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Haus Moriah Josef-Kentenich-Institut (JKI) Diplomarbeiten Diplomarbeit Herter 03

3. Psychologische Grundlagen


3.1. Das Psychologieverständnis von J. Kentenich

Bei J. Kentenich findet sich keine ausführlichere Definition davon, was er unter "Psychologie" versteht. J. Kentenich gebraucht die Ausdrücke "Psychologie" und "psychologisch" in verschiedenen Zusammenhängen, aus denen heraus sich sein Verständnis erschließen lässt.[53] J. Kentenich hat einen psychologisch-wissenschaftlichen Begriff von "Psychologie", wenn er über verschiedene psychologischen Schulen oder Spezialdisziplinen spricht. Z.B.: "neuere Psychologie", "Differenzpsychologie", "Religionspsychologie", "moderne Ganzheits- und Strukturpsychologie", Psychoanalyse", "Individualpsychologie", "Psychotherapie", "Tiefenpsychologie". Dieses Verständnis steht auch hinter der Forderung, die Psychologie in der Kirche mehr aufzugreifen.[54]

Um verschiedene spezielle Vorgänge in der Entwicklungspsychologie zu bezeichnen, prägt J. Kentenich differenzierende Begriffe: "Psychologie des jugendlichen Idealismus und Realismus", Jungmännerpsychologie", "Jungmädchenpsychologie".[55]

Für die praktische Anwendung in der Pädagogik braucht der Erzieher nach J. Kentenich als Grundwissen eine "volkstümliche" oder "lebensnahe Psychologie".[56]

Das Adjektiv "psychologisch" bezeichnet bei J. Kentenich einen bestimmten Blickwinkel, mit dem verschiedene Wirklichkeiten betrachtet werden, im Unterschied zu einer "philosophischen" oder "theologischen" Betrachtung. J. Kentenich hat das Anliegen, den psychologischen Aspekt jeweils zu ergänzen. Z.B. soll die Erziehung mehr unter einem "psychologischen" Aspekt gesehen werden. Die Methode in der Erziehung soll nicht nur "logisch" (deduktionistisch von vorgegebenen Modellvorstellungen ausgehend), sondern "psychologisch" (d.h. an den jeweiligen Menschen angepasst, einfühlsam psychologische Gesetzmäßigkeiten berücksichtigend) sein. Die "psychologischen Grundlagen" des religiösen Lebens stellt er heraus. Er analysiert pädagogische Vorgänge, geistliches Wachstum, das Phänomen der Liebe oder der Freude "psychologisch", d.h. auf der Ebene der Tiefenseele, des Gefühlsbereichs, von der Trieb- und Antriebsstruktur des Menschen her.[57]

Im Zusammenhang seines religiösen Erziehungssystems prägt J. Kentenich folgende substantivische Ausdrücke: "Psychologie des Persönlichen Ideals/Gemeinschaftsideals", "Psychologie der Marienverehrung", "Psychologie der Wallfahrtsorte". Es sind Beispiele für religiöse Ausdrucksformen, die theologisch-philosophisch in ihrem Wert objektiv bestimmt und begründet werden können. Unter dem Aspekt der "Psychologie" betrachtet J. Kentenich, was sie für den Menschen persönlich, subjektiv bedeuten, welche inneren Prozesse sich abspielen, wie sich diese religiösen Ausdrucksformen oder Handlungen auf den Menschen auswirken, was man im Umgang damit beachten muss.[58]

Mit dem Adjektiv "psychologistisch" grenzt sich J. Kentenich aber auch von einer Überbewertung der Psychologie ab. Es gibt nicht nur den psychologischen Blickwinkel, und Psychologie darf nicht zu einer Weltanschauung werden, die meint, die ganze Wirklichkeit erklären zu können. Im religiösen Bereich betont er zwar die Bedeutung des Psychologischen, aber er hält die dogmatische Grundlegung letztlich für das eigentlich Ausschlaggebende. Eine lediglich auf psychologischen Effekten beruhende Frömmigkeit lehnt J. Kentenich ab.[59]
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3.2. J. Kentenichs psychologischer Ansatz: Die Lehre vom Bindungsorganismus

Es würde in dieser Arbeit zu weit führen, die Lehre vom Bindungsorganismus bei J. Kentenich ausführlich darzustellen. Hier soll lediglich ein Überblick über den psychologischen Ansatz von J. Kentenich verschafft werden, in den die folgenden Kapitel dieser Arbeit eingeordnet werden. In ihnen konzentriere ich mich auf einen Aspekt des Bindungsorganismus: das "Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung", das erklärt, wie der Bindungsorganismus entsteht.

3.2.1. Zum Begriff der "Bindung" bei J. Kentenich

a. Inhalte des Bindungsbegriffs von J. Kentenich

J. Kentenich verwendet, wenn er vom "Bindungsorganismus" spricht, den Begriff "Bindung" im Sinne von "Beziehung", was dem heutigen Sprachgebrauch in der Sozialpsychologie entspricht.[60]

Das Wort "Bindung" gebraucht J. Kentenich in einem unreflektierten positiven Sinn als etwas zu Erstrebendes, etwas, das den gesunden Menschen charakterisiert. Sein Begriff von "Bindung" muss daher im psychologischen Kontext deutlich von anderen Verwendungen unterschieden werden, die "Bindung" im Sinne von "Fixierung" verstehen und damit als etwas Krankhaftes.[61] Eine psychologische Bindungstheorie, die "Bindung" in einem ähnlichen Sinne begreift wie J. Kentenich, findet sich bei J. Bowlby, der die Bedeutung der Eltern-Kind-Beziehung während der ersten Lebensjahre eingehend untersucht hat.[62]

J. Kentenich betrachtet Bindungen von einem "äußeren"[63] und von einem "inneren"  Blickwinkel aus.

Bei der äußeren Betrachtung geht es um die Frage, an wen oder was man sich bindet (Objekt der Bindung). Hier gewichtet J. Kentenich besonders die personalen Bindungen, d.h. die zwischenmenschlichen Beziehungen. Jedoch beschränkt er sich in seinem Ansatz nicht auf sie, sondern will auch alle anderen Arten von Bindungen beachtet wissen. Er nennt neben den Bindungen an Menschen ("personale Bindungen") auch Bindungen an Orte ("ideenmäßige Bindungen"), die Bindung an "Dinge" ("Ding" als Sammelbegriff für alles Geschöpfliche) und die Bindung an Beruf oder Arbeit.[64] Die Gottesbeziehung betrachtet J. Kentenich ähnlich wie die personalen Bindungen.

Die innere Betrachtung untersucht, was innerpsychisch im Menschen geschieht. Die Bindung ist dann geglückt und gesund, wenn sie ganzheitlich vollzogen wird, d.h. wenn sie alle Schichten des Menschen integriert - die emotionale, psychische Schicht und die religiöse Dimension des Menschen eingeschlossen ("irrationale, rationale und suprarationale" Schicht).[65]

Eine echte Bindung ist auf Dauer und bei der Personbeziehung auf Gegenseitigkeit angelegt.[66]

Die innere Bindung des Menschen an alles, was nicht Person ist, ist ebenfalls ein personaler Vollzug, bei dem idealerweise Orte, Dinge und Ideen zu einem Symbol für ein personales Du werden, letztlich zu einem Symbol für Gott. Dann ist die Bindung an sie menschlich stimmig und richtig.[67]

b. Entstehung des Begriffs "Bindung"[68]

Eine besondere Sensibilität für die Bindungs- und Beziehungsproblematik hat J. Kentenich aufgrund seiner eigenen Biographie: Er ist vaterlos aufgewachsen und wurde von der Mutter im Alter von 8 Jahren in ein Waisenhaus gegeben. Als Jugendlicher und Theologiestudent geriet er wegen dieser Kindheitsproblematik in eine tiefe existenzielle Krise, die sich u.a. in der Unfähigkeit äußerte, echte menschliche Beziehungen einzugehen. Was ihn nach seiner Selbstaussage einigermaßen in einem seelischen Gleichgewicht gehalten hat, war seine Beziehung zu Maria, in der er von Kind auf intensiv gelebt hatte.

Seine eigene Problematik hat er in seiner seelsorgerischen Tätigkeit bei vielen Menschen wiedergefunden. Er konnte ihnen aufgrund eigener Erfahrung Sinndeutung und Heilungsweg anbieten.

Die Hauptquelle für seine Theoriebildung ist daher in seiner Biographie und in seiner pastoralen Erfahrung zu sehen. De facto hat sich J. Kentenich sehr früh mit der Bindungsproblematik beschäftigt. Zur Formulierung "Bindung" oder "Gebundenheit" fand er jedoch erst gegen Ende der zwanziger Jahre. Woher bekam er die Anregung dazu?

In der pädagogischen Literatur der Jahre von etwa 1925-1930 spielte das Thema "Bindung" weder dem Wort nach noch inhaltlich eine Rolle. Das bedeutet, dass J. Kentenich nicht von dort her angeregt wurde.[69] Andere Inhalte katholisch geprägter Pädagogen und Psychologen übernahm er und gab sie weiter.[70]

Ein deutlicher Einfluß, mindestens was die begriffliche Prägung angeht, geht von den Vertretern der katholischen Soziallehre aus. Sie haben Ende der zwanziger Jahre eine breite publizistische Tätigkeit entfaltet. J. Kentenich kannte nachweislich verschiedene Autoren.[71] Viele Themen und Begriffe, die J. Kentenich von dieser Zeit an verwendet, tauchen in deren Schriften auf. Darin geht es um die "Bejahung der gottgewollten Bindungen" um eine "organische Gesellschaftsordnung" im Gegensatz zu einer "atomisierten Industriegesellschaft", die von "Liberalismus" und "Individualismus" geprägt ist. Gerade auch in der Beschäftigung mit der sozialen Frage kommt bei J. Kentenich der Begriff der "Bindung" das erste Mal vor: im Kurs über die soziale Frage (1929-31)[72].

Eine wichtige inhaltliche wie begriffliche Prägung und Weiterentwicklung der kentenichschen Bindungslehre erfolgt durch die Beschäftigung mit Franz von Sales.[73] Von ihm lässt er sich immer mehr anregen zu Ausführungen über die "Liebe" und zu einer Ergänzung seines Bindungskonzepts im Sinne einer theologischen Anthropologie. Es kommt im Laufe der Zeit zu einer Parallelisierung der Aussagen über die "Bindung" und die "Liebe", so dass J. Kentenich 1933 schon sagen kann: "Gebundenheit ist Liebe"[74].

3.2.2. Zum Begriff "Organismus"[75]

Die Verwendung der Begriffe "Organismus" oder "organisch" findet sich bei J. Kentenich schon früher als der der "Bindung". Die inhaltliche Entwicklung verläuft aber praktisch gleichzeitig und kann mit dem Jahr 1933/34 als abgeschlossen gelten.

a. Psychologisches Verständnis

Schon ab 1917 taucht "organisch" als fester Begriff auf. Mit diesem Wort soll das schönstättische aszetische System (oder: die Schönstattpädagogik) charakterisiert werden, wie es sich in den ersten Jahren seit der Gründung Schönstatts 1914 entwickelt hat.[76] Für J. Kentenich steht "organisch" für die Beachtung psychologischer Gesetzmäßigkeiten bei Wachstumsprozessen im geistlichen Leben.

Dass gerade dieser Begriff dafür geeignet schien, hat mit dem Kontakt mit Prof. Rademacher (ab 1917) zu tun, der auf das junge Schönstatt aufmerksam geworden war und in ihm praktisch verwirklicht sah, was er theologisch reflektierte.[77] Prof. Rademacher betont in seinen apologetischen Schriften die Bedeutung der "organischen Entwicklung", z.B. im Seelenleben der Heiligen wie auch bei der Entwicklung der Kirche und der Dogmen.[78] Das sind Motive, die bei J. Kentenich auch immer wieder auftauchen, so dass eine Beeinflussung angenommen werden kann. Was die psychologischen Inhalte betrifft, die J. Kentenich anwendet und weitergibt, so greift J. Kentenich in dieser Zeit vor allem auf die Strukturpsychologie Eduard Sprangers zurück.[79]

In den folgenden Jahren füllt J. Kentenich den Begriff des Organischen mit weiteren psychologischen Inhalten, die er selber herausarbeitet. Der Begriff des "Organischen" verbindet sich mit dem Topos des "Lebens"[80] ( und mit dem 1931 gefundenen "Gesetz der Übertragung und Loslösung" (was später das "Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung" wird). 1933 charakterisiert das Wort "Organismuslehre" die Eigenart der schönstättischen Spiritualität. J. Kentenich formuliert Anfang der dreißiger Jahre die "Gesetze des organischen Wachstums"[81]. Er spricht bereits - in einer Verbindung von Psychologie und Theologie - vom "Organismus der Gebundenheiten" und vom "Organismus der natürlichen und übernatürlichen Welt", was dem Ausdruck "Bindungsorganismus" schon nahekommt, den er schließlich 1939 findet.

b. Soziologisches Verständnis

Wo J. Kentenich neben dem Adjektiv "organisch" immer mehr auch substantivisch vom "Organismus" spricht, tritt zu der psychologischen auch eine soziologische Perspektive. "Organismus" ist eine gesellschaftliche Modellvorstellung. Diese Entwicklung fängt damit an, dass der Begriff "Organismus" zunächst komplexe Strukturen wie "Familie", "Milieu", "Schönstattbewegung" charakterisiert. Ab 1934 wird "organisch" (als Gegensatz zu "mechanistisch") dann immer mehr zu einer objektiven, grundsätzlichen Kategorie, die eine bestimmte Zeitsituation (Kultur, Gesellschaft, Kirche...) charakterisiert: Das Ideal ist die "organische" Gesellschaft, während die zeitgeschichtliche Entwicklung hin zu einer immer "mechanistischeren" Gesellschaft zu kritisieren ist.[82]

Sucht man in der damaligen Literatur nach einem Formulierungshintergrund, so stößt man sehr häufig auf den Begriff des "Organischen". Der Begriff "lag in der Luft" und wurde von ganz unterschiedlichen Richtungen in Philosophie und Gesellschaftslehre in Anspruch genommen (Neuaristoteliker, Lebensphilosophen, Entwicklungspsychologen, Sozialwissenschaftler), aber auch sehr verschieden verstanden (irrational, entelechial, biologistisch, teleologisch). In der katholischen Soziallehre wurde mit "organisch" das von ihnen favorisierte Ideal der ständischen Gesellschaft als einer "Korporation" charakterisiert: die Gesellschaft soll ein "sozialer Organismus" sein, in dem soziale Schichten und Gemeinschaften (gesellschaftliche Zusammenschlüsse) "organisch" zusammenleben. Da J. Kentenich mit dem Schrifttum der katholischen Soziallehre vertraut war, darf man annehmen, dass er von daher angeregt den Begriff "Organismus" in einem soziologischen Sinn gebraucht. Eine inhaltliche Zuordnung zu einer bestimmten Position ist jedoch nicht möglich.

c. Theologisches Verständnis

J. Kentenich gebraucht "organisch" auch in theologischen Aussagen. Seine Sicht der "Harmonie von Natur und Gnade" bezeichnet er als "organische Verbindung von Natur und Gnade", und er spricht von der "organischen Verbindung von Natur und Übernatur".[83]

Die theologische Beeinflussung der Organismuslehre von J. Kentenich ist auf M.J. Scheeben zurückzuführen. Denker, zu denen J. Kentenich Kontakt hatte oder auf die er sich bezieht, fühlten sich der Theologie von Scheeben verpflichtet: A.M. Weiß[84] und A. Rademacher[85] waren Scheeben-Herausgeber; F. Kastner[86] arbeitete über Scheeben und war Schüler von Rademacher und Eschweiler.

3.2.3. Der Bindungsorganismus

Alle Bindungen des Menschen zusammengenommen und das Zusammenspiel dieser Bindungen untereinander bilden nach J. Kentenich den "Bindungsorganismus".[87] Es handelt sich um einen Ganzheitsblickwinkel, er den Menschen nicht isoliert für sich selbst betrachtet, auch nicht einzelne Beziehungen als solche, sondern das Gesamt der Wirklichkeit als ein Beziehungsgefüge sieht und beachtet wissen will. Dieser ganz allgemeine Ansatz soll hier kurz umrissen werden. Wenn in so wenig differenzierender Weise der Grundansatz J. Kentenichs darzustellen versucht wird, könnte der Eindruck entstehen, dass J. Kentenich zu sehr in einem Abstraktum bleibt und konkret zu einzelnen Beziehungsproblematiken nichts gesagt hat. Es ist jedoch lediglich meine Absicht, den Horizont darzustellen, in dem jede konkrete Problematik behandelt werden muss und der nicht aus dem Auge verloren werden darf. Konkrete Einzelanalysen wären zwar interessant, würden aber den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Außerdem verweise ich auf das in Kap. 7. Gesagte.

a. Überblick über die Lehre vom Bindungsorganismus

Der Übersichtlichkeit halber versuche ich, die Lehre vom Bindungsorganismus anhand eines Schaubildes vereinfacht darzustellen.[88]

Abbildung 01

Wie schon die Bindungen können wir auch den Bindungsorganismus "von außen" und "von innen" betrachten.

Von außen (soziologische, objektive Perspektive):

(Abb.1) Der Mensch lebt tatsächlich in vielen und gute Bindungen. Sein Berufsleben glückt, er hat ein positives Verhältnis zur Natur und zu den Dingen, er aktualisiert die Gottesbeziehung.

Außerdem ist in Abb. 1 die Wirklichkeit als ganze durch den Kreis als eine Einheit dargestellt. Zwischen den verschiedenen Wiklichkeitsbereichen bestehen Verbindungen: Einheit von Staat und Kirche. In der Familie, im Freundeskreis, bei der Arbeit - alles ist letztlich auf Gott hin geordnet. Die ganze Gesellschaft ist von dem einen gemeinsamen christlichen Gesichtspunkt her geprägt. Das trifft aber nur - typisiert gesagt - für die traditionelle Gesellschaft zu.

Abbildung 02

Das ist in der modernen Gesellschaft anders geworden (Abb. 2). Sie ist komplizierter. Die verschiedenen Wirklichkeitsbereiche stehen unverbunden nebeneinander (viele Kreise im Schaubild): Trennung von Kirche und Staat. Weltanschauliche Neutralität des Staates und pluralistische Gesellschaft kennzeichnen die moderne Gesellschaft. Der Mensch ist oft Teil von vielen einander widersprechenden oder konkurrierenden Wirklichkeiten. Von der Familie her noch christlich erzogen, findet der Einzelne in seinem Freundeskreis andere Anschauungen, die genauso überzeugend sein können. Der Pfarrer predigt so, die Medien anders. Arbeit und Familie lassen sich nur schwer vereinbaren. J. Kentenich nennt diese Gesellschaft "atomisierte" oder "mechanisierte" Gesellschaft. Gott ist eine Realität, die außerhalb der Gesellschaft existiert.

Von innen (psychologische, subjektive Perspektive):

Die psychische Leistung des Menschen besteht darin, dass er ein positives Verhältnis zu den jeweiligen Wirklichkeitsbereichen entwickelt und die Bindungen zu den verschiedenen Wirklichkeitsbereichen in der eigenen Person zu einem ganzheitlichen Wirklichkeitsbezug integriert. (In Abb. 1 wird das durch den Kreis angedeutet, der alle Bereiche miteinander verbindet.)

In der traditionellen Gesellschaft sind die Bindungen an die jeweiligen Wirklichkeitsbereiche von vornherein geregelt. Der Einzelne wird in die verschiedenen beschränkten Möglichkeiten gesellschaftlicher und sonstiger Bezüge gleichsam "hineingeboren". Es ist für ihn auch relativ einfach, alle Teilbereiche der Wirklichkeit als eine Einheit zu erleben und die verschiedenen Bindungen in sich zu integrieren. Die Wirklichkeit erlebt er als stabil, und das gibt entsprechend innere Stabilität. Außerdem ist es fast unmöglich, nicht zu glauben, da die ganze Wirklichkeit auf Gott hingeordnet ist. Dafür fehlt eher das Moment der bewussten persönlichen Glaubensentscheidung. Der Mensch lebt unbewusst und automatisch "organisch", "ganzheitlich".

In der modernen Gesellschaft bereitet es größere Schwierigkeiten, die verschiedenen Wirklichkeiten in sich zu integrieren.[89] Leicht kann es geschehen, dass der Mensch Teilbereiche der Wirklichkeit ganz ausblendet, oder dass er "in verschiedenen Welten lebt" (vgl. Abb. 2). Das hat eine innere Desintegration zur Folge. Der Mensch verliert seinen Persönlichkeitskern. Der Mensch "denkt", "lebt", "liebt" "mechanistisch" oder "separatistisch" und nicht "organisch", "ganzheitlich".

Das hat auch negative Auswirkungen auf die jeweiligen Bindungen zu einzelnen Teilbereichen der Wirklichkeit. Insgesamt werden sie geschwächt. Auch die Gottesbeziehung leidet darunter. Sie wird isoliert von den anderen Wirklichkeiten, oder sie spielt keine Rolle im Leben des Menschen.[90]

Abb. 2 stellt eine extreme Isolierung des Menschen dar, wie sie die Folge der modernen gesellschaftlichen Situation sein kann. Gott und Welt sind voneinander getrennt (======). Zwischen dem Menschen und den verschiedenen Wirklichkeitsbereichen gibt es teilweise schlechte, teilweise gar keine Beziehungen. Bestimmte Bindungen können eventuell noch vorhanden sein, aber sie sind gefährdet, weil die anderen ausfallen. Von den wenigen übriggebliebenen Bindungen erwartet der Mensch alles und überstrapaziert sie. Der Bindungsorganismus krankt und damit der Mensch.

Eine totale Isolierung werden wir in der Wirklichkeit ebenso wenig finden wie einen ganz und gar geglückten harmonischen Bindungsorganismus.[91] Es kommt auch nicht darauf an, dass alle Bindungen gleich gut und harmonisch sind. Es können manche Bindungen ausfallen, zu manchen Wirklichkeiten ist das rechte Verhältnis eine gesunde Distanz. Es kommt darauf an, dass das Gesamt des Bindungsorganismus stimmt. Wesentliche Dimensionen dürfen nicht ausfallen, wenn Menschsein gelingen und voll verwirklicht werden will.[92] Dadurch wird der intakte Bindungsorganismus zu einem therapeutischen Kriterium: Je besser der Mensch seine Beziehungen lebt, d.h. je tiefer er in einen entfalteten Bindungsorganismus hineingebunden ist, desto gesünder ist er an Leib und Seele. Da der Bindungsorganismus zur Struktur des Menschen gehört, die nach J. Kentenich einer gottgewollten Ordnung entspricht, ist der Bindungsorganismus auch Aufgabe des Menschen, eine ethisch-religiöse Verpflichtung (Norm).[93]

Damit ist der intakte Bindungsorganismus auch Zielvorgabe für psychotherapeutisches und pädagogisches Handeln. Auch die Richtung zu einer Heilmethode ist angedeutet: Die Analyse von Problem- und Krankheitsursachen müsste Störungen im Bindungsorganismus aufdecken. Der Heilungsweg bestünde darin, gestörte Bindungen (wieder) herzustellen, und wenn das nicht möglich ist, Möglichkeiten des Umgangs damit aufzuzeigen. Weniger störend wirken einzelne mangelhafte Bindungen, wenn der Bindungsorganismus insgesamt im Gleichgewicht ist. Eine besondere Bedeutung hat es deswegen, den Menschen in seiner Beziehungsfähigkeit zu stärken. Das setzt beim Therapeut oder Erzieher an, indem er sich persönlich in eine Beziehung einlässt und versucht, den Einzelnen in Beziehung zu anderen zu bringen.[94]

b. Natürlich-übernatürlicher Bindungsorganismus

Die Gottesbeziehung ist wesentlicher Bestandteil im Bindungsorganismus. Auch Maria und die Heiligen gehören in den einen Bindungsorganismus. J. Kentenich spricht von einem ganzheitlichen "natürlichen und übernatürlichen Bindungsorganismus"[95].

Theologisch ist Gott Ursache und tragender Grund für den ganzen Bindungsorganismus. Die ganze Wirklichkeit ist letztlich auf die Beziehung mit Gott angelegt.

Psychologisch, aus der Perspektive des menschlichen Erlebens, gelten für die Beziehungen im übernatürlichen Bindungsorganismus ähnliche Prinzipien wie für die natürlichen Beziehungen.[96] J. Kentenich behandelt die Beziehung zu Gott als eine besondere personale Beziehung.[97]

Zwischen den natürlichen und übernatürlichen Bindungen besteht eine Wechselwirkung. J. Kentenich fasst sie in dem Gesetz zusammen, dass die natürliche Ordnung für die übernatürliche und umgekehrt "Ausdruck, Mittel und Schutz"[98] sei. J. Kentenich hält eine isolierte Gottesbeziehung auf die Dauer für sehr gefährdet. Die Isolierung kann in der seelischen Struktur des Menschen liegen, z.B. wenn sich die Beziehung nur auf der Verstandes- oder Willensebene abspielt und den irrationalen Tiefenbereich der Seele nicht erfasst, oder die Gottesbeziehung kann isoliert neben den Beziehungen zu Menschen zur Welt stehen - auch dann ist die Bindung an Gott gefährdet.[99] Umgekehrt gilt aber auch, dass ein von Gott isolierter Menschen- und Weltbezug letztlich an seiner vollmenschlichen Sinnerfüllung vorbeigeht.[100]
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3.3. Das Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung

3.3.1. Hinführung

Das Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung ist laut J. Kentenich "Wesensbestandteil" seiner Lehre vom Bindungsorganismus.[101] Es ist die dynamische Innenseite des Bindungsorganismus und erklärt, wie Beziehungen zustande kommen und wie sich eine Beziehung auf neue Beziehungen ausweiten kann und wie somit der natürlich-übernatürliche Bindungsorganismus entsteht. Darin ist also eingeschlossen, wie der Weg zur Gottesbeziehung über natürliche Beziehungen aussieht.

Das "Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung" fasst sehr komplexe Zusammenhänge zusammen. Vor allem werden psychologische Vorgänge reflektiert, die J. Kentenich immer auch gleichzeitig vom Glauben her deutet. Das Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung nennt J. Kentenich "psychologisch". Da es aber die Gottesbeziehung mit einbezieht, reflektiert J. Kentenich auch theologisch die Rolle, die Gott in diesem Gesetz spielt. Daher können die beiden Ebenen der Psychologie und der Theologie nicht getrennt werden. Eine solche Trennung von Gott und Welt liegt auch gar nicht in der Absicht von J. Kentenich. Ihre gegenseitige Bezogenheit ist gerade die notwendige Voraussetzung, um den Überstieg von der Welt hin zu Gott zu schaffen.[102] Eine Unterscheidung von Theologie und Psychologie ist jedoch möglich und wird in der Analyse, die in den folgenden Kapiteln durchgeführt wird, vorgenommen.

3.3.2. Übersicht

Im Folgenden soll ein erster Überblick über die komplexen Sachverhalte gegeben werden, bevor in den folgenden Kapiteln (4-9) eine schrittweise Einzelanalyse vorgenommen wird.

Ein Zitat von J. Kentenich sei vorangestellt, das das "Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung" kurz und plastisch zusammenfasst:

"Gott regiert die Welt nach dem Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung. (...) Gott überträgt auf Zweitursachen, in unserem Falle auf unsere Eltern, ein Stück seiner Eigenschaften; etwas von seiner Allmacht, seiner Liebe, seiner Weisheit. Während er das auf die Eltern überträgt, spekuliert er schon gleichzeitig auf das Kind. Deswegen das Gesetz der organischen Übertragung. Der Mensch soll sich in seiner Erziehung nach demselben Gesetz richten, soll auch das Gesetz der organischen Übertragung anwenden. Was letzten Endes Gott gebührt - Ehrfurcht, Liebe, Gehorsam -, soll er auf Zweitursachen übertragen: auf die Eltern oder auf ähnlich geartete Obrigkeiten. Es soll aber ein Gesetz der organischen Übertragung sein. Während wir Vater und Mutter, Eltern und Geschwister lieben, lieben wir gleichzeitig auch Gott"[103].

In diesem Zitat werden wesentliche Elemente des "Gesetzes der organischen Übertragung und Weiterleitung" benannt oder klingen an. Folgende Begrifflichkeiten lassen sich erheben:

Übertragung: Den Begriff der "Übertragung" verwendet J. Kentenich in einem vierfachen Sinne: Theologische Übertragung, psychologische Übertragung, Gefühlsübertragung, Lebensübertragung.[104] J. Kentenich hat also nicht nur einen, klar definierten Übertragungsbegriff, sondern wendet den Begriff in unterschiedlichen Zusammenhängen an. Das erschwert das Verständnis, und man muss auf den jeweiligen Zusammenhang achten. Für diese Arbeit kommen vor allem zwei Übertragungsbegriffe in Frage, die im Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung enthalten sind: "theologische Übertragung" und "psychologische Übertragung".[105]

3.3.3. Schematische Darstellung der "organischen Übertragung und Weiterleitung"

G = Gott
M = Mensch
Z = Zweitursache

a.            Theologische Übertragung

(1)

Abb. Theol. 01

Bei der theologischen Übertragung ist Gott der Handelnde. Er überträgt von seinen Eigenschaften auf Zweitursachen (die wichtigsten Beispiele und Anwendungsfälle sind Eltern und Erzieher).

(2)

Abb. Theol. 02

Gott zielt bei der Übertragung noch gleichzeitig auf ein weiteres Objekt ab, den Menschen. Das macht die theologische Übertragung zu einer organischen Übertragung. Dabei haben die Zweitursachen die Aufgabe, zu den Menschen hin weiterzuleiten.

b.            Psychologische Übertragung

(1)

Abb. Psych. 01

Im ersten Teilschritt überträgt der Mensch Bedürfnisse, Gefühle, Erlebnisse und Verhaltensweisen ("die eigentlich Gott gebühren") auf Zweitursachen (d.i. alles Geschaffene, bes. Menschen).

(2)

Abb. Psych. 02

Es kommt zur Bindung des Menschen an die Zweitursache.

(3)

Abb. Psych. 03

Die Zweitursachen haben eine Weiterleitungsfunktion auf andere Zweitursachen und letztlich auf Gott hin.

(4) Es kommt die vollständige organische Übertragung und Weiterleitung zustande:

Abb. Psych. 04

Der Mensch überträgt die Bindung auf Gott.

(5)

Abb. Psych. 05

Das Ergebnis ist die Gottesbeziehung des Menschen. Dabei bleibt die Bindung an die Zweitursache bestehen. Es handelt sich um eine "organische" Übertragung und Weiterleitung.

3.3.4. Entstehung des Begriffs der "Übertragung"[106]

Da der Begriff der "Übertragung" ein gängiger Begriff in der Psychologie, vor allem in der Psychanalyse ist, soll hier nun kurz die Frage gestellt werden, ob und inwiefern J. Kentenich von der zeitgenössischen Psychologie beeinflusst worden ist. J. Kentenich betont die Eigenständigkeit und Originalität seines Übertragungsbegriffes.[107] Ein Blick in die Entstehungsgeschichte kann eventuell dennoch bestehende Abhängigkeiten aufzeigen.

Die frühesten Formulierungen mit dem Begriff der "Übertragung" finden sich bei J. Kentenich erst ab dem Jahr 1931.[108] Das Anliegen und die Inhalte haben ihn schon weit früher beschäftigt, z.B. in seiner Arbeit mit psychisch Kranken seit Anfang der zwanziger Jahre. In der pädagogischen Literatur der zwanziger Jahre findet man wenig zum Thema der Übertragung als Phänomen der Beziehung zwischen Erzieher und Educandus. Anregungen fand J. Kentenich in den Büchern "Psychologie des Jugendalters" von E. Spranger[109] und "Das Jugendalter und sein Sinn" von L. Bopp[110], die J. Kentenich für den Seelenführerkurs über Jugendpsychologie (1926)[111] heranzog. Darin ist von der Bedeutung der "Bindung" des Jugendlichen an die Person des Erziehers die Rede. Es ist derselbe pädagogische Kontext, in dem die früheste Konzeption von "Übertragung" (1931) bei J. Kentenich steht, und es gibt eine inhaltliche Nähe zu dem, was J. Kentenich dann als "Übertragung" beschreibt, aber der Begriff wird nicht verwendet.[112]

Als direkte Anregung für die ersten Formulierungen mit dem Begriff der "Übertragung" muss vermutlich ein Zeitschriftenartikel über einen Vortrag von Prof. E. Goldbeck gelten, 1930 in Berlin gehalten[113], auf den sich J. Kentenich in der Jugendpädagogischen Tagung 1931 ausdrücklich bezieht.[114] Darin erläutert Prof. Goldbeck seinen Zuhörern anhand der von der Psychoanalyse beschriebenen Übertragung, wie sich Jugendliche gegenüber dem Erzieher oft wie kleine Kinder verhalten und diesen als eine Art elterliche Person empfinden. J. Kentenich greift von Goldbeck den Übertragungsbegriff auf, um mit ihm die pädagogische  Beziehung im Sinne der geistlichen Elternschaft psychologisch zu begründen (1. Stufe des kentenichschen Übertragungsbegriffs).[115] Und wenn nach eigenen Angaben J. Kentenich Freud nicht gelesen hat[116] (wohl aber katholische Schriftsteller, die möglicherweise mehr von Freud enthalten, als sie angeben), so darf man doch über diese Schiene einen begriffsgeschichtlichen Einfluss von Freud her vermuten.[117]

Es kann gesagt werden, dass J. Kentenich das Wort "Übertragung" übernommen hat, jedoch nicht direkt von Freud, sondern in dem von Goldbeck formulierten pädagogischen Kontext. J. Kentenich füllt seinen Übertragungsbegriff sofort mit Inhalten aus seiner eigenen Erfahrung und früheren Reflexionen und weitet ihn im Laufe der Zeit immer mehr aus. 1934 steht dann das endgültige Konzept vom "Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung", das als eine völlig eigenständige Synthese angesehen werden muss. Ein Vergleich mit Freud wird im Kap. 7. angestellt.
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[53] Czarkowski, 49.

 

 

 

[54] Vgl.: Czarkowski, 52f.

 

 

 

[55] Vgl.: Czarkowski, 51.

 

 

 

[56] Vgl.: Czarkowski, 53.

 

 

 

[57] Vgl.: Czarkowski, 49f.

 

 

 

[58] Vgl.: Czarkowski, 50f.

 

 

 

[59] Vgl.: Czarkowski, 54.

 

 

 

[60] Vgl.: Vautier 79 II, 1.
J. Kentenich verwendet "Bindung" noch in einem anderen Kontext als einen terminus technicus, nämlich im Sinne von "Verpflichtung", "Vertrag", "Versprechen", "Gewissensbindung", was hier aber vernachlässigt werden darf. Vgl.: Vautier 79 I, 4.

 

 

 

[61] Vgl.: Vautier 79 II, 1.47f.

 

 

 

[62] Vgl.: Bowlby, J., Mütterliche Zuwendung und geistige Gesundheit, München 1973 (Original: Maternal care and mental health, 1951). Ders., Bindung, München, 1975 (Original: Attachment, 1969). Ders., Trennung, München, 1976 (Original: Separation, 1973). Ders., A secure base. Clinical applications of attachment theory, London, 1988.

 

 

 

[63] Vgl.: Czarkowski, 147. Vgl.: BrMärz 55, 26: "Nach außen verbindet der Bindungsorganismus Objekte oder - besser gesagt - Personen miteinander, ja er lässt sie ineinander sehen und erleben, obwohl sie getrennt voneinander existieren und nebeneinander stehen und bestehen oder gar, in der objektiven Ordnung in unendlichem Abstand voneinander gesehen und gewertet werden wollen."

 

 

 

[64] Vgl.: Vautier 79 I, 4.

 

 

 

[65] BrMärz 55, 29.

 

Vgl.: Czarkowski, 147.

 

 

 

 

 

[66] Vgl.: Vautier 79 II, 47.

 

 

 

[67] Vgl.: Vautier 79 II, 37-43.

 

 

 

[68] Vgl.: Vautier 79 I, 4-17.

 

 

 

[69] Vgl.: Vautier 79 I, 9.

 

 

 

[70] Z.B. für die Jugendpsychologie: Spranger, E., Psychologie des Jugendalters, Leipzig 1925; Hoffmann, Jakob, Handbuch der Jugendkunde und Jugenderziehung, Freiburg 3, 1922; Grunwald, G., Pädagogische Psychologie, Berlin 2, 1925.

 

 

 

[71] Algermissen, K.: Freidenkertum, Arbeiterschaft und Seelsorge, M.Gladbach, 1929; Pieper, A.: Kapitalismus und Sozialismus als seelisches Problem, M.Gladbach, 1924; Eschweiler, K.: Die Herkunft des industriellen Menschen, Hochland, 22, I, 1925, 378-398; Brauer, T.: Wege zur Entproletarisierung, Schönere Zukunft III, 1927f, 75-77.101-103.

 

 

 

[72] SFKsozF 29: Diesen Kurs gab J. Kentenich mehrfach in den Jahren 1929-31.

 

 

 

[73] Besonders wichtig das Buch von: Müller, Michael: Frohe Gottesliebe, Freiburg 1933.

 

 

 

[74] WT 33, 32.

 

 

 

[75] Bei den folgenden Ausführungen stütze ich mich auf: Vautier 79 I, 17-23.

 

 

 

[76] Ein späteres Buch, das das schönstättische aszetische System darstellt: Schmidt, Hermann: Organische Aszese. Ein zeitgemäßer, psychologisch orientierter Weg zur religiösen Lebensgestaltung, Paderborn, 1938, 4. Aufl. 1940. 1. Kapitel: Die Originalität der Schönstatt-Aszese als Organismuslehre. 2. Kapitel: Die psychologische Orientierung der Schönstatt-Aszese.

 

 

 

[77] Vgl.: UdSch 40, 352ff.

 

 

 

[78] Vgl.: Rademacher, A.: Der Entwicklungsgedanke in Religion und Dogma, Köln 1914; Gnade und Natur, M.Gladbach, 2. Aufl. 1914; Das Seelenleben der Heiligen, Freiburg 1917; Vernünftiger Glaube, Freiburg 1923.

 

 

 

[79] Z.B.: Spranger, Eduard: Psychologie des Jugendalters, Leipzig 1925. Verwendet in: SFKJPsy 26, 18.26.30-33.

 

 

 

[80] Zum Wortfeld "Leben" gehören bei J. Kentenich: "lebendig", "lebensgemäß", "dem Leben angepaßt", "dem Leben entsprechend", "Natur". Gemeint ist physisches, intellektuelles und psychisches Leben. Ihm spricht J. Kentenich eine gewisse Ordnung und bestimmte Gesetzmäßigkeiten zu, aber nicht starre. Das Gegenteil wäre: "Struktur", "erdacht", "Idee", "Formalismus".

 

 

 

[81] Die Gesetze organischen Wachstums sind: Das Leben wächst (1) langsam, (2) von innen heraus, (3) von einer Ganzheit zu einer neuen Ganzheit, (4) gleichzeitig aber nicht gleichmäßig, (5) gelegentlich in rhythmischen Stadien. Vgl.: WPhE 59, 56f.

 

 

 

[82] Zu weiteren Inhalten des soziologischen Verständnisses von Organismus" s.u. den Überblick über die Lehre vom Bindungsorganismus in Kap. 3.2.3.a. ("soziologische Perspektive")

 

 

 

[83] "Organisch" ist die Verbindung von Natur und Gnade in dem speziellen Fall, wenn sich die Gnade den Entwicklungsstadien des Seelenlebens anpaßt. Zu den theologischen Inhalten des Natur-Gnade-Verhältnisses s.o. Kap. 2.4.

 

 

 

[84] Vgl.: Weiß, A.M.: Apologie des Christentums, Bd. IV, Freiburg 1888.

 

 

 

[85] S.o. Anmerkung Nr. 55.

 

 

 

[86] Vgl.: Kastner, Ferdinand: Marianische Christusgestaltung der Welt, Paderborn, 5. Aufl. 1941.

 

 

 

[87] Vgl.: Czarkowski, 146f.

 

 

 

[88] Zeichenerklärung:
---------- : Bindung
----//---- : gestörte Bindung
Kreise     : Wirklichkeit(sbereiche)
Im Schaubild nenne ich die Objekte der Bindung "Wirklichkeitsbereiche", um möglichst abstrakt so unterschiedliche Bindungen wie die an Personen oder an Dinge oder an Ideen unter dem Blickwinkel des Ganzen auf einen Nenner bringen zu können. In der Realität überschneiden sich die Wirklichkeitsbereiche, gehören auf verschiedene Wirklichkeitsebenen und sind in sich wieder mehrdimensionale Einheiten. Sie müssten in einer konkreten jeweiligen Einzelanalyse sehr differenziert betrachtet werden.
Als Wirklichkeitsbereiche wurden entsprechend der oben erwähnten Einteilung der Bindungsobjekte gewählt: Personen, Orte, Dinge, Arbeit/Beruf, Ideen. Personen sind differenziert in: Familie, Erzieher (die in dieser Arbeit ausführlich behandelt werden). Ich ergänze aus soziologischer Perspektive: Kirche, Verein/Gruppe, Freunde. Sie stehen exemplarisch für die ganze Wirklichkeit.

 

 

 

[89] Es soll hier nicht gesagt werden, dass früher alles besser war und jetzt schlecht. Es geht darum, die Problematik der Aufsplitterung in verschiedene getrennte Lebensbereiche in der heutigen Gesellschaft aufzuzeigen.

 

 

 

[90] Vgl. s.u. Kap. 3.2.3.b.

 

 

 

[91] Es hat auch nicht in der traditionellen Gesellschaft immer ein intakter Bindungsorganismus bestanden, genauso wenig wie er heute immer krank ist. Es wird hier lediglich eine Tendenz festgestellt, die der Klarheit halber typisiert dargestellt wird.

 

 

 

[92] Vgl.: Vautier 79 I,3.

 

 

 

[93] Vgl.: Vautier 79 II, 47.

 

 

 

[94] Vgl.: FP 54, 405f.417-419; Vautier 79 II, 68.

 

 

 

[95] JBr 52 II, 211.

 

 

 

[96] Vgl.: Vautier 79 II, 23.

 

 

 

[97] Vgl.: Vautier 79 II, 6.

 

 

 

[98] JBr 52 I, 100; JBr 52 II, 130ff; BrMärz 55, 19 (Hug); UMS 66, 26-29.52-55; VP 67 II, 83ff.
Vgl.: Czarkowski, 148; Vautier 79 I, 41; Vautier, Maria, 294.
Leider kann ich dieses Gesetz und überhaupt die Wirkungen des Bindungsorganismus im Rahmen dieser Arbeit nicht darstellen. Ich muss mich auf die Gesetzmäßigkeit beschränken, die das Zustandekommen des Bindungsorganismus beschreibt, das Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung.

 

 

 

 

 

[99] Vgl.: Vautier 79 II, 23.

 

 

 

[100] Vgl.: Vautier 79 II, 44-46.

 

 

 

[101] BrMärz 55, 6 (Hug).

 

 

 

[102] S.o. Kap. 2.

 

 

 

[103] PT 51, 45f

 

 

 

[104] Vgl.: Vautier, Maria, 289.

 

 

 

[105] Die Bezeichnungen "theologische" und "psychologische Übertragung" stammen von P. Vautier. Vgl.: Vautier, Maria, 291.
Die "Gefühlsübertragung" ist im Wesentlichen Bestandteil der psychologischen Übertragung und wird in Kap. 6.- 8. an verschiedenen Stellen erwähnt.
"Lebensübertragung" meint einen Vorgang, der sich in einer Beziehung zwischen zwei menschlichen Partnern abspielt. Es geschieht eine gegenseitige Bereicherung und Formung. Auch das hat mit "Erziehung in Beziehung" zu tun. Hier wäre anzusetzen mit der pädagogischen Frage nach der Persönlichkeitsformung und Wertevermittlung. Da ich mich aber in dieser Arbeit auf das Zustandekommen von Beziehungen (mit besonderem Blick auf die Vermittlung der Gottesbeziehung) beschränke, kann ich diese weiteren Überlegungen nicht ausführlich behandeln; lediglich in Kap. 7.3. finden sich Andeutungen in diese Richtung.

 

 

 

 

[106] Vgl.: Vautier 79 I, 24-44.

 

 

 

[107] Vgl.: BrMärz 55, 6.9 (Hug).

 

 

 

[108] Vgl.: JPT 31, 114.116-119.121f.132.

 

 

 

[109] Spranger, Eduard: Psychologie des Jugendalters, Leipzig 1925.

 

 

 

[110] Bopp, Linus: Das Jugendalter und sein Sinn, Freiburg, 2. Aufl. 1927.

 

 

 

[111] SFKJPsy 26.

 

 

 

[112] JPT 31, 114.116-119.121f.132.

 

 

 

[113] Goldbeck, Ernst: Der Führer in der Jugendgemeinschaft. In: Kulturpädagogische Tagung für Jugendpräsides vom 23. bis 27. Juni 1930 in Berlin, Düsseldorf o.J. Sondernummer der "Jugendführung", 14f.

 

 

 

[114] Vgl.: JPT 31, 111f.288.

 

 

 

[115] Vgl. s.u. Kap. 6.3.

 

 

 

[116] Vgl.: Vautier 79 II, 71.

 

 

 

[117] Vgl.: Vautier 79 II, 71.

 

 
 

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