Landwirtschaftliche Familienberatung
Bild mit Bauernkindern
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Reiche der Familie die Hand!
Plakettenübergabe

Unter diesem Motto stand die diesjährige 6. Familienkonferenz am 14. und 15. Mai 2008 in Kielce, der Hauptstadt der Wojewodschaft Heiligkreuz in Polen. Sie war der Frage der Resozialisierung gewidmet. Die Familienkonferenzen in Kielce haben sich seit mehreren Jahren als Plattform für die Vernetzung und den Informationsaustausch zwischen Vertretern der Politik, sozialer und therapeutischer familienorientierter Einrichtungen sowie universitärer Familienforschung in Polen bewährt. Im Vordergrund standen in diesem Jahr zahlreiche theoretische Beiträge und empirische Studien, die die Gefährdungen der modernen Familie in Polen aufzeigten und Hilfsprojekte zur Diskussion stellten. Thema meines Beitrages war „Trauern und Streiten als Ressourcen zur Entwicklung familiärer Bindungen“.

Im weiteren Umfeld dieser Konferenz standen Kontakte zu polnischen Kollegen aus dem Agrarsektor, die bereits in den vergangenen Jahren an Veranstaltungen der BAG der Landwirtschaftlichen Familienberatungen und Sorgentelefone e.V. teilgenommen hatten. Sie hatten ein umfangreiches Gesprächs- und Besichtigungsprogramm ausgearbeitet, das interessante Einblicke in aktuelle Bestrebungen gewährte, die Entwicklung des ländlichen Raumes voranzutreiben.

Exemplarisch sei hier das Sanktuarium in Kalków genannt, das von Prälat Czeslaw Wala in den letzten 25 Jahren auf freiem Felde errichtet wurde. Dem älteren Prälaten, der uns mit Ruhe und Gelassenheit die Entwicklung der Einrichtung erklärte, war äußerlich nicht anzusehen, mit wie viel Energie, Zielstrebigkeit und Weitblick er den Ausbau des Sanktuariums betrieben hat und immer noch weiter vorantreibt. Am Anfang stand der Bau der Wallfahrtskirche, inzwischen einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Polen. Es folgten ein Kinderdorf, Rehabilitationseinrichtungen und -werkstätten, Wohnhäuser für ältere Menschen, eine Art Theater, in dem das Leiden Christi nach dem Vorbild bekannter Passionsspiele aufgeführt wird, jedoch verstärkt mit modernen Medien. Parkanlagen mit Kreuzwegstationen, einem Minizoo für Kinder sowie alles überragend ein bergähnliches Gebilde namens „Golgatha“ mit zahlreichen Grotten, von dem man einen schönen Ausblick auf die hügelige Landschaft hat, sind weitere Highlights der Anlage. Die Grundmauern für ein modernes Hospiz sind schon zu erkennen. Unsere Führer betonen mit Stolz, dass die Gebäude überwiegend von Bewohnern der Umgebung auf ehrenamtlicher Basis errichtet wurden, Fachkräfte kamen nur selten zum Einsatz. Für die künstlerische Ausgestaltung stellten sich namhafte Künstler aus Polen zur Verfügung. Wir bewundern dieses Sanktuarium als Beispiel einer einmaligen Zusammenarbeit im ländlichen Raum.

Das Schwergewicht der Beratung von Landwirten liegt gegenwärtig in der finanziellen Förderung des Agrarstrukturwandels, der durch den EU-Beitritt Polens an Dynamik gewonnen hat. Nach der anfänglich großzügigeren Förderung sind gegenwärtig restriktivere Maßnahmen zu beobachten, die jedoch daran kranken, dass die allgemeinen Zielvorgaben der EU auf Landes- und regionaler Ebene sehr unterschiedlich ausgelegt werden, was den bürokratischen Aufwand erheblich steigert und bei Antragstellern wie bei Verwaltungskräften Irritationen, Konflikte und Leerlauf hervorruft. Angestrebt wird gegenwärtig vor allem eine Vergrößerung der Betriebe, was zum einen durch finanzielle Anreize zur Verrentung von älteren Kleinbauern, zum anderen durch Zuschüsse bei der Existenzgründung von Junglandwirten gefördert wird. Als rentabel gelten in der Region Heiligkreuz Höfe ab einer Größe von 10 ha.

Ein großer Teil der Landwirte scheint von dem derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung zu profitieren. Dennoch gibt es auch einen nicht unbedeutenden Teil, insbesondere unter den älteren Landwirten, aber auch als Folge von körperlichen und psychischen Leiden, die von einem schweren Schicksal betroffen sind. Der Aufbau einer stärker beziehungsorientierten Beratung nach dem Vorbild der Landwirtschaftlichen Familienberatung in den deutschsprachigen Ländern erscheint jedoch gegenwärtig noch nicht möglich, zumal insbesondere in großstadtfernen Regionen allgemein eine psychosoziale Unterversorgung zu beobachten ist.

Ein Treffen der beschriebenen Art ist in Polen obligatorisch mit einem geselligen Abend verbunden, für den die polnischen Freunde einen schönen Picknickplatz in der freien Natur ausgesucht hatten. Für Musik und Tanz sorgte eine bekannte Volksgesangsgruppe der Region, als Überraschung des Abends wurde durch den Leiter des Forstamtes der Gemeinde Zagnansk eine Plakette für Förderer der Waldgebiete von Zagnansk überreicht.

Hans Goldbrunner

Datum: 21.05.2008
Autor: bt
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