Die menschliche Seite der Hofübergabe
von Volker Willnow, LFB d. ev. Bauernwerkes in Württemberg e. V. Die Hofübergabe ist oft keine leichte Angelegenheit für die Beteiligten. Letztendlich hängt es von einem guten Konsens aus Verändern und Bewahren ab, ob ein Familienbetrieb eine weitere Generation lang erfolgreich geführt werden kann. Die vertragliche Seite der Hofübergabe wird in den meisten Fällen gut vorbereitet. Dazu stehen den betroffenen Familien Fachleute zur Seite. Daneben hat eine Hofübergabe jedoch auch eine menschliche Komponente, die in manchen Fällen unbeachtet oder vernachlässigt bleibt. Unbearbeitete Defizite belasten das familiäre Auskommen. Ist der Familienfrieden erst einmal zerstört, kommt auch die ökonomische Situation eines Betriebes sehr schnell aus dem Gleichgewicht. Mit einigen menschlichen Zügen der Hofübergabe setzt sich folgender Beitrag auseinander. "Und dann habe ich den Wagen an den Nachwuchs verschenkt. Hab aber gleich gesagt, dass der Schlüssel hier am Brett bleiben muss und das gefragt wird, bevor jemand fährt. Übrigens, alle 5000 km wird das Öl gewechselt, das war bei mir auch schon so und das mit der Urlaubsreise können die gleich vergessen!" Er gibt jemanden ein Geschenk und zeigt nicht eine Spur von Abstand zu dem verschenkten. In Gegenteil, der Schlüssel bleibt am Brett und es soll auch immer gefragt werden, bevor der Beschenkte sein neues Gut benutzen darf. Selbstverständlich sollen auch alte, bisher gewohnte Verhaltenseisen aufrecht gehalten werden und gegen gewisse mögliche Nutzungen legt die abgebende Hand gleich ihr Veto ein. Die Mehrheit der Leser wird sich in der Beurteilung dieses Sachverhaltes einig sein: Das ist ein unkluges Verhalten! Geschenkt ist geschenkt, entweder man gibt es oder man behält es! Etwas zu verschenken und trotzdem noch darüber bestimmen zu wollen wird mit großer Wahrscheinlichkeit zu Auseinadersetzungen führen. Aber was soll das, diese Beispiel ist doch konstruiert, so etwas gibt es doch gar nicht und liegt fern der Realität oder vielleicht doch nicht? Dieses Verhalten ist leider so selten nicht, beispielsweise bei der Hofübergabe. Es werden Höfe übergeben ohne das sich die abgebende Hand vom übergebenden Hof wirklich zurückzieht. Äußerungen wie: "Hoffentlich weißt Du was sich gehört" oder "das haben wir schon immer so gemacht und muss auch so bleiben!" sind nicht selten. Mitunter scheint es ganz normal zu sein, den Übernehmer abzustrafen, wenn eigene Vorstellungen sich nicht mehr im Guten durchsetzten lassen: Da wird schon mal die sonst übliche Arbeit und auch der Gruß zum "Guten Morgen" verweigert. Aber wie kann man das Verschenken eines Autos mit einer Hofübergabe vergleichen? In der Tat, ein Vergleich ist schwierig: Auf der einen Seite ein Auto, ein weitgehend emotionsloser Gerbrauchsgegenstand, auf bestimmte Zeit, wenn auch nicht ganz billig. Auf der anderen Seite ein Hof, ein Familienunternehmen, Heimat, Arbeitsplatz und Erwerbsquelle, Identitätspfeiler der Familie, mitunter schon seit vielen Generationen und hoffentlich auch in Zukunft. Der Unterschied könnte kaum größer ausfallen! Aber ändert das etwas an der normalen und guten Verhaltensregel, wie "Geschenkt ist geschenkt?" Verlangen die Vorfahren wirklich, dass wir den jüngsten in ihrer Reihe, den Übernehmer, durch Eingriffe und Maßregelungen entmündigen und belasten? Ist die Last und Verantwortung der Übernahme so groß, dass genug nie genug ist, dass wir neben dem Eigentum auch noch ein Recht auf die lebenslange Arbeitskraft unserer Eltern haben? Ist es wirklich im Sinne der Tradition und der generationsübergreifenden Verantwortung für die Familie, das Verhältnis zwischen den Generationen mit starrem Beharren und maßlosen Forderungen zu belasten? Ich denke nicht! Vielmehr vermute ich, dass sich unsere verstorbenen Altvorderen freuen würden, wenn uns die Hofübergabe richtig Freude macht, wie beim verschenken eines Autos nach den Grundsätzen: "Geschenkt ist geschenkt" und "einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul". Denn sie werden wissen: Nur aus Freude und Freiheit wächst die Stärke, das Werk der Väter sinnvoll fortzuführen. 
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