Wir haben finanzielle Probleme und brauchen Geld, zumindest als Überbrückung. An und für sich könnte ich ja den Vater fragen. Aber der redet jetzt schon überall hinein. Zudem, wenn dann die Geschwister davon erfahren, wird es noch viel heikler erzählt ein Landwirt am Sorgentelefon. Der Anrufer verfügt über Lebenserfahrungen und hat drei Kinder im halbwüchsigen Alter. Er fürchtet sich vor familiären Abhängigkeiten. Da es sich um einen momentanen finanziellen Engpass handelt, könnte des Vaters Hilfe eine echte Entspannung sein. Aber der Gedanke an die möglichen Konsequenzen lässt ihn zögern. Miteinander im Gespräch klären wir verschiedene Punkte: Das von den Eltern Erwirtschaftete gehört den Alten und sie können frei darüber entscheiden, was sie damit machen. Egal, ob es sich um ein neues Auto, eine Weltreise, einen Gang an die Börse oder einen Kredit an die Nachkommen handelt. Die Kinder haben es zu akzeptieren. Der Vater kann und darf auf ihre Frage um Geld Nein sagen und das haben sie entgegen zu nehmen. Falls der Vater ihm das Geld gibt, ist es am besten einen Vertrag zu machen. Darin sind die Zinsen und die Rückzahlung zu regeln. So haben sie klare Verhältnisse. Was die Geschwister angeht, ja nun, vielleicht sind diese später auch einmal froh um einen Griff unter die Arme. Mit der finanziellen Stütze der Eltern begibt er sich in eine Abhängigkeit und der Bauer fürchtet das Dreinreden. Die blosse Vorstellung löst bei ihm schon gewisse Mechanismen aus: Er schaltet auf Abwehr, ist kurz angebunden und in brenzligen Situationen stellen sich bei ihm die Nackenhaare und gleichzeitig ist er sich bewusst so gehts nicht! Vielleicht sollte er versuchen in seinem Kopf das Wort Dreinreden in Mitreden umzuwandeln. Der Vater will mitreden, weil er ein mitdenkender Mensch ist. Jahrelang war sein Denken um die Familie und diesen Flecken Erde lebensnotwendig und nun kann er nicht einfach auf Knopfdruck aufhören. Wahrscheinlich ist der Vater sich auch bewusst, dass seine Ideen nicht mehr alle so gefragt sind und er muss sich zurückhalten. Aber vor lauter nichts sagen wollen und doch dauernd um das Problem kreisen, werden die anfänglich harmlosen Gedanken zu spitzen Bemerkungen oder zornigem Gebrumm. Vielleicht gelingt es dem Bauer, des Vaters Meinung anzuhören, bevor es brummelig wird. Alle Eltern wollen, dass es ihren Kindern gut geht. Eine Mitarbeiterin des Sorgentelefons. Wenn Sie diese oder ähnliche Probleme mit sich herumtragen, läuten Sie doch dem Sorgentelefon an. Das entlastet. Sie müssen nicht befürchten, dass Ihre persönlichen Sorgen an die Öffentlichkeit gelangen. Das obige Gespräch beruht zwar auf verschiedenen konkreten Erfahrungen, ist aber frei erfunden. 041 820 02 15, Montagvormittag und Donnerstagabend. |