Die Hofübergabe als Nagelprobe familiärer Beziehungen
Eines der schwierigsten Probleme der Beziehung zwischen der älteren und der nachfolgenden Generation stellt in der Landwirtschaft die Hofübergabe dar. Als neuralgischer Punkt unterliegt sie schon seit langem staatlicher Kontrolle, da Familien häufig überfordert sind, alle Interessen sorgfältig abzuwägen und eine gerechte Lösung für alle betroffenen Parteien zu finden. In den letzten Jahrzehnten wurde die Situation landwirtschaftlicher Betriebe immer komplizierter, so dass heute eine befriedigende Hofübergabe nur noch unter Einbeziehung unterschiedlichster Fachleute möglich ist, woraus sich allerdings wieder völlig neue Probleme ergeben, etwa wenn Beratern Parteilichkeit unterstellt wird oder die Koordination der unterschiedlichen Interessen Schwierigkeiten bereitet. Ein zusätzlicher Sprengstoff ergibt sich heute aus dem hohen Tempo des Agrarwandels, der die Entwicklung einer längerfristigen Zukunftsperspektive erheblich erschwert. Die Übergabe stellt jedoch eine relativ feste Regelung der wirtschaftlichen Verhältnisse dar, die auf bestimmten Annahmen über die Zukunft des Betriebes beruht. Eine zu einem bestimmten Zeitpunkt sinnvolle Festlegung kann jedoch in wenigen Jahren zu einer schweren Belastung werden, wenn sich etwa die Einkommenssituation verschlechtert hat oder eine notwendige Produktionsumstellung erhebliche Investitionskosten erfordert. Es ergibt sich daher die schwerwiegende Frage, wie weit die Hofübergabe heute vertraglich fest geregelt werden soll und wie weit offenere Arrangements zu treffen sind, die je nach materieller Lage des Hofes leichter zu revidieren sind. Das stellt jedoch sehr hohe Anforderungen an das Beziehungspotential aller beteiligten Parteien. Die Schwierigkeiten, die sich hier auftun, erweisen sich als schier unlösbar, da jede noch so sorgfältig abgewogene Entscheidung über kurz oder lang zu neuen Konflikten beitragen kann. Die Hofübergabe wird aus diesen Gründen von der älteren Generation zunehmend aufgeschoben, was das Zusammenleben erheblich belastet, da sich Nachfolger entmündigt und abgewertet fühlen. Gleichzeitig werden sie in ihrer Fähigkeit beschnitten, die Zukunft des Hofes insbesondere in einer Zeit des raschen Agrarwandels aktiv zu gestalten. Hier wird spätestens deutlich, dass die Hofübergabe heute noch mehr als früher vorrangig eine Vertrauenssache darstellt. Ängste und Unstimmigkeiten in den Beziehungen nähren unzähligen Vorbehalte, die sich durch formelle, in ihren Konsequenzen schwer durchschaubare Regelungen kaum ausräumen lassen. 
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