Landwirtschaftliche Familienberatung
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Jetzt kommt Claus
Oktober 2007

Allein und betrübt steht er auf dem Hausplatz und schielt verstohlen zurück. Das frühlingshaf-te Wetter ist herrlich, die wärmende Sonne tut seinen alten Knochen gut. Zum Teufel mit dem bitteren Geschmack im Gaumen, immer schön Haltung bewahren. Karl überquert den Platz zum Stall. „Ja, ja Bläss“, sagt er zum Hund „deinen Posten macht dir keiner streitig!“

Es musste so kommen, das war ihm seit langem bewusst und heute war der Tag X. Das Gerangel um diesen verflixten Generationenwechsel hat sich hingezogen, nun ist es definitiv, der Junge führt den Hof.

Vom Gartenzaun aus, schaue ich auf und bemerke ihn und denke für mich: „Starker Vater, starker Sohn, ganz klar die haben sich die Kämme gestutzt, es sind Federn geflogen und jeder wollte lauter krähen und noch früher Tagwach machen.“

Nun steht Karl vor mir, ausgemustert, orientierungslos, traurig aber hart wie Granit. Mit Mit-leid brauche ich dem nicht zu kommen, sonst kratzt er mir die Augen aus! Ich entscheide mich für einen Frontalangriff: „Komm schon Karl, spiele nicht den gekränkten, zänkischen alten Gockel, du warst lange alleiniger Chef und du hast deine Sache gut gemacht, dein Sohn Claus musste seine Stellung hart erkämpfen. Er geniesst im Moment seine Macht und beim Krähen ist eine gewisse Überheblichkeit nicht zu leugnen. Nimm es nicht zu schwer und be-sinne dich wieder einmal an deine stürmische Jugendzeit. Wie du dich jeweils aufgeplustert hast auf dem obersten Steg und den heiss begehrten Oberboss gespielt hast!“ Der Alte hat sich aufgerappelt, er hält den Kopf schräg und funkelt mich aus zornigen Augen an. Ich gebe noch einen drauf: „Marschiere getrost ausserhalb des Hofes und schaue zur Abwechslung aus einem anderen Blickwinkel in die Welt, ein gutes Mittel gegen deine verständliche, aber nicht sehr hilfreiche Betriebsblindheit. Du wirst dich an ein neues Leben gewöhnen müssen, schau deine Liebste ist über den Zaun geflogen. Wetten, dass sie weiss wie am Bahnhof der Billettautomat funktioniert.“ „Du spinnst“, Karl hat seine Sprache wieder und antwortet, „wozu ist man schliesslich Hahn und Henne, wir zwei fliegen! Komm Klara, die Reise kann begin-nen, wünsche einen guten Sommer allerseits.“ Weg ist er und seine Frau Klara zwinkert mir freundlich zu, winkt noch schnell und sagt noch zum Abschnitt: „Machs gut und pass selber auf, was vor dir liegt, Tschüss.“

Sechs Wochen später die Karte. Hallo wie geht’s? Karl hat bei den Stadt-Musikanten seinen neuen Wirkungskreis gefunden, er steht schon wieder auf oberstem Posten und kräht aus vollem Hals. Ich bin neu beringt und habe die Federn rot gefärbt (er sagt, ich sei ein verrück-tes Huhn) denn in zwei Tagen gehe ich für eine Woche Wellnessen. Grüsse K+K aus B.

Eine Mitarbeiterin des bäuerlichen Sorgentelefons der Schweiz

Wenn Sie diese oder ähnliche Probleme mit sich herumtragen, läuten Sie doch dem Sorgentelefon an. Das entlastet. Sie müssen nicht befürchten, dass Ihre persönlichen Sorgen an die Öffentlichkeit gelangen. Das obige Gespräch beruht zwar auf verschiedenen konkreten Erfahrungen, ist aber frei erfunden. 041 820 02 15, Montagvormittag und Donnerstagabend.

Datum: 01.10.2007
Bäuerliches Sorgentelefon
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