Engel, Paul

wurde 1949 in Reutte/ Tirol als jüngstes Mitglied einer Musikerfamilie geboren, die als „Engel-Familie“ bekannt wurde. Zusammen mit seiner Familie war er bis 1981 weltweit auf Konzerttouren unterwegs. Er studierte an der staatlichen Hochschule für Musik in München Komposition bei Günter Bialas und Wilhelm Killmayer, Dirigieren bei Jan Koetsier, Fritz Schieri und Wolfgang Winkler sowie Klavier bei Rosl Schmid und Volker Banfield. Neben der Lehrtätigkeit an der Jugendmusikschule Starnberg und an der Musikhochschule München in den Fächern Musiktheorie, Analyse und Gehörbildung war er als Instrumentalist in diversen Ensembles Alter und Neuer Musik sowie weltweit als Dirigent tätig, unter anderem leitete Engel von 1988 bis 1998 das Symphonieorchester München-Eching. Seit 1987 arbeitet er freischaffend als Komponist, Dirigent und Pädagoge in München und Reutte, seit Oktober 2007 auch in Usingen bei Frankfurt a.M..

Seine Kompositionen wurden unter anderem bei den Salzburger Festspielen 1984 und 1987, bei der Münchner Biennale 1995, beim Münchner Musiksommer 1987 und im selben Jahr beim Grazer Musikprotokoll, 2001 bei den Tiroler Festspielen, Erl sowie beim internationalen Festival Zeitgenössischer Musik „Klangspuren Schwaz“ 1995 und 2006 aufgeführt. 2005 fand die Uraufführung des Zyklus "Getäuscht hat sich der Albatros“ nach Texten von Ursula Haas für Bariton und Klaviertrio mit Martin Bruns und dem berühmten Wiener Klaviertrio im Carl-Orff-Saal im Münchener Gasteig statt. Zuletzt konnte man die Kompositionen Engels an einem Porträt-Abend im Rahmen der „Tage der neuen Musik“ 2009 in der Akademie für Tonkunst, Darmstadt, und in der “Musik im Studio“ im ORF-Innsbruck, sowie in Wiesbaden mit seiner Kammermusik "Der Paukenschlag von Haydn", einer Performance-Komposition zum Haydn-Jahr erleben.

Derzeit arbeitet der Komponist an "ROCHADE" einer Sinfonia Concertante für Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier und Orchester und an „Die fünf Dhyanis – Sanskrit-Mantren“ für Chor, Blechbläser und Batterie.

Paul Engel erhielt zahlreiche Preise, darunter 1972 der Richard-Strauß-Preis der Stadt München; 1982 erhielt er den Kompositionspreis der „Sommerlichen Musiktage“ in Hitzacker, 1981 gewann er den ersten Preis beim Kompositionswettbewerb der Jürgen-Ponto-Stiftung Frankfurt a.M., es folgten 1982 der Förderpreis der Stadt München, 1983 der Förderpreis des österreichischen Ministeriums für Unterricht und Kunst, Wien und 1996 der Tiroler Landespreis für Kunst.

Ab April 2010 arbeitet und lebt Paul Engel für ein Jahr als Stipendiat im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg.

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Interview mit Paul Engel, Dirigent und Komponist Bamberg, Juli 2010

Villa Concordia: Wir wollen direkt mit einem Zitat von Ihnen beginnen. Sie sprachen in einem Interview davon, dass Sie „aus den Soll-Erwartungen der Zeit ausbrechen“ wollen. Was bedeutet das für Sie? Ist es eine Art des Sich-Befreiens von den Vätern, Idolen, Vorbildern und Lehrern? Inwiefern ist für diese Befreiung ein Ausstieg aus dem System notwendig?

Paul Engel: Wie jedes Leben ist auch das meine eines, womit es sich zu arrangieren gilt. Jeder Mensch hat sein ganz spezifisches Leben, das unvergleichlich ist. Es gibt sechs Milliarden oder noch mehr Menschen hier auf Erden, und wenn man genau hinschaut, hat jeder seinen eigenen Charakter, sein eigenes Schicksal, das sich mit keinem anderen vergleichen lässt – ob in den Slums der Großstätte oder unter den Oligarchen.

Die musikalische und soziale Prägung, die ich von meinem Elternhaus, von meiner Familie erhalten habe, war sehr stark. Mein Vater war ein hervorragender Gitarrist - er hätte auch Konzertgitarrist werden können, hätte er sich nicht „überübt“ mit der Folge einer Sehnenscheidenentzündung. Das Ende des zweiten Weltkriegs brachte viele allgemeine und berufliche Veränderungen mit sich. So begann mein Vater damit, seine musikalischen Ambitionen als Pädagoge in seine Familie zu investieren und baute dabei etwas Einzigartiges auf: Ein Familien-Ensemble, das ein Programm von Alter Musik über Barock und Wiener Klassik bis zur Moderne mit Schwerpunkt Alpenländischer Volksmusik auf bis zu über sechzig Instrumenten auf professionellem Niveau darzubieten wusste. Daraus wurden fast 30 Jahre gemeinsamer Auftritte bei Tourneen um die Welt, an denen ich, als Jüngster, von Beginn an beteiligt war. Die „Engel-Familie“ war in der Tat sehr erfolgreich, auch wenn ihre Musik nicht über die Charts lief und die Trapp-Familie oder viel später dann die Kelly Family medial wesentlich präsenter waren.

Mit dieser Vergangenheit im Gepäck kam ich im Herbst 1970 an die Münchner Musikhochschule, wo die Engel-Familie - meine musikalische Herkunft - nicht gerade von Bedeutung war. Daher war mein Einstieg dort etwas schwierig. Jedoch habe ich schnell mitbekommen, was in der so genannten „Neuen-Musik-Szene“, der Musikalischen Avantgarde, en vogue war und habe mich darauf gestürzt - vielleicht nicht ganz so enthusiastisch wie meine Kommilitonen. Unbewusst erlebte ich damals eine innere Spaltung, war psychisch nicht so fit - sagen wir besser, nicht selbstbewusst genug, um diese fremdartigen Eindrücke zu integrieren; viele Jahre lebte ich auf zwei Ebenen: Einerseits im Bemühen, meiner Herkunft gerecht zu werden, andererseits das zu bedienen, was von der „Neuen-Musik-Szene“ erwartet wurde. Jahre des Suchens nach „meinem Weg“ sind vergangen, ohne die gesellschaftlichen Erwartungen der Szene - und das ist die Beantwortung der Frage - erfüllt zu haben. Die Kraft, das Selbstbewusstsein oder die Überzeugung, den eigenen Weg gehen zu können, waren nicht stark genug in mir entwickelt, wenngleich es doch auch Erfolge mit meinen Kompositionen zu verbuchen gab. Ich habe mich selbst und die Musik-Situation immer wieder infrage gestellt: Kann man, darf man so komponieren, wie es mir vorschwebt, wie ich es für richtig halte? Wer oder was bestimmt die Richtung? In wieweit muss ich mich dem „Diktat“ beugen? Oder kann ich mich davon befreien? Darüber verging viel Zeit. Jetzt, allmählich kann ich sagen: „Es ist mir egal“. Meine einzige Aufgabe - wie ich sie heute begreife - ist es, authentisch zu sein, ob als Komponist, als Musiker oder als Mensch.

VC: Würden Sie sich selbst als Aussteiger bezeichnen? Diese Bezeichnung findet sich immer wieder in Verbindung mit Ihrer Person. Würden Sie das selbst so unterstreichen?

PE: Nein. Ich will mich nicht abschneiden von den Errungenschaften der (Musik-) Geschichte, sondern Brücken bauen zu den Vätern, den Ahnen, den Meistern unserer Europäischen Musik wie generell der Weltkultur. Man kann die innere Verbindung zu seinen Quellen nicht abbrechen oder sich kämpferisch davon distanzieren; ohne Vater und Mutter wird man nicht geboren. Palestrina, Monteverdi, Leonhard Lechner, Orlando di Lasso oder - um nur ein paar Namen zu nennen - Händel, Bach, Mozart, Schubert, Beethoven, Mendelssohn, Wagner, Verdi, Bruckner..., Gustav Mahler, Debussy, Stravinski, Bartók, Schostakowitsch oder Messiaen..., sie alle sind Bestandteil einer kontinuierlichen Entwicklung; wie könnte man sie ignorieren? Das wäre unmöglich.

Nur hat nach dem zweiten Weltkrieg im deutschsprachigen Raum eine Abwendung stattgefunden von dem, was ich als die emotionale Kraft in der Musik bezeichnen würde. Auch hier ist es so: Körper, Seele und Geist sind eine Einheit. Den Körper von den Gefühlen abzuschneiden, führt den Menschen in die Einöde. Bei der Aufarbeitung des „Tausendjährigen Reiches“ geschah aufgrund dessen, dass die Nationalsozialisten - wie bekannt - berühmte musikalische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts für sich und ihre Propagandamaschine missbraucht haben, ein Bruch, der das Entstehen eines neuen Tabus zur Folge hatte. Ab 1945 grenzte man sich ab von allem, was vor 1945 war. Wie Bullterrier bissen sich Feuilleton und Musikwissenschaft an - politisch fraglos gerechtfertigt begründbaren - Gegebenheiten fest. Doch, ob sie nun im Bereich der Musik logisch oder wiederum nur gegenläufig emotional waren, wagte damals kaum einer zu diskutieren. Dieses Dilemma existiert bis zum heutigen Tag, und ich finde, diese Entwicklung hat im Bereich der zeitgenössischen Komposition dem Dilettantismus via Dodekaphonie und Aleatorik die Tür weit geöffnet: Nämlich hat eine intellektuell-argumentative Perfektionierung auf verbaler, nicht-musikalischer Ebene Platz gegriffen, um mit beinahe schon diktatorischen Methoden eine in Wahrheit inhaltliche Leere zu rechtfertigen. Doch wenn der Musik ihr seelischer Aspekt, der sich durch das Vorhandensein des Melos - des horizontalen Zusammenhangs - von Beginn an vermittelt, entzogen wird, trocknet der Fluss irgendwann aus. Die seelische Kraft in der Musik entsteht im Moment einer Aufführung durch das energetische Bemühen des Interpreten, Töne aneinander zu reihen und ihnen damit den Odem des Lebens einzuhauchen. Diesen Zusammenhang zu unterbrechen, hat die Neue-Musik-Szene musiktheoretisch akribisch zu untermauern versucht und damit scheinbar legitimiert. Wer anders dachte und handelte, wurde beschimpft und verstoßen. Das ist der Bruch, der gerade in Deutschland und Österreich mehr als in allen anderen Ländern der westlichen Musikwelt nach 1945 stattgefunden hat. Das alles stand im Zusammenhang mit den Folgen der Kulturpolitik von 1933 bis 1945 und danach einem extremen Pendel-Ausschlag in die Gegenrichtung.

VC: Die Verbindung zu den früheren Entwicklungen ist also wichtig?

PE: Ja. Willkürlich lassen sich die Dinge nicht voneinander trennen. Wenn man etwas unverarbeitet los werden will, was Bestandteil des eigenen Denkens und Empfindens ist, nimmt man sich selbst etwas weg, was gleichzeitig eine Verstärkung dessen bedeutet, von dem man sich trennen wollte: Der Hydra wachsen die Köpfe ständig nach, solange man sich von ihnen beeindrucken lässt. Wir sind die Kinder unserer Väter und Mütter. Es ist unmöglich, diese Tatsache zu ignorieren. Versucht man es, kommt der Tag, an dem einen die Verleugnung der eigenen Herkunft einholt. Nur die Erkenntnis des eigenen Ursprungs, dessen Akzeptanz und in Folge das Bemühen, alles dieses in sich zu integrieren anstatt es zu verdrängen, führt in die Freiheit. Ausstieg in radikaler Form ist negativ, macht krank. Wenn man konzeptlos gegen ein System ankämpft, verliert man Kraft. Ich glaube, dass gute Musik zustande kommen kann, wenn man das Wertvolle der Tradition in sich integriert und sich mit sich selbst und mit seiner Vergangenheit versöhnt. Dabei ist es wichtig, hinzuschauen und alles daran zu setzen, authentisch zu werden und zu leben. Die Hydra löst sich auf, sobald ich ihr keine weitere Beachtung schenke. Man muss spüren und fühlen, bei sich zu sein. Das Geheimnis dabei: Es lässt sich mental nicht erzwingen.

VC: Ist das der Grund, warum Sie letztendlich auch bei der Musik geblieben sind? Sie hätten ja auch einen anderen Beruf wählen können. Kann man sagen, dass die Verbindung zur Musik durch Ihre Familie so stark ist, dass kaum ein anderer Weg möglich gewesen ist als auch beruflich im Bereich Musik zu bleiben?

PE: Danke für diese sehr wesentliche Frage. Vor allem in schwierigen Zeiten habe ich sie mir oft gestellt.

Am Ende aller Erwägungen kam für mich nur die Musik in Frage. Ich möchte zu diesem Thema einen Vergleich ziehen. Nehmen wir – symbolisch, nicht als glühender Verehrer die Sportart bewertend – zum Beispiel den frisch gebackenen Fußball-Jungstar Thomas Müller: Der ist mit 20 ein „g‘standenes Mannsbild“, was er bei der Fußball-Weltmeisterschaft letzthin unter Beweis stellen konnte. Zu diesem Typ Mensch gibt es viele Parallelen in allen Bereichen des Berufs- und Gesellschaftslebens, auch dem künstlerischen. Vergleiche ich nun Müller mit mir, stelle ich fest, dass ich selbst mit zwanzig Jahren überhaupt nicht gelebt habe. Ich war eng in den Familienbetrieb eingebunden. Mein Vater war eine sehr starke Persönlichkeit: Viele meiner eigenen musikalischen und privaten Initiativen bis hin zu Bekanntschaften mit Mädchen hatte er unterbunden aus Sorge um den Familienbetrieb. Dagegen war ich machtlos und meinem Vater dafür lange Zeit böse. Dieses negative Gefühl hat sich inzwischen in Bewunderung für ihn verwandelt, denn mir wurde bewusst: Damals war sein Handeln bestimmt von existentiellen Überlegungen. Existenzängste eines Vaters mit sieben Kindern, die mit ihm gemeinsam für den Lebensunterhalt und das Prosperieren aufkommen sollten, sind latent. Väter, sprich: Männer haben Probleme, sich das einzugestehen. Sie unterdrücken ihre Ängste. Angst birgt die Option des Scheiterns – Alkohol, Drogen, Abstieg ins asoziale Milieu. Man kann sich aber auch den Anforderungen des Lebens aktiv stellen. Mein Vater und meine Mutter entschieden sich für letztere Variante mit allen Konsequenzen und dem, was man damals wissen und tun konnte. Sie gaben ihr Bestes. Davor habe ich heute großen Respekt. Väter - das männliche Prinzip - müssen handeln, aktiv sein, kreativ sein, das Leben meistern. Sie handeln entsprechend ihrer Kraft, ihrer Überzeugung, ihrer Ideale. Dabei machen sie auch Fehler, z.B. den, zu meinen, ihre Söhne und Töchter müssten so werden wie sie selbst. So gesehen habe ich zwischenzeitlich öfter überlegt, ob ich die Erwartungen meines Vaters erfüllen und Musiker bleiben oder doch lieber Arzt werden sollte oder irgendetwas anderes wie Missionar, Pilot...

Pilot, das wäre auch ein Beruf gewesen, den ich gerne ergriffen hätte, aber in meiner „Vita“ war das nicht vorgesehen. Der Terminkalender des Unternehmens „Engel-Familie“ bestimmte ab 1955 den Alltag, der der Musik gewidmet war: 1963/1964 waren wir zum ersten Mal in Übersee, drei Monate auf Asien-Tournee, davon sechs Wochen allein in Japan. Von da an waren wir nur noch unterwegs. Die Schule verkümmerte für mich zu einer „Randerscheinung“. 1965 kam eine Europatournee, 1966 folgte Australien, 1967 zum zweiten Mal Australien; danach im Herbst Südafrika. 1968 haben wir wieder ganz Europa bereist, 1969 war ein Jahr, in dem wir über 150 Auftritte hatten. Plötzlich war ich neunzehn. Wie gesagt: Das „Funktionieren“ für die Familie brachte es mit sich, dass ich mein eigenes Leben nicht spürte und keine Ahnung hatte, mein Leben eigenverantwortlich aufzubauen. Thomas Müller - um zu diesem Beispiel zurück zu kommen - , hat seine Chance ergriffen, worin ihn seine Großeltern und Eltern bestätigt haben, nämlich sein Leben in die Hand zu nehmen, für sich selbst verantwortlich zu sein. Das schafft ein positives Lebensgefühl. Ich selbst blicke auf eine wesentlich längere Entwicklungszeit zurück, die aus den erwähnten Bedingungen heraus schwierig war und über so manchen Umweg führte. Sich dem Groll, der Wut und dem Zorn über das, was nicht gut lief, gestellt und sich mit Vater und Mutter versöhnt zu haben - nur das zählt am Ende. Nach erfolgreicher Transformation kann sich ein Zustand von Freiheit einstellen.

VC: Sie wählten jedoch den Lebensentwurf Komponist und Dirigent, Ihre Geschwister sind alle Berufsmusiker und -musikerinnen geworden. Kann man das doch als eine Art der Abgrenzung sehen?

PE: Hier besteht Ambivalenz: Einerseits wusste ich sehr genau, für Komposition eine Ader zu haben. Andererseits schwelte unbewusst die Frage, inwieweit bedient man die Erwartungen seiner Ahnen, seiner Eltern, ja, auch seiner Geschwister, wenn man sich für diesen Beruf entscheidet. Ich spürte, welche Musik Qualität besaß und wusste, wie man Instrumente zum Klingen bringt, welche Musik ich machen wollte und bin dann diesen Weg gegangen, ohne genau zu wissen, was alles auf diesem Weg an Steinen und Hindernissen liegen mochte. Die größten Brocken waren vor allem die eigenen Zweifel und Befürchtungen. Nach Abschluss des Kompositionsstudiums inklusive Meisterklasse an der Musikhochschule in München habe ich dort dreizehn Jahre Tonsatz und Gehörbildung unterrichtet und war zeitgleich als Musiklehrer an der Jugendmusikschule in Starnberg tätig. Nachdem ich zweimal Kompositionsaufträge von den Salzburger Festspielen bekam – Dritte Symphonie (1984) und die Kammersinfonie (1987), beide Uraufführungen fanden in der Felsenreitschule statt –, entschloss ich mich, den Beruf des Komponisten mit aller Kraft auszuüben.

VC: Da sind wir schon mitten in der Musik. Etwas, was Sie immer wieder ansprechen, ist: die Idee von Harmonie, das im Frieden sein mit der Vergangenheit, das im Einklang sein mit der Gegenwart, mit sich selbst, mit dem Mitmenschen. In Ihrer Musik spielt die Harmonie eine sehr große Rolle. Auf der anderen Seite versuchen Sie, sich selbst keine Tabus zu schaffen, also die Musik so frei zu empfinden, dass es keine Einschränkungen gibt. Wie passt das zusammen?

PE: Gute Musik, eine gute Komposition holt den Hörer ohne Vorbedingung ab. Der Komponist nimmt mit der unverzichtbaren Hilfe des Interpreten den Hörer, die Hörerin an der Hand und sagt: „Komm, lass Dir ein bisschen was vom Leben zeigen, auch wenn es vielleicht nur mein kleines eigenes Leben ist, so, wie es eben ist. Ich nehme Dich an der Hand und führe Dich durch (m)eine Erfahrungswelt“. Die Erfahrungswelt des Menschen kann doch nicht nur schauererregend disharmonisch sein. Wenn sie es wäre, würde alle Materie auseinander bersten - so, wie es heute digital hergestellte „Action-Horror-Thriller“ einem vorführen. Dann gäbe es keinen Stein auf dem anderen, dann gäbe es kein Weinglas auf dem Tisch, dann gäbe es keine Schwerkraft, mit deren Hilfe wir als physische Existenzen auf der Erde leben. Es gäbe dann auch kein physisches Sonnensystem und keine Galaxien. Damit der Kosmos materiell existieren kann, bedarf es mindestens eines Anteils von 52 % positiver, ich würde sagen kohäsiver Energie, die das materielle Gefüge des sichtbaren und unsichtbaren Universums zusammenhält. Das kann ich nicht ignorieren, auch als Musiker nicht. Für mich sind Klangsäulen tatsächlich ein ergreifendes Erlebnis. Klangsäulen sind Klänge, die im engen und weiteren Sinn auf Basis von Naturtonreihen aufgebaut sind. Ich möchte hier als Beispiel eines meiner tiefgehendsten musikalischen Jugenderlebnisse anführen: Es war 1969 in Südafrika nach einem Auftritt der Engel-Familie in einem Township. In einer bis auf den letzten Platz besetzen Konzerthalle stand das Bantu-Publikum spontan auf, um vierstimmig eine Hymne – mit „Schusterbässen“ – zu singen. Dieser überaus beseelte, im Sinne des Bach‘schen Tonsatzes „schräge“, Choral drang derart kraftvoll aus dem Solarplexus des Parketts auf die Bühne an meine Ohren – es dauerte eine Viertelstunde, bis der Strom meiner Tränen wieder versiegte. Wir sprechen hier über Gefühle. Vielleicht ist es an der Zeit, dieses Wort der Deutschen Sprache neu zu interpretieren und es vom Stigma des Kitsches, der Gefühlsduselei zu befreien. Musik hat eben auch die Aufgabe, Emotionen zu wecken, den Emotionalkörper des Menschen zu nähren, ohne den dieser nicht leben kann. Dies kann nur geschehen, wenn sich die Klänge in horizontalem Zusammenhang entwickeln – wie es Celibidache und Ansermet beschrieben haben. Daher will ich nicht ständig überlegen: Was passt nicht zu dieser oder jener Note, was passt nicht zu dieser oder jener Harmonie, um etwas scheinbar Neues, Unerhörtes auszudrücken, sondern ich will durchaus entgegen dem, was oft gelehrt wird, fragen dürfen: Was passt zusammen? Was gehört zusammen? Was bin ich, wie bin ich und bin ich wirklich das, was ich mir hier ausdenke?

VC: Kann man das auch als eine Art Kritik an der Neuen Musik verstehen?

PE: Systeme kommen und gehen. Es war und ist eine schwierige Zeit für die so genannte “Ernste Neue Musik“. Einer Ästhetik zu folgen, die das Trennende dem Einenden vorzieht, ist nicht einfach. Damit hatte ich schon immer Probleme und will es nicht weiter bewerten, sondern der allgemeinen Entwicklung überlassen, vor allem dem inneren Gestaltungswillen der primär wie auch und im Besonderen der sekundär kreativen Menschen – den Interpreten, ebenso wie auch dem meiner Meinung nach sehr sensibel reagierenden, sich emanzipierenden Publikum.

Ich glaube, dass sich in naher Zukunft viel ereignen wird. Es ergeben sich neue Formen der Gestaltung, sei es im Bereich der Künste oder im Bereich der Wirtschaft, der Agrarwirtschaft, der Industrie incl. Pharmaindustrie – überall zwingen die Verhältnisse zum Umdenken. Alle sind aufgefordert, der inneren Wahrhaftigkeit zu folgen, mutig zu sein, indem gesagt wird, was gesagt werden muss – sei es kulturell, ökonomisch, ökologisch, politisch oder eben auch musikalisch. Es ist wie auf dem Basar: Die Erfordernisse des Augenblicks sind der Maßstab. Wenn ich mich für etwas interessiere und es gut finde, dann kaufe ich es zu dem Preis, bei dem ich mich gut und gerecht behandelt fühle. Damit kann ich den Markt bestimmen. Das ist meine Macht. Punkt. Und der, von dem ich es kaufe, soll sich ebenfalls gut dabei fühlen. Das beendet Klientelpolitik und Lobbyismus. Es ist meine Hoffnung. Diese Lager haben meiner Ansicht nach den freien Markt und die Kulturlandschaft verzerrt. Noch fehlt uns die Courage, Dinge zu verändern, von denen wir längst wissen, dass wir so damit nicht länger fortfahren können. Entgegen innerem Wissen und Fühlen tut man nicht selten, was Systeme von einem erwarten – aus Verlustängsten heraus. Aber es wird sich ändern; das Richtige zu tun, nämlich, den allgemein nützlichen Optionen den Vorzug gegenüber den schädlichen und unnötigen zu geben, wird sich durchsetzen. Solange wir verzweifelt durch die Welt spazieren, unterwerfen wir uns dem Kampf, dem männlich-marsischen Prinzip. Wir unterwerfen uns dem Prinzip, “bad news are good news“. Die Zeit ist reif für den Ausgleich zwischen Yin und Yang. Ich finde es gut, dass z.B. auch Frauen in Ämter, hohe politische, gewählt werden. Dadurch wird eine andere Qualität von Energie frei. Auch die Männerwelt wird verstehen, dass mit Kampf nichts mehr geht, mit Konkurrenzkampf, mit „Schlagenden Verbindungen“, in Afghanistan oder wo immer auf dieser Welt.

VC: Ist das vielleicht der Grund, warum Sie sich wiederholt mit Frauenfiguren beschäftigen? Uns ist aufgefallen, dass Sie sich vor allem auf Figuren aus der Antike beziehen, z.B. Cassiopeia, Eos – sie sind oftmals Hauptfiguren Ihrer Kompositionen.

PE: Ich höre in so mancher neuer „E-Musik“ seit dem zweiten Weltkrieg viel Kampf, künstliches Drama, Hektik, Verbissenheit, Dissonanz, Flic-Flac, Geschabe, Verbohrtheit, Virtuosität um ihrer selbst willen. Das Yin hat keinen Platz. Wagner z.B. verfasste kurz vor seinem Tod einen Aufsatz über „das Weibliche im Menschen“; in seinem „Ring“, speziell im „Siegfried“ ist viel von der Mutter die Rede und an einer Stelle sagt Brünhilde zu Siegfried: „Leuchtender Spross! Liebe dich und lasse von mir: vernichte dein Eigen nicht“. Der Mann, das Männliche im Menschen hat große Probleme mit Selbstliebe. Ein Mann sucht eine Frau und spekuliert dabei darauf, dass sie ihm die Liebe gibt, die er sich selbst verweigert. So funktioniert Partnerschaft nicht, weder im Kleinen wie im Großen, wie wir aus Kriegen und Erfindungen bis hin zu Kernwaffen und Splitterbomben wissen. Kampf um Frauen, Güter, Länder, Ansehen und Macht zieht Zerstörung nach sich. Weil Männer sich scheinbar selbst nicht lieben können, machen sie Krieg – auch in der Musik. Wagner wusste sehr wohl, dass der Mensch - ob Mann oder Frau – aus beiden Polen, dem Yin und dem Yang, dem männlichen und dem weiblichen Prinzip zusammengesetzt ist. Mit Schluss-Szenen wie die der Isolde oder der Brünhilde will er das untermauern. Ist man gewillt, sich mit der darin verborgenen Symbolik ernsthaft zu befassen, wird man staunen, wie aktuell und brisant diese Thematik ist.

Ob Mann oder Frau – es gibt Frauen, die das Männliche leben, und es gibt Männer, die das Weibliche leben. Doch, geht es nicht um Ausgleich, Ausgewogenheit und Wohlbefinden, um Glücklich-Sein? Es geht sicher nicht darum, die Sexualität zu verleugnen oder sich dafür zu bestrafen, sondern es geht darum, damit aufzuhören, innere und äußere Kriege zu führen, die Umwelt zu zerstören und gierig aus der Erde ihren letzten Blutstropfen heraus zu saugen. Wer kommt auf die Idee, an der Zapfsäule zu sagen: „Danke, dass du da raus sprudelst, liebes Benzin, damit ich von Augsburg nach Berlin fahren kann.“ Oder wenn man den Stecker in die Steckdose steckt: „Danke, liebe Elektrizität, jetzt habe ich Licht und kann mein Buch zu Ende lesen, die Email verschicken und Wasser für meinen Jasmintee kochen.“ Wir leben von den Energien, die uns der Planet zur Verfügung stellt, und wenn Dankbarkeit weiblich ist, dann sollten sich die Herren der Schöpfung dazu durchringen und Dankbarkeit fühlen. Dafür ist der weibliche Pol im Menschen zuständig. Um Dankbarkeit für Empfangenes zum Ausdruck zu bringen, ist die Menschheit jetzt an diesem Punkt aufgefordert, sich ihrer Kampfstrukturen und des Fehlens mütterlicher Energien in sich bewusst zu werden. Dann käme sie nicht auf die Idee, gewissenlos Löcher in die Erde zu bohren oder Kernspaltung zu betreiben. Wir spüren, das ist Ignoranz dem Leben gegenüber und Abwesenheit jeglichen Mitgefühls. Wir spüren im Inneren, dass die Menschheit kein Recht hat, den Atomkern zu spalten. Ich habe auch kein Verständnis für CERN in Genf. Protonen auf Kollisionskurs zu bringen, um mit Hilfe der dabei frei gesetzten Energie festzustellen, wie das Universum entstanden sein könnte, ist – tut mir leid – eine kindlich-männliche Idee. Mit dem Verstand sind Fragen nach der Entstehung des Lebens nicht zu beantworten. Wir können sie nur seelisch erfahren. Gestern oder morgen? Es gibt immer nur das Hier und Jetzt – vor allem in der Musik. Mann kann es nur fühlen. Es lässt sich nicht denken. Den Schlussakkord im letzten Satz von Bruckners "Neunter" kann man nicht denken, man kann ihn nur spüren und darüber staunen.

VC: Ist das für Sie auch eine religiöse Frage?

PE: Will man es als Religion bezeichnen – schon. Im ihrem Kern lehren die Weltreligionen die Ehrfurcht vor dem Leben. Religion bedeutet für mich nicht, prächtige Dome zu erbauen auf dem Prinzip der Angst vor dem Sündenfall – obschon mich Musik in der Kirche bewegt und fasziniert. Doch bedeutet Religion, dem eigenen Sein und Leben Respekt, Dankbarkeit, Anerkennung entgegen zu bringen, eben Selbstliebe zu leben und andere daran teilhaben zu lassen – nicht zu verwechseln mit Egoismus. Ein schwieriges Unterfangen, viele Wunden sind noch offen, sie heilen nur langsam.

VC: Die Religion spielt auch in Ihren Kompositionen eine Rolle. Derzeit arbeiten Sie an dem Stück „Die fünf Dhyanis“, dem tibetanischen Buddhismus entlehnt. Können Sie uns darüber etwas erzählen? Wie kommen die fünf Buddhas in der Musik vor? Das ist auch vor allem eine Frage in Bezug auf Ihre Vorgangsweise beim Komponieren: Wie kommen Inhalt und Form zueinander?

PE: Die Arbeit an diesem Projekt steckt noch im Zustand: „brainstorming“. Ich habe ein Konzept und versuche herauszukristallisieren, worum es mir geht: „Die Fünf Dhyanis“, auch Tathagatas genannt (aus dem Sanskrit überliefert), sind eine zeitlose Verkörperung starker, ausgeglichener Seinszustände. Die Zahl Fünf symbolisiert das „über sich hinaus Wachsen“ und steht für die vier Himmelsrichtungen und das Zentrum: Osten, Süden, Westen, Norden und die Mitte; die fünf Farben: Blau, Rot, Gelb, Grün, Weiß; die fünf Elemente: Luft, Feuer, Wasser, Erde, Äther; sowie für die fünf so genannten niederen Körper des Menschen: physischer Körper, Gefühlskörper, Geistkörper, Energiekörper und ätherischer Körper...

Bedeutung für mich: Wir sind aufgefordert, einen Punkt zu erreichen – und das ist für mich Religion – uns nicht länger als Opfer zu fühlen oder als Täter aufzuführen, sondern den nächsten Schritt zu machen und alles, was Schmerzen in uns verursacht, selbst zu heilen. Das Opfer sagt: „Du bist schuld daran, dass es mir schlecht geht“ – ein fataler Kreislauf. Letztendlich hat jeder Mensch die Möglichkeit, aus diesem „circulus vitiosus“ auszusteigen, dann, wenn sich diese Erfahrungen für ihn persönlich oder für die Allgemeinheit erübrigt haben. Ein echter Aussteiger ist jemand, der das gesellschaftliche Täter-Opfer-Opfer-Täter-Muster nachhaltig überwunden hat. Um diesen Ausstieg energetisch zu unterstützen, hat der Tibetanische Buddhismus Mantren entwickelt. Wenn nur der Kopf ohne das Herz sagt: „Ja, es tut mir leid, ich habe Dir wehgetan“, oder anders herum, wenn er behauptet: „Es macht mir nichts aus, dass du mir wehtust“, und dennoch spürst du den Schmerz und bleibst darin verhaftet, dann ist das nur ein eingebildeter Ausstieg ohne Substanz. Um tatsächlich auszusteigen, muss man an sich selbst arbeiten, den Schmerz fühlen wollen, ihn nicht verdrängen. Der Dalai Lama sagt: „Wir, die Tibetaner, führen keine Kriege, sinnen nicht auf Rache, auch wenn die Peiniger uns wehtun, denn wir haben uns durch diesen Schmerz hindurchgearbeitet, den Schmerz des Exils, der Demütigung, der Ignoranz, des Hochmuts“. Die Äquivalenz zur christlichen Religion ist evident. Nur, die institutionalisierten Kirchen, ob christlich, jüdisch oder muslimisch haben es leider noch nicht verstanden, oder sie haben ihre Jahrhunderte alten marsisch-männlich-kriegerisch-machtpolitischen Gründe dafür, es nicht verstehen zu wollen. Die Klientel wird über das Prinzip Angst über die vermeintliche Sünde klein gehalten. Das ist nicht der Weg, er führt langfristig ins Leere.

VC: Wie setzen Sie diese Idee in Musik um?

PE: Wie bereits gesagt: Ich möchte den Zuhörer in der Tat emotional und nicht musiktheoretisch durch Erfahrungen hindurchführen, so wie ich sie erlebe. Vielleicht ist er bereit, sich dabei von meiner Musik führen zu lassen, vielleicht auch nicht. Darauf habe ich keinen Einfluss. Hören Sie sich eine Klaviersonate von Beethoven an, da wird Ihnen das klar werden. Beethoven nimmt seinen Zuhörer bei der Hand: Exposition, Seitenthema, Durchführung mit dem Modulationsteil, dort, wo es dramatisch ist, schließlich die Reprise, die den ursprünglichen Gedanken in neuem Gewand mit anderer Beleuchtung aufnimmt und zum Ende führt. Der Zuhörer erlebt dabei symbolisch das Leben in vielfältigen Facetten; das war Beethovens Absicht. Am Ende ist dem Rezipienten bewusst: „Jawohl, ich habe etwas erfahren – und nichts ist mehr, wie es war“. Das ist es, was für mich ein Buch, ein Bild, eine Fotographie, ein Musikstück, ein Film in Gestalt bringen sollte. Man reist von Agadir nach Bangkok und kann danach sagen: „Jetzt habe etwas über mich erfahren und verstanden. Jetzt begreife ich, alles war richtig, so wie es war und ist“. Diesen Dienst kann Musik leisten.

VC: Sie wollen eine innere Entwicklung beim Hörer provozieren?

PE: Provokation ist Krieg, Zwang und Erstarrung – wenn man ehrlich zu sich selbst ist. Ich möchte mich von dem Zwang lösen, die Aufmerksamkeit überwiegend nur darauf zu richten, um herauszufinden, ob ein Klang, eine Tonfolge, ein Stil, eine Ästhetik neu, also bisher ungehört ist, so etwa wie: „Ist das jetzt neue Musik? Habe ich das nicht schon mal gehört?“ Diese Haltung führt im Inneren zu einer Behinderung. Man kann sich dann nicht öffnen, sich tiefer hinein fallen lassen in ein musikalisches Erlebnis. Man bleibt im Analysieren stecken. Der Verstand bewertet, achtet auf: falscher Ton, zu laut, zu leise, alte Kamelle, wie grässlich, alles schon mal gehört... dabei verliert man den Kontakt zum inneren Erleben; es schränkt den Erlebniswert im Konzertsaal enorm ein. Das so genannte Neue gibt es nicht, es ist die Illusion des so genannten Zeitgeistes: Ist er einmal tot, ist auch seine Kreation tot. Meiner Meinung nach gibt es nur schön und hässlich, laut und leise, hoch und tief, warm und kalt, innig und lieblos, heilend und verletzend, horizontal und vertikal, Wohlsein und Schmerz, Melos und Rhythmus, Ordnung (=Metrum) und Chaos – diese Gegensätze. Sonst gibt es nichts in unserer dualen Welt.

VC: Ist das das Konzept Ihrer Musik: Ich möchte den Zuhörer erreichen, ich möchte keine Musik für den Kopf machen, sondern Musik für die Seele, für das Herz?

PE: Das wäre der Weg, der das Ziel ist. So möchte ich es haben. Einfach die Gesamtheit des Lebens in seinen zahllosen Aspekten über die Musik zum Ausdruck zu bringen. Dafür braucht es die Fähigkeit, das Hamsterrad seines eigenen Negativ- Denkens auszubremsen, sich fallen zu lassen – als Komponist, als Interpret, als Musik-Empfangender. Man gibt sich hin, um etwas mitnehmen zu können, eine zumindest temporäre Identifikation, die sehr glücklich machen kann.

VC: Jetzt haben wir noch eine letzte Frage: Haben Sie für die Zukunft bestimmte Wünsche – z.B. den Wunsch, für ein bestimmtes Ensemble zu komponieren, oder an einem bestimmten Ort aufgeführt zu werden? Gibt es eine Art musikalischen Traum?

PE: Ich bin so, wie ich bin, dazu stehe ich mit allen Konsequenzen, und das gilt es zu stabilisieren und auszubauen. Viele Ideen und Projekte schlummern in Herz und Kopf, die ich gerne realisieren möchte. Wir werden sehen, ob und wie sich das eine oder andere davon realisieren lässt. Mein Enthusiasmus ist trotz mancher Hürden ungebrochen, ja sogar zunehmend!

VC: Das ist doch ein gutes Schlusswort! Vielen Dank für das Gespräch! Das Gespräch führten Lisa Hauke und Maria Wüstenhagen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Paul Engel

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