Landwirtschaftliche Familienberatung
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Gespräch mit Frau Bundesrätin Doris Leuthard
13. März, 2008

Fragen zur aktuellen Landwirtschaftspolitik, speziell zum geplanten Freihandelsabkommen mit der EU – anlässlich des Gesprächs mit Frau Bundesrätin Doris Leuthard, am 13.3.2008 um 15.00-15.45

Sehr geehrte Frau Bundesrätin

Für die Gelegenheit zum Gespräch danken wir Ihnen sehr. Gerne legen wir Ihnen einige Fragen vor. Doch vor erst beantworten wir Ihnen einige Fragen:

Wer wir sind:

  • SRAKLA: Schweiz. Ref. Arbeitsgemeinschaft Kirche und Landwirtschaft, vertreten durch:
    Ernst Beyeler, 1949, Präsident der SRAKLA, Landwirt in Oberflachs AG, Bezirksrichter, 80 ha mit Ackerbau, Kalbermast, Eierproduktion, Weinbau; verh., 3 Söhne.
    Dominique Gisin, 1963, Biobäuerin, Musikpädagogin, Kindergärtnerin in Langenbruck BL, 50 ha mit Milchwirtschaft, Aufzucht, Wald, Bergzone 2, Vertreterin der SRAKLA im Europ. Arbeitskreis für Landfragen EAL; verh., 4 Kinder.
    Ueli Tobler, 1950, ref. Pfarrer, Vorstandspräsident SRAKLA, Präsident Bäuerliches Sorgentelefon, Müntschemier BE; verh., zwei verheiratete Kinder.
  • •SKBV: Schweiz. Kath. Bauernvereinigung, vertreten durch:
    Marius Rudaz, 1961, Landwirt, Präsident SKVB, Abgeordneter im Generalrat (Gemeindeparlament), Villars-sur-Glâne FR; verh. 3 Töchter.
    Regina Reichmuth-Betschart, 1954, Biobetrieb 9 ha, Direktvermarktung, Oberarth SZ, Hauswirtschafts- und Handarbeitslehrerin, dipl. Bäuerin, Geschäftsführerin SVLT Sektion SZ; verh. 6 Kinder, 2 Grosskinder. 
    Ruedi Zurfluh-Muheim, 1972, Attinghausen UR, Landwirt und Sachbearbeiter der Agro Treuhand UR/OW/NW, Vizepräsident SKBV, 7 ha Milchwirtschaft und Kälbermast, Bergzone 2, alles über 35% Hanglage, Alpwirtschaftsbetrieb mit Gastwirtschaftsbetrieb, Kader der Feuerwehr, Vorstand der Wasserversorgung; verh., zwei Mädchen.
  • In Zusammenarbeit mit der Agridea Lindau und dem Schweiz. Bäuerinnen- und Landfrauenverband SBLFV betreiben wir das Bäuerliche Sorgentelefon 041 820 02 15 www.bauernfamilie.ch.

Unsere Ziele:

  • Ethische und soziale Anliegen in die Landwirtschaftspolitik hineintragen.
  • Der ländlichen Bevölkerung innerhalb unserer Kirchen eine Stimme geben.
  • Ökumen. Zusammenarbeit praktizieren.

Unsere Kriterien:

  • Gerechtigkeit: unsere letzte Verantwortung für unser Tun und Lassen haben wir vor Gott. Vor ihm und unsern Nachkommen haben wir uns zu verantworten. Was hinterlassen wir? Sitzen wir aktuellen Ideologien auf? Schützen wir die Schwachen in unserer Gesellschaft?
  • Friede: Wettkampf und Wettbewerb gehören zur kämpferischen Seite des Menschen. Ziel unseres Lebens ist aber nicht der ewige Kampf, sondern ewiger Friede: in unsern Herzen, zwischen dem Menschen und seinen Mitgeschöpfen, zwischen Mensch und Gott. Was können wir tun, damit wir dieses Ziel auch auf der ökonomischen und politischen Ebene nicht aus den Augen verlieren?
  • Bewahrung der Schöpfung: die Schöpfung ist uns anvertraut. Wir sind nicht Eigentümer unserer natürlichen Ressourcen, sondern Pächter – für die Zeit unseres Lebens. Wie nehmen wir diese Verantwortung wahr? Wie respektieren wir die Schöpfung? Wie gehen wir sorgfältig und nachhaltig mit den uns anvertrauten Ressourcen um?

Ausgehend von diesen Kriterien haben wir folgende Fragen im Blick auf das Freihandelsabkommen mit der EU:

  • Wie nehmen Sie die herrschende Meinung wahr, dass Wirtschaftswachstum über alles zu stellen ist? Müsste nicht die Lebensqualität über die Wirtschaftsquantität gestellt werden? Gerade im ländlichen Raum und in den Randregionen fällt es uns sehr schwer, irgendwelche Vorteile zu sehen, die die Entwicklung der letzten Jahre gebracht hat. Auch gesellschaftspolitisch führt das quantitative Denken immer mehr in eine Sackgasse: Jugendgewalt, Zerbrechen der Familien.
  • Was denken Sie über die Familienpolitik? Die Förderung von (bäuerlichen) Familienbetrieben ist der einfachste, kostengünstigste Weg der Familienpolitik. Nirgends so wie in (bäuerlichen) KMU lernen Kinder und Jugendliche Verantwortung und sorgfältigen Umgang mit anvertrautem Gut. Gerade Familienbetriebe sind durch den unbeschränkten Handel besonders gefährdet. Müsste Familienpolitik in der Handelspolitik nicht viel mehr Mitsprache bekommen?
  • Besteht nicht die Gefahr mit dem freien Handel, dass es (neben der Zwei-KIassen-Medizin) bald zu einer Zwei-Klassen-Ernährung kommt? Hochwertige, teure, gesunde Nahrung auf der einen – billige, minderwertige, ungesunde Nahrung auf der andern Seite! Führt der freie Handel nicht zu stark in diese Richtung?
  • Was denken Sie über die landw. Arbeitsbedingungen in der EU und in der Schweiz? Was gedenken Sie zu tun, damit der Mensch nicht durch die Arbeitsbedingungen seiner Würde beraubt und erniedrigt wird?
  • Welches ist Ihre Haltung gegenüber der dreijährigen Kampagne von Brot für alle und Fastenopfer zum Thema „Recht auf Nahrung“? Damit verbunden ist die Frage:

Wie ist Ihre Meinung zur Nahrungsmittelsicherheit und zur Nahrungsmittelsouveränität? Ist es sinnvoll, die Nahrungsmittelsicherheit unserer Bevölkerung den wechselnden Launen des Marktes, den unterschiedlichen Mentalitäten (Einhalten von Vorschriften – darunter verstehen nicht alle das gleiche) ganz auszusetzen? Gibt es nicht neue Gründe für eine hohe Selbstversorgung? Zum Beispiel: Terrorismus, steigende Rohstoffpreise, Klimaextreme.

  • Was für Überlegungen machen Sie sich zum Transport von Wasser aus Wasser-armen Gegenden in Wasser-reiche Gegenden?

Beim Europa-weiten (erst recht beim Welt-weiten) freien Handel mit Nahrungsmitteln geschieht dies unweigerlich. Besonders extrem ist es bei Gemüse und Früchten.

  • Was sehen Sie für Handlungsbedarf angesichts der Luftbelastung durch den immensen Warentransport? Handel und Produktion auf regionaler Ebene, besonders bei Nahrungsmitteln, wirken dem entgegen.
  • Welche Haltung vertreten Sie zur Deklarationspflicht?
    Eine genaue Deklaration ist eine Frage der Ehrlichkeit und der Gerechtigkeit. Der Kunde soll wissen, wie es um die Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung steht beim Produkt, das er kaufen will.

Was können Sie uns zum Fahrplan betr. Neustrukturierung der Direktzahlungen sagen?
Schon seit langem befassen wir uns sehr grundsätzlich damit und würden gerne unsere Überlegungen auf eine möglichst konstruktive Art einfliessen lassen.

Ihren Antworten schauen wir gespannt entgegen, freuen uns anschliessend auf einen interessanten Austausch und grüssen Sie freundlich

Pfr. Ueli Tobler-Stämpfli
Präsident des Vorstandes
3225 Müntschemier

Datum: 18.03.2008
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