Konjetzky, Laura

Die Pianistin und Komponistin Laura Konjetzky wurde 1977 in München geboren. Sie studierte Klavier am Mozarteum Salzburg bei Christoph Lieske und an der Universität der Künste Berlin. Es folgte ein Studium der freien Improvisation an der Musikhochschule Basel bei Walter Fähndrich. Als Pianistin spielte sie zahlreiche Solowerke für den Bayerischen Rundfunk ein (Prokofieff, Schulhoff, Ustwolskaja) und konzertiert solistisch und kammermusikalisch in den Bereichen der Klassik, Neuen Musik und Improvisation.

Laura Konjetzky arbeitete unter anderem mit dem Ensemble Resonanz, dem Ensemble Zeitsprung und dem Münchner Kammerorchester zusammen und war bei den Salzburger Festspielen, beim A*DEvantgarde Festival, der Tanzwerkstatt Europa, den Europäischen Wochen Passau und in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste engagiert.

Im Zentrum ihres kompositorischen Schaffens steht das Klavier. Sie beschäftigte sich intensiv mit neuen Klängen in und mit dem Flügel. Als zwei ihrer zentralen Werke sind ihr Trio „schatten im traum“ für Klavier, Violoncello und Schlagzeug, sowie das Klaviersolowerk „landschaften.strukturen.räume“ zu nennen. Außerdem schrieb sie Tanz- und Theatermusiken, unter anderem für das Bayerische Staatsschauspiel, das schauspielfrankfurt, sowie die compagnie Anna Konjetzky.

Für ihr Schaffen wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so dem Leonhard-und-Ida-Wolf-Gedächtnispreis für Musik der Landeshauptstadt München (2002), dem Bayerischen Kunstförderpreis (2006) und dem Musikstipendium der Landeshauptstadt München (2010). 2010/2011 ist Laura Konjetzky Stipendiatin im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia Bamberg

www.laurakonjetzky.com

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Laura Konjetzky im Gespräch mit Lisa Hauke und Maria Wüstenhagen

Internationales Künstlerhause Villa Concordia, im November 2010

Sie bezeichnen sich selbst als Pianistin und Komponistin – sind diese Rollen manchmal im Widerspruch? Oder anders: Konzertieren oder komponieren sie lieber?

Diese Rollen stehen in überhaupt keinem Widerspruch. Für mich sind diese beiden „Reiche“ zwei „Reiche“, die sich wunderbar ergänzen. Ich möchte wirklich keines missen. Ich finde es großartig, als Interpretin den kompositorischen Kosmos von anderen Komponisten kennen zu lernen und im Gegenzug mich als Komponistin ganz meinen eigenen Klängen und kompositorischen Visionen zu widmen. Natürlich ist mein kompositorisches Schaffen davon geprägt, dass ich Pianistin bin. Für mich ist dies eine große Qualität. Es sind zwei Tätigkeiten, die sich gegenseitig befruchten.

Ihr Interesse gilt in erster Linie dem Flügel: Auf der Suche nach „neuen“ Klängen und Klangwelten arbeiten Sie sowohl innerhalb des Instruments, indem Sie es präparieren, als auch außerhalb, bei der Suche nach Orten für Konzerte.

Wie gehen Sie vor bei der Suche: Probieren Sie aus, experimentieren Sie, haben Sie vielleicht schon eine Vision von einem Klang, den Sie versuchen, zu erzeugen?

Zunächst mal zu den Klängen mit dem Flügel: Ja, ich habe eine Vision.

Ein Beispiel: wenn ich den ursprünglichen Klavierklang betrachte, dann handelt es sich um einen Klang, der, nachdem die Seite angeschlagen wurde, grundsätzlich nicht mehr verändert werden kann und verklingt.

Das hat mich neugierig gemacht, Klänge zu finden, die genau einen gegenteiligen Charakter haben. Klänge, auf die ich während des Erzeugens Einfluss habe, wie es z.B. auch einem Streicher möglich ist.

Mich interessieren sehr flexible Präparationen, die ich mitten im Stück einsetzen und verändern kann. Ich arbeite viel mit meinen Händen, es können aber auch andere flexible Dinge sein.

Grundsätzlich ist für mich die Struktur von Klängen sehr präsent und wesentlich, sowie das genaue und detaillierte Benennen der Identität von einem Klang.

Wie sieht es mit der Klangsuche außerhalb des Flügels aus? Sie suchen nach ganz besonderen Orten, an denen Sie den Klavierklang ertönen lassen wollen. Gehen Sie gezielt auf die Suche nach solchen Räumen?

Ja. Auf der anderen Seite ist es auch hier so, dass es in mir immer präsent ist; ich gehe einfach mit wachen Augen und Ohren durchs Leben.

Grundsätzlich ist für mich beides spannend und wichtig: Ich finde es großartig, in einem geschlossenen Konzertsaal klanglich an ganz andere Orte zu kommen, und ich finde es sehr interessant an ungewöhnlichen Orten Musik erklingen zu lassen und dadurch neu wahrzunehmen. Darin liegt ein Reiz, es ist aber auch eine Herausforderung: Der Flügel ist wirklich kein Instrument, das ich in meine Aktentasche stecke und dann einfach mal irgendwo auspacke.

Mir geht es auch grundsätzlich nicht darum, irgendwo mein Instrument aufzustellen, Hauptsache ungewöhnlich, sondern darum, einen Ort zu finden, der wirklich akustisch und räumlich stimmig ist, und an dem ich eine innere Notwendigkeit sehe, einen Flügel aufzustellen. Dann muß das an diesem Ort auch noch praktisch möglich sein. Diese Orte sind wirklich rar gesät.

Können Sie Beispiel nennen für solche Orte?

Mich interessieren zum Beispiel Orte an denen Zeit spürbar ist, z.B. ein verfallenes Gebäude oder aber Orte, die überhaupt noch keine Geschichte haben, z.B. Rohbauten.

Wir haben eine vielleicht etwas ketzerische Frage: Die Welt ist voller Klänge, man hat teilweise das Gefühl, dass man doch schon alles gehört hat: Warum suchen Sie neue Klänge? Hat dies einen Mehrwert für den Hörer, für Sie?

Ich glaube der Ursprung dieser Klangsuche liegt in mir selbst, und in meiner engen Bindung zu meinem Instrument, dem Flügel sowie dem Wissen und der Neugierde, dass der reine Klavierklang erweiterbar ist. Auch da ist es wieder so: Wirklich interessante neue Klänge zu finden ist nicht so einfach. Es geht nicht darum, irgendwas in den Flügel hineinzulegen und dann scheppert es, das interessiert mich überhaupt nicht. Ob diese Klänge wirklich neu sind, weiß ich nicht. Das spielt auch überhaupt keine Rolle für mich. Im Zweifelsfall hat sie jemand anderes auch gefunden. Es geht mir eher um die Art und Weise, wie ich es einsetze und wie ich damit umgehe. Das kann auch den reinen Klavierklang betreffen. Im Zweifelsfall wird es neu sein, wenn ich meinen eigenen Weg gehe.

Beschäftigen Sie sich mit der Klangsuche auch an anderen Instrumenten?

Natürlich interessieren mich auch neue Klänge an anderen Instrumenten.

Grundsätzlich geht es ja um kompositorische Visionen, um das hörbar machen von inneren Klängen und um die Frage: Wie übertrage ich diese auf ein Instrument und auf welches Instrument?

In dieser Fragestellung ist für mich der Flügel zentral.

Auch weil ich es spannend finde mit einem Instrument weit zu gehen, zu versuchen alle Klänge, die ich mir vorstelle im Flügel zu finden.

Hier im Künstlerhaus treffen Sie mit Künstlern aus 3 Sparten zusammen: Werden Sie durch die anderen Künstler beeinflusst?

Für mich ist meine Zeit hier vor allem eine Zeit des inneren Rückzuges. Das ist das präsenteste und prägendste Element. Ich habe nicht direkt nach einer Zusammenarbeit mit anderen Mitstipendiaten gesucht, weil ich mich vor allem meinem inneren Raum widmen möchte. Die Spur und den Einfluß den meine Mitstipendiaten bei mir vielleicht hinterlassen, werde ich wenn wohl eher indirekt spüren.

Ganz grundsätzlich gefragt: Wie werden Sie von anderen Sparten, von Werken aus der Bildenden Kunst oder der Literatur beeinflusst?

Eine sehr schwierige Frage: Auf der einen Seite ist für mich wirklich das Mich-Abschotten, Isolieren, das In-Mich-Hören und Mich-Nicht-Beeinflussen-Lassen präsent, wenn ich zum Beispiel etwas Neues komponiere.

Es geht mir darum, wirklich zu hören, was in mir klingt, welche Strukturen in mir sind, auch wenn mir bewusst ist, dass das, was in mir klingt, ein Resultat ist von Dingen, die ich erfahren und gehört habe. Der Klang in mir ist natürlich die Summe meiner Geschichte, meines Lebens, meiner Wahrnehmung. Aber das ist dann ein indirekter Einfluss.

Von daher bin ich nicht auf der Suche nach Einflüssen. Dennoch gibt es großartige Kunst, die mich berührt und beschäftigt.

Sie haben aber auch schon interdisziplinäre Projekte verwirklicht?

Ja. Ich habe einige Zusammenarbeiten mit verschiedenen Kunstsparten verwirklicht, am Theater, mit Tanz. Diese interdisziplinären Projekte haben mich auf jeden Fall weiter gebracht.

Aber der Kern ist meine Solo-Arbeit.

Für mich ist es elementar, dass es eine Balance gibt zwischen meiner rein musikalischen Arbeit, die natürlich erweitert werden kann, was auch immer dann Musik für mich beinhaltet; das kann auch eine Bewegung sein, ein performatives Element, ein neuer Umgang mit Musik. Und auf der anderen Seite spannende interdisziplinäre Zusammenarbeiten, die mir auch neue Perspektiven eröffnen können. Entscheidend ist hierbei auch immer, dass Musik eine zentrale Rolle spielt.

Perspektiven – das ist ein gutes Stichwort: Welche Träume/ Wünsche haben Sie für die Zukunft?

Ich habe den Wunsch und den Traum, wach und neugierig zu bleiben und den Mut zu haben, meinen ganz eigenen Weg zu gehen.

Dabei wünschen wir Ihnen viel Erfolg!

 

Laura Konjetzky

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