Landwirtschaftliche Familienberatung
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Austausch InterAfocg, Frankreich, mit Priv.Doz. Dr. Ika Darnhofer und Prof. Dr. Hans Goldbrunner 11.-18.11.2009 in Frankreich

Frau Ika Darnhofer (BOKU, Institut für Bodenkultur der Universität Wien) und Herr Hans Goldbrunner (BAG, Bundesarbeitsgemeinschaft der Landwirtschaftlichen Familienberatungen und Sorgentelefone e.V. in Deutschland) waren im November 2009 zu einem Informationsaustausch mit InterAfocg nach Frankreich eingeladen. In einem ersten Abschnitt wurden mehrere regionale Afocgs in Frankreich besucht, an den letzten beiden Tagen stand die Beteiligung an den „Journées gestion 2009“ auf dem Programm. Von 15. bis 18.11. nahm auch Michael Wehinger als weiterer Vertreter der BAG an dem Austausch teil.

Die 13 regionalen Afocgs (Associations de formation collective à la gestion: Vereinigungen zur gemeinsamen Ausbildung in Betriebsführung) bestehen seit über 20 Jahren. Sie haben sich nach Einführung der Buchführungspflicht für Landwirte 1985 gebildet und sind inzwischen in 13 Departements ansässig. Ihr ursprüngliches Ziel war, die Landwirte für die eigenständige Buchführung in ihrem Betrieb zu schulen. Inzwischen hat sich die Zielsetzung erheblich ausgeweitet. In den gegenwärtigen Bildungsveranstaltungen stehen umfassende Fragestellungen der Betriebsführung auf dem Programm, die weitgehend von den Landwirten selbst ausgewählt werden. Neben Themen wie Verbesserung der Einkommenssituation durch technische und ökonomische Umstrukturierungsmaßnahmen, Übernahme und Aufgabe des Betriebes wurden in den letzten Jahren auch soziale und psychologische Themen aufgegriffen.

Auf dem Besuchsprogramm standen zunächst Besuche bei den Afocgs in Bordeaux, im Baskenland und im Lorris. Die lokalen Gruppen stellten ihre Arbeitsformen, spezifische Probleme der regionalen Bewirtschaftung und Schwerpunkte der Bildung vor. An konkreten Fallbeispielen wurde das Vorgehen dokumentiert und mit den Gästen diskutiert. Der Reiz dieser Treffen bestand darin, dass neben den Ausbildern an den Treffen auch Landwirtinnen und Landwirte teilnahmen, die als Betroffene ihre Belastungen unmittelbar schilderten und aufzeigten, welche Rolle die Bildungsmaßnahmen bei der Überwindung ihrer Probleme einnehmen.

Nach den Aussagen aller Beteiligten steht gegenwärtig das Arbeiten in kleinen, überschaubaren Gruppen im Vordergrund der regionalen Afogcs. Die Gruppe wird als Raum genutzt, die Isolierung der Bauern zu überwinden, offen und vertrauensvoll über betriebliche Probleme zu reden, unausgesprochene Gefühle zu artikulieren, gemeinsam die Belastungen zu analysieren, nach menschlich und betrieblich angemessenen Lösungen zu suchen und deren Umsetzung langfristig zu begleiten. Aus den bestehenden Gruppen entwickeln sich auch tatkräftige gegenseitige Unterstützungssysteme und Themen für weitere Bildungsseminare. In der Gruppe fühlen sich die Teilnehmer akzeptiert und in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt, ein wesentlicher Faktor, um in schwierigen Zeiten den Mut nicht zu verlieren.

Die „Journées de gestion“ am 17. und 18.11.09 knüpften thematisch an den Besuch einer französischen Delegation in Baden-Württemberg an, der wenige Wochen zuvor stattgefunden hatte. Am ersten Tag stand das Kennenlernen der Landwirtschaft im Umfeld von Paris im Mittelpunkt. Neben allgemeinen Informationen über die Chancen und Risiken im Einflußbereich der Metropole wurden mehrere Betriebe besichtigt und Projekte vorgestellt, die von Interafocg in Kooperation mit anderen landwirtschaftlichen Einrichtungen durchgeführt werden.

Der abschließende Tag in Paris diente der Vertiefung des Themas Krisenbewältigung durch Kreativität. Neben gelungenen Beispielen kreativer Lösungen aus verschiedenen Departements erhielten die Gäste Gelegenheit, ihre spezifischen Zugänge zur Problematik einbringen. Ika Darnhofer aus Wien skizzierte das Konzept der Resilienz als wesentliches Potential zur Bewältigung des Wandels in der Landwirtschaft. Michael Wehinger (Stuttgart) informierte über die Arbeit der Landwirtschaftlichen Familienberatungen und Sorgentelefone in Deutschland, die Landwirte bei betrieblichen und familiären Problemen begleiten. Hans Goldbrunner (Ratingen) unterschied im Hinblick auf Problemlösungen von Landwirten zwischen „harten“, vorrangig auf betriebliche Ebene bezogene Lösungsmethoden und „weichen“ Ansätzen, welche stärker die menschlichen und sozialen Belange im Blickfeld haben. Die Bedeutung der Verarbeitung von Verlusten über Trauer als häufig vernachlässigter Ansatz bildete einen Schwerpunkt.

Interafocg ist mit circa 2000 Mitgliedern eine der kleinsten Hilfsorganisationen für Landwirte in Frankreich. Das ist mit Benachteiligungen verbunden, besonders wenn es um die Verteilung von finanziellen Mitteln durch die Agrarpolitik geht. Die Kleinheit bewahrt jedoch erfolgreich davor, bei der Lösung von Schwierigkeiten sich zu sehr nach Modetrends auszurichten, sondern mit Landwirten zusammen nach maßgeschneiderten individuellen Entwicklungsansätzen zu suchen, auch wenn dies einen aufwendigen und langwierigen Suchprozess bedeutet.

Das Kennenlernen zahlreicher landwirtschaftlicher Betriebe und regionaler Afocgs unter dem Dach von Interafocg hat eine beeindruckende Fülle von überzeugenden Lösungsansätzen in landwirtschaftlichen Krisen illustriert, die als mustergültiges Beispiel für Diversifizierungen nicht nur auf den Betrieben, sondern auch zwischen den Betrieben gewertet werden können. Diese Tatsache erweist sich als wesentlicher Berührungspunkt zur deutschen Bundesarbeitsgemeinschaft der Landwirtschaftlichen Familienberatungen und Sorgentelefone e.V. in Deutschland, die sich ebenfalls dem Prinzip der Individualisierung von Problemlösungen verpflichtet fühlt. Der im Jahr 2009 eingeleitete Erfahrungsaustausch könnte dieses wichtige Standbein beider Organisationen stärken.

Hans Goldbrunner

Datum: 02.12.2009
Autor: LFB Bamberg
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