Positive gemeinsame Erlebnisse sind eine wesentliche Triebkraft zwischen menschlichen Beziehungen.
Die doppelte Funktion des Geldes Von Professor Hans Goldbrunner, Gesamthochschule Essen - D Die Schwierigkeiten des Umgangs mit Geld in der Partnerschaft beruhen vor allem darauf, dass zwei Ebenen kaum zu trennen sind. Geld hat auf der einen Seite eine rein ökonomische Bedeutung, ist ein Zahlungsmittel, mit dessen Hilfe man sich Zugang zu materiellen Gütern, Freizeitvergnügen, Kultur, Bildung usw. verschaffen kann. Als Zahlungsmittel, das den Tausch materieller und ideeller Güter erleichtert, ist Geld an sich beziehungsneutral, es ist weder in der Lage, die Liebe zu beeinträchtigen, noch sie zu unterstützen. Wenn es jedoch von Menschen in Beziehungen eingesetzt wird, um Beziehung zu beeinflussen, wird sie zu einem Medium der Kommunikation. Geld übernimmt in Beziehungen die Funktion eines Beziehungscodes. Wenn z. B. ein Partner dem anderen Dinge schenkt, die dieser sich wünscht, versucht er die Zuwendung zu gewinnen oder zu vertiefen. Oder wenn ein geiziger Mann von seiner großzügigeren Frau fordert, in einem Haushaltsbuch alle Ausgaben genauestens zu notieren, drückt er ihr gegenüber seine Missbilligung und sein Kontrollbedürfnis aus. Wenn die Frau ihrerseits den Auftrag des Mannes nur oberflächlich ausführt und nach einiger Zeit sich dagegen wehrt, kommt ihre Sicht der Beziehung zum Vorschein. An dieser Stelle verliert Geld seinen neutralen Charakter, es wird zur Währungseinheit der Beziehung. Während auf der ökonomischen Ebene die Rolle des Geldes ziemlich klar definiert ist, ist die "Verrechnung" von Beziehungen mit Hilfe materieller Transaktionen wesentlich diffuser. Die Verwirrung wird noch größer, wenn Partner die Augen vor der Tatsache verschließen, dass sie über das Medium Geld miteinander "abrechnen". Die Verdrängung der Reflexion über Geld begünstigt eine wirtschaftliche Illusion, die darin besteht, dass der Beziehungsaspekt des Geldes nicht mehr wahrgenommen wird. Auf diese Weise können sich auf finanziellem Gebiet extreme Beziehungsmuster ausbilden, ohne dass sie durchschaut und hinterfragt werden. Selbst wenn Unbehagen über den Umgang mit Geld artikuliert wird, bewegt sich der Streit oft vordergründig auf der rein materiellen Ebene, während die tiefere Bedeutung der Unzufriedenheit nicht erkannt wird. Die Partner können das irrationale Verhalten im Umgang mit Geld nicht verstehen, weil sie die Situationen nur aus der rein ökonomischen Perspektive wahrnehmen. Man könnte hier von einer Art Beziehungsblindheit auf finanziellem Gebiet sprechen, wenn die tieferen Wünsche, die über die Auseinandersetzung mit Geld zum Vorschein kommen, nicht erkannt werden, weil die ökonomische Grundhaltung die Sicht versperrt. Ein westdeutscher Mann heiratete vor der Wende eine Frau aus einem osteuropäischen Land. Er hatte anfangs Verständnis dafür, dass sie in Westdeutschland in einen massiven Kaufrausch verfiel. Allmählich versuchte er, sie jedoch zu bremsen, da seine Kreditspanne bei der Bank ausgeschöpft war. Seine Frau war über seine engstirnige Haltung entsetzt. Sie glaubte, einen großzügigen Mann geheiratet zu haben, der ihr alle Wünsche erfüllen würde, die sie in ihrer Heimat zurückstellen musste. Der Mann dagegen hatte das Gefühl, sich getäuscht zu haben. Er fühlte sich von der Frau vernachlässigt und dazu missbraucht, ihre materiellen Nachholbedürfnisse zu befriedigen. Die finanziellen Spannungen hängen in derartigen Fällen meist mit tieferen Beziehungskrisen zusammen, die über das Medium Geld zum Ausdruck kommen, ohne dass die Partner ihre Gefühle in Worte fassen können. Die Beziehungssprache des Geldes ist an dieser Stelle vergleichbar der Beziehungssprache psychosomatischer Krankheitssymptome, die ebenfalls Botschaften an den Partner auf einer präverbalen Ebene darstellen. Das Kernproblem ist dabei, daß der Beziehungscode in vielen Fällen für die Partner nicht dechiffrierbar ist. Weder der Sender noch der Adressat "weiß", warum er sich in finanziellen Angelegenheiten so und nicht anders verhält. Die Folge davon ist, dass Lösungsansätze zu kurz greifen, da sie nur die materielle Ebene berücksichtigen. Die Frau mit ihrer Kaufsucht verspricht, sparsamer zu sein, und der Mann bemüht sich um eine großzügigere Haltung, aber in der Realität fallen beide in ihre vertrauten Muster zurück. Gelingt es nicht, den zugrundeliegenden Beziehungskonflikt aufzudecken, entwickelt sich auf der finanziellen Ebene eine Eskalation, da ständig neue Fakten geschaffen werden und sich die Partner in Widersprüche verwickeln. Das finanzielle Chaos nimmt immer größere Ausmaße an, und je mehr es wächst, um so weniger wird es möglich, den Blick davon abzuwenden und die interaktionelle Seite des Problems zu erfassen. Die unentwirrbare Vermischung der ökonomischen mit der Beziehungsebene lässt alle Bewältigungsansätze scheitern. Das Gegenbeispiel dazu verkörpern etwa Paare, die aufgrund einer klaren Beziehung beinahe aussichtslos erscheinende finanzielle Notlagen gut bewältigen. Auf der Suche nach gemeinsamen Problemlösungen, werden individuelle Fähigkeiten der Partner aufgedeckt und auf ihre Tragfähigkeit überprüft, die früher kaum beachtet wurden. Das gemeinsame Aushalten und Bearbeiten der Belastung vertieft das Gefühl der Nähe und der Sicherheit, sich aufeinander verlassen zu können. Derartige positive Erfahrungen tragen dazu bei, die verbreitete Vorstellung von "Geld oder Liebe" in Frage zu stellen und durch eine angemessenere Haltung zu ersetzen, die "Geld und Liebe" nicht als totalen Gegensatz versteht. Dadurch können beide Ebenen zugelassen und als gegenseitige Korrekturmöglichkeiten eingesetzt werden. Die materielle Ebene wird als äußere Voraussetzung für die Realisierung der Partnerschaft erlebt, die zahlreiche Chancen bietet, aber auch Gefahren in sich birgt. Die Liebe ist das lebendige Gegenprinzip, ohne das die materielle Basis nur totes Kapital bleibt. Bildlich gesprochen verwandelt die Liebe das Haus in eine Wohnstätte, in der Partnerschaft und familiäre Beziehungen gelebt werden können. Gleichzeitig begrenzt sie die Beziehung auf einen kleinen Raum, in dem sie sich verdichten kann, ohne sich in Grenzenlosigkeit zu verlieren. Die Größe und Ausstattung der Behausung sagt allerdings nichts aus über die Beziehung. Liebe oder Hass können in einem kleinen Nomadenzelt genau so gut (oder schlecht) gedeihen wie in einem rießigen Palast.
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