„Höfe ohne Hofnachfolger – Höfe ohne Generationenfolge“ war ausgebucht.
Bericht von Christine Beuer über die Veranstaltung Anfang Oktober 2011 in Augsburg
Ich bin im Ruhestandsalter und habe einen Hof und keines meiner Kinder will ihn weiterbewirtschaften oder Es ist für mich fast nicht auszuhalten, dass ich der Letzte in der Generationenfolge bin, der auf dem Hof gearbeitet hat ein Generationenwerk geht jetzt zu Ende. Immer wieder erleben Beraterinnen und Berater der Landwirtschaftlichen Familienberatungen die Nöte, Sorgen und Ängste der Landwirte, die keinen Hofnachfolger haben. In einer gemeinsamen Fortbildung der Landwirtschaftlichen Familienberater der Diözesen Augsburg und Eichstätt wurde schon ganz zu Beginn des Tages die Brisanz des Themas in Bezug auf die Beratung der Landwirtschaftlichen Familien deutlich.
Gibt es alternative Möglichkeiten zur Betriebsaufgabe für ratsuchende Landwirte, die keinen direkten Nachfolger haben? Wie kann eine Hofübergabe an Familienfremde erfolgen? Welche Vorraussetzungen braucht es für Übergeber und Übernehmer? Welche Aspekte sind wichtig für die Klärung der Hofnachfolge auf der zwischenmenschlichen und innerfamiliären Ebene? Kann eine Hofübergabe an Familienfremde überhaupt gelingen und für alle Beteiligten eine gute Lösung sein?
Die Referentin Gabriele Wiest aus München erläuterte in ihrem Vortrag als ersten Punkt Fragen zur Klärung der Hofnachfolge auf der zwischenmenschlichen und innerfamiliären Ebene. Was bedeutet es für mich als Mutter oder Vater, wenn meine Kinder den Hof nicht wollen? Haben die Kinder generell kein Interesse oder möchte eines der Kinder Hofinhaber aber nicht Bewirtschafter sein? Nachdenken sollte die Familie auch immer über die Perspektiven einer Umstrukturierung. Auch die Frage, wie denken alle Beteiligten über eine außerfamiliäre Hofübergabe als sinnvolle Alternative, um den Hof zu erhalten, sollte offen diskutiert werden.
Um diese Fragen zu klären sind viele Gespräche, Einfühlungsvermögen und im besten Fall Unterstützung von außen durch Beraterinnen und Berater hilfreich.
In der Praxis ist die Hofübergabe an Familienfremde die noch am wenigsten praktizierte Möglichkeit. Sei es aus Gründen der persönlichen und betrieblichen Unsicherheit oder auch, weil diese Möglichkeit kaum bekannt ist, oder zu wenig als überlegenswert eingeschätzt wird. Das Projekt Hoffinder Bayern bietet Unterstützung für Hofinhaber in Form von Kontakten zu Hofsuchenden sowie auch begleitenden Gesprächen.
Gabriele Wiest berichtet von fünf Phasen bei der außerfamiliären Hofübergabe die bei den Überlegungen und den Gesprächen eine wichtige Rolle spielen.
1. Das Wollen
Die Entscheidung der Familie für die Option der Hofübergabe an Nichtverwandte
2. Entscheidung für die Form der Übergabe
Festlegung der Hofinhaber auf die Form und die rechtliche Gestaltung der Hofübergabe.
3. Suche nach geeigneten Nachfolgern
Kommen Nachfolger aus der weiteren Verwandtschaft, dem Bekanntenkreis, ehemalige Lehrlinge oder Betriebshelfer in Frage? Auch Anzeigen in der landwirtschaftlichen Fachpresse oder die Suche über Internetportale erscheinen sinnvoll. Neben der fachlichen Qualifikation ist auch der Draht die Chemie zwischen Hofabgebenden und Übernehmenden , sowie der Aufbau einer guten zwischenmenschlichen Beziehung für ein Gelingen der Hofnachfolge entscheidend.
4. Die Übergangsphase
Vorstellungen und Möglichkeiten beider Seiten müssen in Einklang gebracht werden. Menschliche Konflikte können auftreten und geklärt werden. Diese Übergangszeit bietet bei unüberbrückbaren Vorstellungen die Chance zum Ausstieg.
5. Gelungene Hofübergabe
Die Hofübergabe ist gelungen und abgeschlossen, wenn alle Beteiligten ihre neuen Rollen angenommen haben, ausüben und akzeptieren.
In allen Phasen kann es sinnvoll sein Beratung von außen in Anspruch zu nehmen, um neue Sichtweisen, Perspektiven und Handlungsstrategien für die Familie entwickeln zu können.
Landwirtschaftliche Familienberatung der Kirchen in Bayern
Familienverfassungen als Mittel zur Konfliktprävention
In diesem Monat steht für Sie zum Thema Familienverfassungen als Mittel zur Konfliktprävention ein Artikel von Alexander Koeberle und Karsten Schweenr aus der Fachzeitschrift "Konfliktdynamik", 1. Jahrgang Heft 4/2012 bereit.
Ethische Grundlagen zur Begleitung von Bauern und Bäuerinnen in Schwierigkeiten
Diese Ethikcharta ist das Ergebnis von drei internationalen Austauschtreffen zwischen Organisationen aus Deutschland, Belgien, Frankreich und der Schweiz sowie der Treffen der nationalen Lerngruppen, die im Rahmen des Grundtvig Projektes stattgefunden haben.
Seit fünf Jahren unterstützt in Tirol "Lebensqualität Bauernhof" Bäuerinnen und Bauern bei der Bewältigung emotionaler Probleme. Nun setzt die Initiative einen neuen Schwerpunkt, mit der Beratung zum (Ehe-)Leben am landwirtschaftlichen Betrieb, das sich in vielfacher Hinsicht von einem "normalen" Tiroler Haushalt unterscheidet.