Landwirtschaftliche Familienberatung
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Gut und Böse

Wer kennt es nicht, die Auseinandersetzung und Probleme mit den Geschwistern und den Alternteilen nach der Hofübergabe. "Wir sind dauernd die Bösen" klagt eine junge Bäuerin.

Die anderen kommen nur und bedienen sich vom Hof und sie sind die Guten und alles was sie machen wird akzeptiert. So oder ähnlich sind die Klagen junger Hofübernehmer.

Ich denke da muss schon einmal genauer hingesehen werden. Da sind die Hofübernehmer, welche tagein und tagaus mit den Altenteilern zusammen arbeiten und leben. Es ist ganz natürlich, dass es verschiedene Vorstellungen von betrieblicher und familiärer Lebensvorstellungen und Lebenspläne gibt. Jeder hat seine eigenen Wertvorstellungen und Eigenheiten. Da kann es schon erhebliche Differenzen geben, schon aus dem Alter und der verschiedenen Herkunftsgewohnheiten her. Schwierig wird es, wenn trotz Übergabe, keine klaren Grenzen eingehalten werden, oder gewohnte Eigenheiten weiter praktiziert werden. Da holen sie ungefragt den Schlepper, bedienen sich in den Naturalgütern, als wäre alles selbstverständlich. Nicht selten bietet und drängt die Mutter ihren anderen Kindern die Sachen noch auf, ohne Rücksprache mit dem Übernehmer. Das birgt natürlich Konflikte und Ärger.

Es ist auch schwerer, jeden Tag mit jeder Verfassung sich gegenseitig ertragen zu müssen. Da gibt es halt nicht nur Sonnenschein, sondern auch einmal Verstimmungen. Es lässt sich nicht so leicht ausweichen auf dem Hof. Im Gegenzug kann ich Besuche machen, wenn ich Lust und gute Laune für meine Eltern empfinde. Ich kann ja jederzeit wieder gehen, wenn ich will. Ich brauche auch nicht die Besonder- und Eigenheiten meiner Eltern ertragen, wenn es mir zuviel wird. Auch der tiefere Einblick in meine Privatsphäre unterbleibt, sie leben ja nicht bei mir. Schwierig wird es, wenn bei den weichenden Erben das Gefühl aufkommt, ich bin zu kurz gekommen, ich bin benachteiligt worden. Es gibt allerdings auch Abkömmlinge, welche grundsätzlich ein Gefühl der Benachteiligung und das zu "Kurz- gekommen-zu-sein" in sich tragen, was mehr mit der eigenen Zufriedenheit zutun hat, als mit einer gerechten Abfindung. Egal wie viel derjenige bekommt, es wird immer zuwenig sein.

Oft wird aber auch nur vom Übergeber die Scheinbaren schönen Seiten des weichenden Erben gesehen. Der hat es gut, kann sich alles leisten, fährt in Urlaub und bekommt sein Geld umsonst. Jede Metallie hat zwei Seiten, wir sehen nur das Schöne der Anderen und ständig die Nachteile meiner Metallie. Versuchen wir doch mehr eigene Zufriedenheit zu finden, statt dem Hinterherhöcheln von dem anderen, was ich nicht habe.

Sicherlich ist es wichtig, dass eine Hofübergabe ein Einschnitt, eine Zensur vom bisherigen und gewohnten ist. Daher ist es hilfreich, dass ich klar und deutlich sage, was mir recht und wichtig ist und was ich anders haben möchte. Am ersten Tag offen und klar ausgesprochen, was mir wichtig ist und ich nicht möchte, spart viel und langen Ärger und psychische Belastung. Es gibt dann vielleicht ein halbes Jahr schlechte Mienen, aber danach wird das Verhältnis besser und klarer.

Versuchen wir für unsere guten Gefühle und Zufriedenheit etwas zu tun, schauern wir auf uns, lassen wir uns es gut gehen. Belassen wir die Unzufriedenheit und das Jammern bei den Anderen. Für meine Gefühle bin ich verantwortlich, die Gefühle anderer gehen mir nichts an.

Von Fritz Kroder, Landw. Familienberatung Bamberg, Bayern - D

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