelle einen Gottesdienst.

St. Antoniusheim

Einige Kilometer entfernt von der Fuldaer Innenstadt auf einer Anhöhe liegt das St. Antoniusheim. Bewohner und Betreuer des Hauses empfangen den Erzbischof herzlich, viele umarmen ihn, kennen ihn schon lange und freuen sich auf seinen Besuch. „Seit 1969, also seit Beginn meines Studiums in Fulda, bin ich mit dem Haus verbunden. Damals schon habe ich dort mit den Bewohnern Fußball gespielt und die Freizeit gestaltet.” Als das Haus in den 90er Jahren in eine wirtschaftliche Krise geriet, war es für Erzbischof Schick selbstverständlich, mit einigen Mitstreitern eine Stiftung zu gründen, damit das Haus bestehen bleiben konnte. Heute leben, wohnen und arbeiten im St. Antoniusheim etwa 270 Bewohner mit unterschiedlichen Behinderungen.

Aufgaben und Pflichten

„Ich verkündige schon gerne.” Lange überlegen muss Schick nicht, wenn man ihn zu seinen liebsten und vornehmlichsten Aufgaben und Pflichten befragt. Er lese gerne in den Evangelien, dann schreibe er seine Gedanken auf. „In der Kapelle des Bischofshauses, bei der Meditation, da kommen mir Gedanken, die mir das Herz erheben.” Die Verkündigung müsse nicht nur im Gottesdienst erfolgen, auch in Büchern, in Meditationen, bei der Erfüllung caritativer Aufgaben geschehe Verkündigung.

Tagesablauf

Der Tagesablauf des Bamberger Erzbischofs beginnt frühmorgens mit Gebet, Sport und Eucharistiefeier. Dann folgen meist eng gedrängt viele zu bewältigende Termine. „Schon im Elternhaus habe ich Disziplin gelernt.” Das Leben müsse strukturiert sein, das habe er verinnerlicht. „Halte Ordnung und liebe sie”, dieses Sprichwort seiner Mutter gelte für Schick bis heute. Geduld dagegen, das sei nicht seine Stärke, so der Erzbischof. Seine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, als er in die Mission gehen wollte, denn dreimal wurde er abgelehnt. Kolumbien, Brasilien, San Salvador, diese Länder hätten ihn interessiert. Seinem Fernweh kann er jetzt nachkommen, wenn er als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz in alle Welt reist und sich mit „Entwicklungsfragen sowie ethischen Fragen und Tugenden in Gesellschaftsformationen” beschäftigt. Die Begabung für Fremdsprachen - italienisch, spanisch, französisch und englisch - hilft ihm bei den Gesprächen mit den Menschen auf allen Kontinenten.

Bei der Familie

Zurück ins Oberhessische, zu Schwester Maria und Familie. „Ich bin die Ältere von uns beiden und ich habe das Sagen”, erklärt sie augenzwinkernd. „Und ich mache, was ich will”, kontert Bruder Ludwig Schick und lächelt dabei. Wer ihn im Kreise seiner Familie erlebt, spürt, wie gerne der Bamberger Erzbischof bei Schwester und Schwager, bei seinen Nichten, Neffen, deren Ehepartnern und bei seinen Großnichten und -neffen im hessischen Mardorf ist. In Bamberg aber fühle er sich ebenso wohl. „Heimat ist eben dort, wo man gerne mit Menschen zusammenkommt.”

Elke Pilkenroth

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