Landwirtschaftliche Familienberatung
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Zukunft der Schweizer Familienbetriebe - Spannungen vorprogrammiert
Februar 2009

Junge Schweizer Bäuerinnen und Bauern äussern sich zu ihrer Zukunft

Das Bundesamt für Landwirtschaft hat in seinem «Agrarbericht 2008» auch eine Studie zu gesell-schaftlichen und sozialen Fragen eingebaut. 1'023 jungen Bewirtschafter/innen haben dazu an einer schriftlichen Befragung teilgenommen. Zur Vertiefung und Konkretisierung der Resultate der schriftlichen Umfrage fanden zudem 11 Gruppengespräche in unterschiedlichen geografischen und sprachlichen Regionen der Schweiz statt.

Im Folgenden werden einige interessante Resultate dieser Umfrage zitiert. Spannend an dieser Auswahl ist die Tatsache, dass in der Idealvorstellung der jungen Bäuerinnen und Bauern das Bewahren Bäuerlicher Familienbetriebe mit rund 2/3 Nennungen an vierter Stelle steht, andererseits über ¾ der Befragten dem Bäuerlichen Familienbetrieb keine Chance mehr geben und ihn auf den letzten Platz der Zukunftsfaktoren setzen. Wenn man sich schliesslich vor Augen hält, dass gut 50% der jungen BewirtschafterInnen feststellen, nicht genügend Zeit für sich selbst, ihre Familien und PartnerInnen zu haben – dann ist eine Zunahme der Spannungen vorprogrammiert!

Idealbild der Landwirtschaft

Die von den befragten jungen Bewirtschafter/innen als wichtig postulierten Aspekte einer idealen Landwirtschaft entsprechen nur teilweise den Stärken der schweizerischen Landwirtschaft. Genannt werden bei der Vorstellung einer idealen Landwirtschaft auf den ersten fünf Positionen ein angemessenes Einkommen, ein gutes Image bei der Bevölkerung, die Produktion qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel, das Bewahren bäuerlicher Familienbetriebe und eine ausreichende Selbstversorgung. Jener Bereich, der im Idealbild der wichtigste Punkt ist (angemessenes Einkommen), wird in der Bewertung der heutigen Landwirtschaft jedoch als Schwäche (finanzielle Aspekte) wahrgenommen. Qua-litätsaspekte rangieren sowohl im Stärken-/Schwächenprofil als auch im Idealbild weit vorne. Hingegen werden die als Stärke bewerteten Ökologie und Umweltaspekte im Idealbild in den hinteren Rängen geführt. Die Stärke der schweizerischen Landwirtschaft im Bereich der umweltverträglichen Produktion entspricht also nicht den Idealvorstellungen der jungen Bewirtschafter/innen. (Agrarbericht 2008 Seite 68)

Zukunftsbild der Landwirtschaft

Die befragten jungen Betriebsleiter/innen gehen davon aus, dass in der schweizerischen Landwirt-schaft in zehn Jahren die Bedeutung von Umweltstandards und Qualitätsorientierung, inkl. einer tier-freundlichen Landwirtschaft, zunehmen wird. Wichtiger werden, gemäss Ansicht der Befragten, auch die Rationalisierung und die Präsenz auf ausländischen Märkten, ebenso wird dem Aspekt der Landschaftspflege (Pflege der Kulturlandschaft, ökologische Ausgleichsflächen) mehr Bedeutung zukommen. Aspekte, welche einer Rationalisierung oder Spezialisierung entgegenstehen, würden demge-genüber eher abnehmen. So gehen die Befragten davon aus, dass die vielseitige Produktion, die Pflege ursprünglicher Sorten und Arten und der Selbstversorgungsgrad eher zurückgehen. Eine geringere Bedeutung werden auch traditionelle Orts- und Landschaftsbilder sowie das Führen der Betriebe im bäuerlichen Familienverband haben. Negativ wird zudem die Entwicklung des bäuerlichen Einkommens bewertet: Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass die Einkommen zurückgehen werden. (Agrarbericht 2008 Seite 71)

Befindlichkeit

Gut drei Viertel der jungen Betriebsleiter/innen sind laut schriftlicher Umfrage zufrieden mit dem Leben und fühlen sich wohl auf dem Betrieb. Und vier von zehn der Befragten hoffen, es bleibe so wie es ist. Geschätzt am Leben als Bewirtschafter/in eines landwirtschaftlichen Betriebs wird besonders die Selbständigkeit, das naturverbundene Arbeiten, die Arbeit mit Tieren sowie die Arbeit im Familienverband. Diesen positiven Aussagen zur Befindlichkeit stehen Aussagen zum Zeitmangel gegenüber. Die Hälfte gibt an, für sich, die Familie und die Partnerschaft zu wenig Zeit zu haben. Mit 60% noch höher ist dieser Anteil in Bezug auf Zeit für Hobbies. Diese Einschätzung bestätigt sich auch bei der offen gestellten Frage nach der grössten Sorge: 11% der Befragten bezeichnen die hohe Arbeitsbelastung als ihre Hauptsorge. Dass sie zu wenig Zeit haben, wird von Bewirtschafter/innen aus der West-schweiz und von solchen mit grossen Betrieben noch verstärkt angegeben. (Agrarbericht 2008 Seite 81)

Datum: 31.01.2009
Ueli Straub
Weiterführende Links:
Direkter Link zum vollständigen Agrarbericht und seinen Hauptkapiteln
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